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Lübeck Erzbischof eröffnet Märtyrer-Gedenkstätte
Lokales Lübeck Erzbischof eröffnet Märtyrer-Gedenkstätte
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22:15 28.10.2013
Lübeck

Symbolisch klopfte Erzbischof Werner Thissen mit seinem Krummstab an das Portal. Anschließend erfüllte Weihrauch den Raum als Zeichen für das nach oben steigende Gebet und die Verehrung. Die neue Märtyrer-Gedenkstätte im Anbau der Propsteikirche Herz Jesu in der Parade war damit am gestrigen Abend eingeweiht und von da an eröffnet. „Ein langer Weg über rund fünf Jahre hat damit sein Ziel erreicht“, bemerkte Propst Franz Mecklenfeld.

Im vorangegangenen festlichen Vespergottesdienst, dem neben der Gemeinde zahlreiche Ehrengäste beiwohnten, hatte Thissen in seiner Ansprache gesagt: „Von Anfang an gab es die Verehrung unserer vier Märtyrer. Der Arbeitskreis 10. November hat jedoch das nicht hoch genug einzuschätzende Verdienst, dafür gesorgt zu haben, dass das Gedenken lebendig geblieben ist.“ Und weil immer mehr Menschen nach Lübeck kämen, um sich an Ort und Stelle mit dem Wirken der Märtyrer vertraut zu machen, sei diese Gedenkstätte notwendig geworden.

In dem 20 Meter langen und 3,50 Meter breiten, lichten Anbau wird in Ton und Bild multimedial an die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange sowie den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink erinnert. Die vier Geistlichen hatten in der Hansestadt gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert. Am 10. November 1943 wurden sie schließlich in einem Hamburger Untersuchungsgefängnis mit dem Fallbeil hingerichtet. 2011 wurden die drei Kapläne dann seliggesprochen.

Drei Aufträge solle die Ausstellung in Herz Jesu nun erfüllen, betonte der Erzbischof — „einen geistlichen, einen ökumenischen sowie einen politischen“. So könne man in der Gedenkstätte erfahren, was christliche Lebensqualität sei und wie selbst eine totale Diktatur vor glaubensstarken Christen kapitulieren müsse, führte er aus. „Zudem machen uns die Märtyrer Mut, die Gemeinsamkeit zwischen den christlichen Konfessionen immer mehr zu suchen und für die Einheit zu beten“, formulierte er Auftrag Nummer zwei. „Außerdem macht uns die Ausstellung wachsam für jede Form von Gewalt, Ungerechtigkeit und Menschenverachtung heute. Auch wer nicht Christ ist, kann sich dem Vorbild der Märtyrer zuwenden und für sein eigenes Leben Konsequenzen ziehen.“

Ihr Erscheinen zugesagt hatte ebenfalls Kulturministerin Anke Spoorendonk. Die gestrige Wetterlage verhinderte allerdings ihre Anreise aus Kiel, so die Mitteilung. Trotzdem wurden ihre Grußworte in der Kirche verlesen — und zwar von Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. Spoorendonk verwies in ihren Zeilen auf die Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit, die in den Gedenkstätten im Land getan werde. „Denn die Zukunftsfähigkeit wird sich daran bemessen, welchen Beitrag Erinnerungsarbeit zur Entwicklung unserer demokratischen Gesellschaft zu leisten in der Lage ist. Wie kann das ,Nie wieder!‘ auch jüngeren Generationen noch Leitfaden und Handlungsmaxime sein?“, verfasste sie. Und die Lübecker Märtyrer zeigten uns heute, wie wichtig Solidarität und Widerstand gegen Unrecht sei.

Michael Hollinde

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