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Lübeck Ex-Junkies als Suchttherapeuten
Lokales Lübeck Ex-Junkies als Suchttherapeuten
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23:25 10.12.2017
Uwe Krimpe (l.), Wolfgang Findeklee (M.) und Jens Wegener von CliC. Quelle: Foto: Dordowsky

Treffen im Konferenzraum der Median-Klinik in St. Jürgen. Die vier Gründer, Mitarbeiter und Moderatoren von CliC („Clean ist cool“) haben den Laptop hochgefahren, das Pressematerial auf einen Stick gezogen und Referenzen in einer Klarsichthülle vorbereitet. Sie sind professionell vorbereitet. Und sie fühlen sich auch wie die Profis. Profis in Sachen Sucht. Uwe Krimpe, der CliC 2009 gründete, hat fast 60 Entgiftungen und Therapien hinter sich. Jens Wegener, Gruppen-Moderator, hat Alkohol, Heroin, synthetische Drogen eingeschmissen und ist seit zweieinhalb Jahren trocken und clean. Polytox – also von verschiedenen Giften abhängig, waren auch Mike Behrens und Wolfgang Findeklee. Sie wissen, was Süchtige durchmachen. „Die besten Therapeuten sind die, die einen Suchthintergrund haben“, sagt Findeklee. Ein Satz, den hauptamtliche Beratungskräfte in der Suchthilfe nicht so gerne hören.

Aber die Experten der Szene räumen ein: CliC hat viel bewegt, hat einen anderen Zugang zu den Süchtigen. „Selbsthilfegruppen haben mich abgeschreckt“, berichtet Krimpe über die Zeit, als er selbst noch abhängig war, „da saßen alte Männer in grauen Hosen.“ Ein Klinikleiter habe ihm gesagt, er solle nicht meckern, sondern es besser machen. Herausgekommen ist ein gemeinnütziger Verein, der den oft so schwer erreichbaren Verzicht mit diesem Slogan feiert: „Abstinenz ist cool, rockt, swingt und groovt, weckt neue Kräfte, neue Lebenslust, öffnet neue Blickwinkel und schafft neue Räume.“ Dass es nicht beim Slogan bleibt, zeigen die Angebote. Die ehrenamtlichen Suchthelfer, die sich alle fortgebildet haben, gehen mit den Teilnehmern in Discos und Konzerte, um den Besuch ohne Alkohol und Drogen zu trainieren. Es gibt Gruppen, die gemeinsam ins Fitnesscenter gehen, und andere, die gemeinsam kochen.

Einmal im Jahr treffen sich die Teilnehmer zum „Strandferkeln“ auf dem Priwall. 60 bis 80 Leute kämen, sagt Krimpe, „es gibt keine Drogen, keinen Alkohol, keine Scherben und keine Schlägereien“. Nach dem Vorbild der Vorwerker Diakonie hat CliC zwei „Clean-Wohngemeinschaften“ aufgemacht. „Alleine wohnen ist gerade in der Übergangsphase zwischen Entgiftung und Therapie schwierig“, sagt Wegener.

Als Nächstes plant CliC eine Gruppe für Mediensüchtige.

Im vergangenen Jahr zählte der Verein 5200 Teilnehmer bei den Veranstaltungen. Die ehrenamtlichen Suchthelfer investieren zwischen sechs und zehn Stunden in der Woche. Sie sorgen dafür, dass „eine Gruppe niemals ausfällt“, versichert Krimpe, und sie besetzen die Sprechzeiten im Selbsthilfezentrum. Die Arbeit habe eine Dimension angenommen, die professionelle Strukturen nötig mache. „Wir brauchen ein Büro von montags bis freitags“, erklärt Findeklee. „Wir wollen gerne weiter expandieren“, sagt Krimpe: „Wir erwarten von der Hansestadt eine finanzielle Unterstützung.“

 Von Kai Dordowsky

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