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20:36 08.11.2017
In dieser Glasvitrine sind Dinge aus dem Leben von Kaplan Eduard Müller zu sehen. „Wir wollen damit den ganzen Menschen zeigen und ihn nicht nur auf den Priesterdienst und seine Berufung und das Martyrium reduzieren“, erklärt Jochen Proske von der Erzbischöflichen Stiftung. Quelle: Fotos: Neelsen, Hollinde

Eigentlich sei der Arbeitsname ursprünglich „Ausstellungsraum 2“ gewesen, verrät Jochen Proske, „aber dies wird ja der ideellen und spirituellen Bedeutung dieses Raumes überhaupt nicht gerecht.“

Heute und morgen wird an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und die Hinrichtung der vier Lübecker Märtyrer durch die Nazis gedacht. In der Herz-Jesu- Gedenkstätte wird dazu ein neuer Ausstellungsraum eingeweiht. Bis zum 6. Dezember geht die Aktions- Reihe „Zeit des Erinnerns“ weiter.

Deshalb könne man gut und gern von der „Schatzkammer“ reden, um ihn zu charakterisieren.

Der Referent der Erzbischöflichen Stiftung „Lübecker Märtyrer“ ist für die Gedenkstätte der katholischen Propsteikirche Herz Jesu in der Parade verantwortlich, und rechtzeitig zum morgigen 74.

Jahrestag der Hinrichtung der Geistlichen durch die Nazis im Jahr 1943 ist die „Schatzkammer“ fertig geworden.

„Es sind Dinge aus dem Nachlass der drei Kapläne Eduard Müller, Johannes Prassek und Hermann Lange sowie des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink, die wir hier in insgesamt fünf Glasvitrinen zeigen“, erklärt Proske, und er weist darauf hin, dass man nach katholischem Verständnis die Exponate als sogenannte Kontaktreliquien charakterisiere.

Ziel des neuen Teils der Märtyrer-Ausstellung sei es, „den ganzen Menschen zu zeigen und ihn nicht nur auf den Priesterdienst und seine Berufung und das Martyrium zu reduzieren“. Daher finden sich neben Messgewand, Brevier und persönlicher Bibel unter anderem Hängematte, Schülermütze, Grammophon-Platte und Altflöte.

Und ein aufgeschlagenes Reisetagebuch sowie eine Leica-Kamera samt Dia-Sammlung von Eduard Müller sind Indizien dafür, dass der junge Theologie-Student sehr reiselustig und fotografieliebend war.

„Johannes Prassek hingegen begeisterte sich für Musik und Lyrik“, erklärt Jochen Proske.

Aber auch das abrupte Ende der vier Lebenswege wird durch Gegenstände versinnbildlicht. So lassen die Zellentür aus dem Burgkloster sowie die Kostenrechnung über die Hinrichtung mit dem Fallbeil – an die Witwe Stellbrink zur Begleichung gesandt – überhaupt keinen Deutungsspielraum zu.

„Deshalb ist es wichtig, dass das Andenken an Menschen, die den Verführungen der Gewalt widerstanden haben, wach gehalten wird“, betont Kultursenatorin Kathrin Weiher. Auch heute sei es das Gebot der Stunde, Menschen beizustehen und seine Stimme gegen Ausgrenzung und Verfolgung zu erheben.

Der morgige Gedenktag mit Andachten und Gottesdienst ist eingebettet in die Veranstaltungsreihe „Zeit des Erinnerns – für die Zukunft“, die noch bis zum 6. Dezember in der Hansestadt läuft. „Sie wird in diesem Jahr zum nunmehr 27. Mal ausgerichtet“, erklärt Christian Rathmer vom Geschichtskontor Lübeck, der diese Reihe zum Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt im zweiten Jahr koordiniert. Insgesamt seien rund 40 Initiativen an den Aktionen beteiligt, von Kirchengemeinden über Vereine bis zu Museen.

Für den Historiker Rathmer sollen die vielfältigen Aktionen – angefangen bei Zeitzeugengesprächen und Vorträgen über Mahnwachen bis zu Rundgängen – die Möglichkeit geben, „innezuhalten, zurückzuschauen, zu betrachten, zu verstehen und nach vorn zu gehen, um dann das Rüstzeug dafür zu haben, den Schritt nicht in die falsche Richtung zu machen“.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein umfangreiches Programmheft, in dem die einzelnen Veranstaltungen kurz und anschaulich vorgestellt werden. „Damit wird der Bedeutung der Erinnerungs- und Gedenkkultur in der Hansestadt auch in besonderer Weise Rechnung getragen“, so Rathmer. Nina Jakubczyk aus dem Kulturbüro der Hansestadt weist darauf hin, dass die Übersicht in allen Museen, den Gedenkstätten, in der Stadtbibliothek und in den Nachbarschaftsbüros zur Mitnahme ausliege. Zudem ist sie unter www.stolpersteine-luebeck.de zu finden.

Veranstaltungen heute und morgen

Heute, 16 Uhr: Synagogenführung, St.-Annen- Straße 11-13;

Heute, 18 Uhr: Gedenken an den 79. Jahrestag der Pogromnacht, Carlebach-Synagoge, St.-Annen-Straße 11-13;

Heute, 18 Uhr: Andacht, danach Mahnwache am Jüdischen Friedhof Moisling, Wichern- Kirche, Andersenring 29;

Morgen, 12 Uhr: Friedensgebet des „Nagelkreuzzentrums St. Marien“, St. Marien;

Morgen, 12.15 Uhr: Mittagsandacht zum Märtyrer-Gedenken und anschließende Kranzniederlegung an der Gedenktafel Rathausarkaden, St. Marien;

Morgen, 17 Uhr: Andacht und Kranzniederlegung am Zeughaus, Parade 12;

Morgen, 18 Uhr: Pontifikalamt am 74. Todestag der vier Lübecker Märtyrer, Propsteikirche Herz Jesu, Parade 4.

Michael Hollinde

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