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Lübeck Erster Blick ins Märtyrer-Zentrum
Lokales Lübeck Erster Blick ins Märtyrer-Zentrum
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21:11 25.10.2013
Bildertafel als Zeitleiste: Oben geht es um die Märtyrer, unten um die politische Situation, so Stephan Kube.
Lübeck

Hell, licht — und rot. Das ist der erste Eindruck der neuen Märtyrer-Gedenkstätte. Sie schmiegt sich an die rechte Seite der Herz-Jesu-Kirche auf der Altstadtinsel und ist den vier Lübecker Geistlichen gewidmet, die sich gegen das Nazi-Regime stellten. „Hier sind die Märtyrer zu Hause“, beschreibt Kurator Stephan Kube den Kerngedanken der neuen Ausstellung. „Dieser Ort hat den Reiz des Originals.“ Denn die Theologen haben in der Herz-Jesu-Kirche gepredigt. Zu ihnen zählen die Katholiken Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der protestantische Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Die drei Katholiken sind vor zwei Jahren in der Hansestadt selig gesprochen worden.

Wer durch das Kirchenportal tritt, steht in einem Gotteshaus, dessen weiße Wände den Raum freundlich wirken lassen. Ganz im Gegensatz zu der früheren, etwas düster- mystischen Atmosphäre von Herz Jesu. Von dort geht es rechts in den zentralen Teil der Ausstellung. Auffällig: die roten, meterhohen Tafeln an der Fensterseite. Vier an der Zahl. Darauf wird jeder der Märtyrer sehr persönlich vorgestellt und charakterisiert — in Bild und Ton. Auf der gegenüberliegenden Wand ist eine lange Bildertafel angebracht. Dort werden die Jahre 1933 bis 1945 als Zeitleiste dargestellt — auf zwei Ebenen. Die obere beschreibt das Kennenlernen der vier Theologen und ihre Arbeit als Gruppe. Die untere Ebene zeigt die historischen Ereignisse dieser Zeit. Eingerahmt wird die lange Bildertafel mit zwei Filmen: Lübeck vor dem Zweiten Weltkrieg — und die Zerstörung in der Bombennacht an Palmarum (dem Palmsonntag) — alles Originalaufnahmen.

Im hinteren Teil führt eine Treppe hinunter zur Krypta. Vor deren Eingang werden die 18 Menschen aufgelistet, die mit den Märtyrern gefangen genommen wurden. Auch auf die Haushälterin Johanna Rechtien wird hingewiesen, die den Geistlichen Hostien und Messwein in die Zellen des Gefängnisses am Holstenglacis in Hamburg schmuggelte. Es gibt eine Deutschlandkarte, auf der die anderen Städten eingezeichnet sind, in denen der Lübecker Märtyrer gedacht wird. Außerdem wird die Seligsprechung der katholischen Märtyrer vor dem Platz der Herz-Jesu-Kirche gezeigt. Linker Hand geht es in die Krypta, die direkt unter dem Kirchenchor platziert ist. Auch dieser Raum wurde hergerichtet — in Weiß. Dort war früher der Kohlenkeller, in dem Eduard Müller während des Zweiten Weltkrieges Jungen-Gruppen unterrichtete. Schon kurz nach der Hinrichtung der Geistlichen am 10. November 1943 entwickelte sich dieser Raum zur Gedenkstätte. Doch erst 1955 wurde er zur Krypta. Sie ist ebenfalls Teil der Ausstellung und dient als Raum der Besinnung. Dort wird die Urne von Hermann Lange aufbewahrt. Sie soll feierlich beigesetzt werden — unter dem Altar. Voraussichtlich in einem halben Jahr.

Die sterblichen Überreste des evangelischen Pastors Stellbrink sind in der Lutherkirche in St. Lorenz Süd beigesetzt. Die Asche der beiden anderen wurde auf Feldern verstreut.

Noch nicht ganz fertig ist das Archiv, das sich neben der Krypta befindet. „Das ist eine Schatzkammer“, sagt Kube. Darin sollen wie in einem Museum Originale aufbewahrt werden: Briefe, Armbanduhr, Gitarre, Messgewand. Zudem wird es einen weiteren Raum für Forschungszwecke geben.

2,8 Millionen Euro hat der Umbau der Kirche und die Ausstellung gekostet. Das Geld haben das Erzbistum Hamburg, Stiftungen und zahlreiche Spender aufgebracht. Am Montag wird Erzbischof Werner Thissen die Gedenkstätte in einem Gottesdienst um 18.30 Uhr einweihen. Auch Kultusministerin Anke Spoorendonk (SSW) ist dabei. Ab Dienstag ist die Ausstellung dann für jedermann offen.

Die Öffnungszeiten
10 bis 18 Uhr ist die Ausstellung geöffnet — montags bis sonnabends; sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. In dieser Zeit stehen Ehrenamtler bereit, Fragen zu beantworten. Führungen (auch durch das Archiv) müssten vorab gebucht werden unter Telefon 04 51/709 87 65. Es werden Führungen beispielsweise in Englisch oder Italienisch angeboten.

Josephine von Zastrow

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