Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Es gibt schon Anfragen von beiden Lagern“
Lokales Lübeck „Es gibt schon Anfragen von beiden Lagern“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 07.11.2017
Detlev Stolzenberg (parteilos) freute sich sichtlich über seinen großen Wahlerfolg. Er holte aus dem Stand über 20 Prozent. Quelle: Fotos: Felix König
Lübeck

20,4 Prozent – haben Sie eine Erklärung für Ihr starkes Abschneiden?

Detlev Stolzenberg: Es kommt zunehmend auf die Inhalte an. Die Bürger haben genau geguckt, wofür steht der Kandidat, und nicht so sehr auf die Parteizugehörigkeit. Das Ergebnis ist eine tolle Bestätigung, auf Inhalte Wert zu legen.

Mit welchen Inhalten haben Sie denn überzeugt?

Das zentrale Thema ist die Beteiligung und die Anhörung der Bürger. Das gilt genauso bei Kleingärtnern, Erbpachtnehmern oder bei der Stadtteilentwicklung. Die Menschen wollen bei Entscheidungen einbezogen werden.

Sie wollen die Menschen einbinden, und gut 60 Prozent gehen nicht einmal zur Wahl. Wie passt das zusammen?

Das passt sehr gut zusammen. Die Wahlbeteiligung ist ein Spiegel des Umgangs der Verwaltung mit den Menschen. Bei einer intensiveren Kommunikation wäre die Wahlbeteiligung deutlich höher. Die Menschen haben heute nicht den Eindruck, dass sich ihr Einmischen lohnt. Deshalb gehen sie auch nicht zur Wahl.

Sind die 20,4 Prozent, die Sie am Sonntag geholt haben, Protestwähler, die gegen die etablierte Politik gestimmt haben?

Die, die protestieren wollen, haben gar nicht gewählt. Die, die mich gewählt haben, sind Bürger, die sich intensiv mit den Themen auseinandergesetzt haben. Die sind nicht gegen etwas, die wollen zielgerichtet Veränderungen herbeiführen.

Analyse: Wer bekommt Stolzenbergs Wähler? http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Wer-bekommt-Stolzenbergs-Waehler

Sie sind Einzelkämpfer, Sie hatten kein Team: Wie viel Geld und Zeit haben Sie investiert?

Das muss ich noch bilanzieren. Mein Budget von 10 000 Euro ist deutlich überschritten worden. Meine Arbeitszeit als Selbstständiger muss ich mit einrechnen. Der Wahlkampf war eine beträchtliche Investition. Aber es hat sich gelohnt, denn es wurde ein Zeichen gesetzt, dass die Verwaltung künftig mit den Bürgern anders kommunizieren muss.

Sie sind in Ihrem Wahlkampf auf ganz viele Menschen zugegangen. Sie haben mit Drogenabhängigen am Krähenteich gesprochen, waren aber auch bei einem Skatclub. Ist das das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ja. Die Menschen haben es als positiv empfunden, dass ein Politiker mit ihnen dort spricht, wo sie leben und ihre Zeit verbringen. Meine Erfahrung ist, dass die Menschen sich dann auch einbringen. Das wirkt der Politikverdrossenheit entgegen.

Stolzenberg holt die Proteststimmen - Rennen im Rathaus völlig offen: Ein Kommentar von LN-Chefredakteur Gerald Goetsch

Nun buhlen Kathrin Weiher und Jan Lindenau, die in die Stichwahl gehen, um die Stimmen Ihrer mehr als 14000 Wähler. Geben Sie eine Wahlempfehlung ab?

Mein Beraterteam und ich setzen uns am Mittwoch zusammen, um darüber zu entscheiden. Tatsächlich gibt es schon Anfragen von beiden Lagern.

Wie geht es politisch weiter? Ziehen Sie sich zurück oder gründen Sie eine Partei?

Ich arbeite weiterhin in ganz vielen Initiativen und an Projekten mit. Künftig aus einer stärkeren Position. Am Mittwoch werden mein Beraterteam und ich erörtern, was sich möglicherweise für die Kommunalwahl im nächsten Jahr ergibt.

Interview: Kai Dordowsky/ LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!