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Lübeck Einen Tag kostenlos Bus fahren
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19:30 27.11.2018
Bus statt Auto: Wie viele Lübecker steigen am Sonnabend um? Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Spannendes Experiment in der Hansestadt: Am ersten Adventssonnabend, 1. Dezember, können Fahrgäste einen ganzen Tag lang alle Busse des Stadtverkehrs und der Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft kostenlos nutzen. „Tag der offenen Bustür“ nennt das Verkehrsunternehmen die bislang einmalige Aktion, die Autofahrer zum Umsteigen auf den Öffentlichen Nahverkehr bewegen und die Innenstadt von Autos entlasten soll.

Der Stadtverkehr wird zusätzliche Fahrzeuge und Fahrer einsetzen. Die Aktion produziert Einnahmeausfälle von rund 50000 Euro, die über die Stadt finanziert werden.

„Das ist eine einmalige Werbeaktion“, sagt Gerlinde Zielke, Sprecherin des Stadtverkehrs, „wir wollen für alle Bürger einen Anreiz geben, die Busse einmal auszuprobieren.“ Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), der die Aktion mit dem Stadtverkehr eingefädelt hat, erhofft sich Erkenntnisse, wie viele Menschen vom Auto auf Busse umsteigen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der für eine andere Mobilität in deutschen Städten kämpft, hält solche Versuche für sinnvoll. „Aus unserer Sicht lohnen sich solche Aktionen“, erklärt Sprecherin Almut Gaude, „sie sind ein etabliertes Marketinginstrument und bergen gute Chancen, Autofahrer auf den ÖPNV überhaupt aufmerksam zu machen.“ Die VCD-Sprecherin sagt aber auch: „Die Wirkung darf man nicht überschätzen, so eine Aktion bewirkt meistens noch kein anderes Mobilitätsverhalten.“

Die bayerische Stadt Landsberg am Lech (30000 Einwohner) wirbt mit Plakaten für den kostenlosen Bus am Sonnabend. Quelle: Josephine von Zastrow

Der landesweite Verkehrsverbund Nah SH, der den Schienen- und Busverkehr im Land organisiert, hat keine Erkenntnisse, ob durch solche Werbemaßnahmen Neukunden gewonnen werden. Sprecher Dennis Fiedel: „Wir begrüßen die Aktion.“

Olivia Kempke vom Lübeck Management spricht von einem „tollen Experiment“. Überlegungen, mit einem attraktiven Nahverkehrsangebot die Innenstadt in der Adventszeit zu entlasten, habe es schon 2017 gegeben, berichtet die Geschäftsführerin. Damals drohten Lübeck drei Brückenbaumaßnahmen gleichzeitig. Das ist vom Tisch. Der Neubau von Bahnhofsbrücke und Josephinenbrücke wurde verschoben. Kempke sprach sich dafür aus, die kostenlosen Busse an allen vier Adventssonnabenden rollen zu lassen. „Aber das geht aus Kostengründen nicht.“

Der Tag der offenen Bustür motiviert Lübecker, das Auto vor der Haustür stehen zu lassen und den ÖPNV für den Weg in die Innenstadt zu nutzen. Aber nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Der Stadtverkehr will auch wissen, ob er mit einer plötzlich stark erhöhten Nachfrage zurechtkommt. „Wir haben alle Mann und alle Fahrzuege an Bord“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende des Stadtverkehrs, Ulrich Pluschkell (SPD), „eine solche Aktion macht man ja nicht eben mal so.“

Lübeck steht mit der Werbeaktion nicht alleine da. Überall in Deutschland experimentieren Kommunen mit kostenlosen Bussen. Die unterfränkische Stadt Aschaffenburg startet die gleiche Aktion, die allerdings für zwei Jahre läuft. Die Verkehrsbetriebe der 70 000 Einwohner zählenden Stadt rechnen mit Einnahmeverlusten von rund 285000 Euro pro Jahr.

Teure Buspreise

Lübeck gehört mit Köln zu den Städten mit den teuersten Bustickets. Das stellte Spiegel-Online in Zusammenarbeit mit einem Verbraucherportal im Oktober fest. Vor allem bei Tagestickets und den Fahrpreisen für Kinder schnitt die Hansestadt im bundesweiten Vergleich schlecht ab.

LN-Online hatte die Lübecker daraufhin zur Teilnahme an einer nicht-repräsentativen Umfrage aufgerufen. 1640 Bürger machten – und sie kamen zu einem einhelligen Urteil. Busfahren in Lübeck ist generell zu teuer, sagten 1552 Teilnehmer. 1627 Teilnehmer lehnten Einzelfahrkarten für Erwachsene ab, die mehr als drei Euro kosten.

Der Stadtverkehr Lübeck und die Bürgerschaft bestimmen die Fahrpreise nicht. Lübeck gehört zum landesweiten Tarifverbund, die Preise werden von Nah SH festgesetzt.

Tübingen (90000 Einwohner) bietet im Kampf um saubere Luft den kostenlosen Bus seit Februar an Sonnabenden an. 200000 Euro an Einnahmeausfällen entstehen der Neckarstadt. „Legal Schwarzfahren“ nennt die bayerische Stadt Landsberg am Lech (30000 Einwohner) ihre Werbeaktion. An jedem ersten Sonnabend im Monat können die Landsberger in diesem Jahr die Busse kostenlos nutzen. Die Maßnahme wird bis Ende 2019 verlängert.

Die Stadt Elmshorn spendiert ihren Bürgern an den vier Adventssonnabenden kostenlose Fahrten mit dem gesamten öffentlichen Nahverkehr in der Stadt und rechnet mit Einnahmeausfällen von rund 10 000 Euro.

Kai Dordowsky

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