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Lübeck Erzbistum will Zuschüsse streichen
Lokales Lübeck Erzbistum will Zuschüsse streichen
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21:50 21.12.2017
Ausgereizt ist der Container-Standort der Johannes-Prassek-Schule auf dem Gelände der städtischen Luther-Schule. 100 Kinder werden derzeit in der katholischen Schule in den Containern unterrichtet, die Anmeldungen für das nächste Schuljahr seien gut, sagt der Schulleiter. Quelle: Foto: Di Fusco
St. Lorenz Süd

Das Erzbistum will seine jährlichen Zuweisungen an die Schweriner Bernostiftung einstellen. Das hat unmittelbaren Einfluss auf die Johannes-Prassek-Schule in der Moislinger Allee. Denn die Bernostiftung ist Träger von vier katholischen Schulen – unter anderem der in Lübeck. Bei den Zuweisungen für alle vier Einrichtungen soll es sich um einen höheren sechsstelligen Betrag handeln. Die Bernostiftung hat in einer ersten Reaktion erklärt, dass sie sich und ihre katholischen Schulen in Ludwigslust und Lübeck in der Existenz gefährdet sieht. Zugleich betonte die Stiftung, dass sie weiter um den Erhalt der Schulen kämpfen wolle. Sie kämpfe dafür, „die Entscheidung umzudrehen“, erklärte Stiftungsratsvorsitzender Hubert Maus gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Anfang 2018 wollen der Stiftungsrat und die Schulleitungen über das weitere Vorgehen beraten.

Für die Johannes-Prassek-Schule ist das bereits die zweite Hiobsbotschaft in diesem Jahr. Im Juli hatten Erzbischof Stefan Heße und Generalvikar Ansgar Thim erklärt, dass es für Schulneubauten in Lübeck und Ludwigslust kein Geld geben werde. Die Prassek-Schule wollte auf dem früheren Hubschrauberlandeplatz am Berliner Platz einen zehn Millionen Euro teuren Neubau errichten. Das Grundstück hatte das Erzbistum Hamburg schon vor Jahren erworben. Die fertigen Pläne der katholischen Grundschule verschwanden in der Schublade.

Alternative Überlegungen, auf dem Gelände dann wenigstens Container aufzustellen, damit die Schule endlich eine eigene Heimat bekommt, sind ebenfalls vom Tisch. Inzwischen diskutiert Schulleiter Bernhard Baumanns mit den politischen Fraktionen im Rathaus und mit Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) über eine neue Variante. Die katholische Grundschule würde gerne ein städtisches Schulgebäude in St. Lorenz Nord von einer Gemeinschaftsschule übernehmen. Dort könnte die Johannes-Prassek-Schule einen Anbau errichten. Finanziert werden könnte der aus dem Verkauf des Hubschrauberlandeplatzes. „Mit dieser Perspektive könnten wir noch einige Jahre am jetzigen Standort bleiben“, sagt Baumanns.

Parallel muss sich die Schule Gedanken machen, wie der laufende Betrieb finanziert werden soll. Bisher gibt es Zuweisungen vom Land und von der Bernostiftung sowie die Einnahmen aus dem Schulgeld.

Das beträgt derzeit maximal 50 Euro und minimal fünf Euro im Monat. „Wir arbeiten nicht wirtschaftlich“, räumt Schulleiter Baumanns ein, „wir haben kein eigenes Gebäude und eine kleine Zahl an Schülern.“ Und wachsen kann die Einrichtung am Standort Moislinger Allee nicht, wo sie in Containern auf dem Schulhof der Luther-Schule untergebracht ist. Er könne nicht ausschließen, dass über höheres Schulgeld diskutiert werden müsse, sagt Baumanns, auf jeden Fall soll aber eine soziale Staffelung erhalten bleiben.

Es kann noch schlimmer kommen. Das Erzbistum hat sich von der Unternehmensberatung Ernst & Young durchchecken lassen. Die Berater schlagen vor, Pfarreien, Gebäude und Schulen aufzugeben. Aktuell lässt das Erzbistum 21 Hamburger Schulen nach wirtschaftlichen Kriterien überprüfen. Der Bernostiftung wurde nahegelegt, das Gleiche für ihre vier Schulen – darunter Johannes Prassek – zu tun. Damit es nicht zu einer Schließung der nach 70 Jahren wieder eröffneten Prassek-Schule kommt, „sind wir in Gesprächen mit anderen Trägern“, erklärt Baumanns. Namen nennt er nicht.

„Wir sind überzeugt, dass es weitergeht“, versichert der Schulleiter, „wir müssen eben jetzt einen Plan B entwickeln.“ In einem Brief an die Eltern, Kollegen und Freunde der katholischen Grundschule ruft Baumanns „zu gut überlegten und kräftigen Aktionen von Eltern und Lehrern, von Schulleitung und Bernostiftung“ auf. Der Schulleiter: „Damit wir keinen Schaden nehmen.“

Schulden steigen dramatisch

Eine Woche vor Weihnachten hat das Erzbistum Hamburg erhebliche Finanzprobleme verkündet. Erzbischof Stefan Heße erwartet „harte Einschnitte“. Die Lage sei aber ernst, es müsse schnell gehandelt werden. Die Überschuldung werde ohne einschneidende Maßnahmen von rund 80 Millionen Euro auf rund 350 Millionen Euro im Jahr 2021 steigen.

Die Bernostiftung in Schwerin ist eigenständig unter kirchenrechtlicher Aufsicht des Erzbistums Hamburg. Die Stiftung ist Träger aller katholischen Schulen und deren Horte in der Region Mecklenburg und Schleswig-Holstein.

100 Kinder zählt die Johannes-Prassek-Schule in der Moislinger Allee aktuell. 2011 wurde sie eröffnet – 73 Jahre, nachdem die Nazis die katholische Schule in Lübeck geschlossen hatten.

 Kai Dordowsky

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