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Lübeck Exotisches Angebot im Lübecker Hafen
Lokales Lübeck Exotisches Angebot im Lübecker Hafen
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21:32 18.01.2017
Bringen Waren ins ferne Armenien in Vorderasien: ECL-Chef Jörg Ullrich (48, v. l.) und Mitarbeiter Arthur Petrosyan (32). Quelle: Fotos: Maxwitat, Fotolia
Lübeck/Eriwan

Auf nach Osten. Drei Mal in der Woche geht es nach Armenien. Von Lübeck aus. Nach Armenien? Das kleine Land liegt eingezwängt zwischen Türkei, Georgien, Aserbaidschan und dem Iran. 5000 Kilometer entfernt. Der Staat ist gerade einmal so groß wie Brandenburg. Und viel mehr Menschen leben dort auch nicht. Lediglich drei Millionen Armenier bevölkern ihr Land. Es ist ein Staat, der beim Blick auf die Weltkarte meist übersehen wird. Aber nicht von European Cargo Logistics (ECL). Die Tochterfirma der mehrheitlich städtischen Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) organisiert Transporte in das ferne Land in Vorderasien. Und bei Bedarf geht es auch weiter in den Iran. Wer Waschmaschinen, Klamotten oder Schokolade dorthin bringen will, der ist in der Hansestadt richtig.

Wöchentliche Transporte nach Armenien – Ein Nischensegment mit ungewöhnlicher Geschichte.

Kalkül? Taktik? Strategie? Nichts von alledem. „Es ist Zufall“, gibt ECL-Chef Jörg Ullrich (48) unumwunden zu. Das exotische Land ist ein Nischenangebot der ECL. Sie oranisiert Transporte nach Skandinavien – Finnland ist der Hauptmarkt. Zudem gibt es ein Büro in St. Petersburg, um das Geschäft mit Russland anzukurbeln, wenn es keine Sanktionen mehr gibt. Eröffnet wurde es im Herbst 2015.

Aber Armenien? ECL transportiert 1,8 Millionen Tonnen Waren pro Jahr. Lediglich ein Prozent davon fließen nach Armenien.

Die einfache Antwort: „Wir haben einen armenischen Mitarbeiter“, sagt Ullrich. Seit drei Jahren arbeitet Arthur Petrosyan bei der ECL. Die Liebe hat den 32-Jährigen nach Lübeck verschlagen. Er bringt das mit, was man in der Logistikbranche braucht: Kontakte. Und je weiter es gen Osten geht, desto mehr spielt ein zweiter Faktor eine Rolle: Vertrauen. „Erst schließt man Freundschaft, dann macht man Geschäfte“, beschreibt Petrosyan, wie Business in Vorderasien funktioniert. Klar, er organisiert die Transporte der ECL in sein Heimatland. Die Route geht von Lübeck nach Köln. Dort hat die ECL ein großes Sammellager. Es kommen auch Waren beispielsweise aus Amsterdam oder Belgien an. Alles, was nach Armenien soll, wird auf Paletten gepackt, die werden in zwei bis drei Lastwagen geladen – und los geht’s auf die lange Reise. Deutschland, Österreich, Ungarn. Von dort geht es weiter über Rumänien oder Serbien, dann über Bulgarien und durch die Türkei nach Georgien. Dort passiert der Fahrer die Grenze nach Armenien. Auf der Route gibt es sieben Grenzen und etliche Kontrollen. Das dauert – und ist man als EU-Bürger kaum noch gewohnt. Ein fitter Fahrer braucht sechs Tage von Köln nach Armenien, meistens dauert es aber acht Tage.

Kosten: Eine Euro-Palette aus Köln schlägt mit etwa 290 Euro zu Buche – wenn sie von Köln nach Armenien soll. Ein kompletter Lastwagen kann in etwa 7500 Euro kosten. In Armenien gibt es wiederum mehrere Zolllager vom Staat. Dort müssen die Waren erst einmal hingebracht werden. Transportiert werden Konsumgüter des Westens: Parfüm, Möbel, Jeans.

Doch nicht nur Kontakte und Vertrauen sind wichtig, sondern auch der persönliche Besuch. So war es den armenischen Geschäftsleuten wichtig, dass auch ECL-Chef Ullrich nach Armenien reist und sich vorstellt. „Es ist wichtig, regelmäßig dort zu sein“, sagt Ullrich. Sein Eindruck von Armenien: „Unheimlich gastfreundlich.“

HanseTalk zum Hafen

„Lübecks Hafen in schwerer See – Suche nach dem richtigen Kurs“ lautet der Titel des HanseTalks am Mittwoch, 25. Januar, um 18 Uhr im Beichthaus des Hansemuseums. Auf dem Podium:

Minister Reinhard Meyer (SPD), Hafen-Chef Sebastian Jürgens, Verdi-Mann Thomas Mendrzik sowie Marco Lütz vom Verein Lübecker Spediteure. Der HanseTalk ist kostenlos. Es gibt nur noch wenige Restkarten, für die Sie sich per E-Mail mit Adresse und Telefonnummer an invitation@hansemuseum.eu anmelden müssen.

 Josephine von Zastrow

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