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Lübeck Erzählkunst in Lübeck: Märchen für die Hüxstraße
Lokales Lübeck Erzählkunst in Lübeck: Märchen für die Hüxstraße
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20:47 16.03.2019
Gerhard P. Bosche erzählt im Geschäft Try Out in der Hüxstraße das französische Märchen „Die törichten Wünsche“. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Ein armer Mann kommt zu einem Haus, bittet um etwas zu essen und bekommt nichts. Er kündigt an, sich eine Suppe aus einem Stein zu kochen. Die Leute werden neugierig, und auf seine Bitte bringen sie ihm – damit die Steinsuppe besser schmeckt – nacheinander alles, was man für eine Suppe braucht: Salz, Fett, Gemüse und schließlich Fleisch. Mit diesem Märchen beginnt Susanne Söder-Beyer (57) ihren Auftritt im Optikergeschäft Rheingans an der Hüxstraße. Der kleine Verkaufsraum ist von Zuhörern dicht besetzt. Die Erzählstunden in sechs Geschäften in der Hüxstraße am Sonnabend waren ein kleiner Vorgeschmack auf das Erzählkunstfestival „Der Norden erzählt“, das von Mittwoch, 20. März, bis Sonntag, 24. März, an mehreren Orten in der Innenstadt stattfindet.

Susanne Söder-Beyer (57) erzählt den Grimmschen Klassiker „Rumpelstilzchen“. Quelle: Lutz Roeßler

Beim Erzählen werden Erwachsene wie Kinder

Seit sieben Jahren ist Susanne Söder-Beyer hauptberufliche Geschichtenerzählerin. Früher arbeitete sie als Erzieherin in einem Kindergarten. „Dort war Erzählen der tägliche Abschluss“, erinnert sie sich. Aber jetzt erzählt sie oft auch für Erwachsene. „Erst ist da immer so ein kleiner Vorbehalt“, sagt sie. „Aber wenn sie einmal reinlauschen, dann werden sie wieder wie Kinder.“

Geschichten erzählen ist nicht dasselbe wie Geschichten vorlesen. Auf diesen Unterschied legt ihr Kollege Gerhard P. Bosche (64) viel Wert, mit dem sie sich das Erzählen in der Hüxstraße teilte. Es ist auch nicht dasselbe wie eine Geschichte vortragen. „Die sind nicht auswendig gelernt“, betont Bosche. „Beim Lernen habe ich Bilder im Kopf von Szenen, von Personen, von allem, was da ist. Es läuft ein Film ab, und den erzählen wir.“

Märchen aus aller Welt

Die Geschichten, die Söder-Beyer und Bosche erzählen, sind Märchen aus den verschiedensten Traditionen. Das zeigt sich schon an der ersten Station in der Hüxstraße: Das Märchen von der Steinsuppe stammt aus Südeuropa. Aus Irland kommt ein Märchen über einen Mann, der einem alten Bauernpaar einen Goldklumpen als Gastgeschenk mitbringt, und aus China die Geschichte des Künstlers, der vom Kaiser 5000 Taler für das Bild eines Hahns verlangt.

Im Publikum an der dritten Station, dem Schmuckgeschäft Try Out, sind nur Erwachsene – außer Ellen (4), die bei ihrer Mutter Kristine Goddemeyer (37) auf dem Schoß sitzt – wie schon an der ersten Station im Optikergeschäft. Die Mutter wollte eigentlich schon früher nach Hause gehen, aber Ellen wollte davon nichts wissen. „So gefesselt ist meine Tochter bei meinen Geschichten nie“, sagt Kristine Goddemeyer. „Sie hat gleich gesagt: ,Die können so gut erzählen.’“

Klassiker der Brüder Grimm

Im Schmuckgeschäft gibt Susanne Söder-Beyer einen Klassiker zum Besten, das Märchen vom Rumpelstilzchen. Die Grimmschen Märchen sind eine tragende Säule des Repertoires. Von ihnen selbst erfundene Geschichten erzählten seine Kollegin und er nicht, sagt Bosche. „Es gibt so viele wunderbare Märchen. Ich finde es besser, Sachen, die überliefert sind, zu erzählen.“ Was genau erzählt werde, stehe nicht von vornherein fest. „Es kommt darauf an: Wer ist da? Wie ist die Stimmung?“

Das 6. Erzählkunstfestivalzu Lübeck wird am Mittwoch, 20. März, um 19 Uhr in der KulturRösterei (Wahmstraße 43-45) mit der Veranstaltung „Herrenabend mit Dame(n)“ eröffnet. Es erzählen Susanne Söder-Beyer, Gerhard P. Bosche, André Wülfing und Peter Glass. Der Eintritt kostet im Vorverkauf zwölf, an der Abendkasse 17 Euro. Das ganze Programm unter www.dernordenerzaehlt.de.

Hanno Kabel

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