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Lübeck Experten kämpfen für noch bessere Überlebenschancen für Frühchen
Lokales Lübeck Experten kämpfen für noch bessere Überlebenschancen für Frühchen
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08:13 01.06.2018
Quelle: dpa
Innenstadt

„Jedes zweite Bett, dass bei uns im Eltern-Kind-Zentrum aufgestellt ist, ist inzwischen mit einem Frühgeborenen oder Neugeborenen belegt“, sagt Prof. Egbert Herting, „das liegt daran, dass zum Beispiel Babys mit einem Gewicht von 500 oder 600 Gramm drei bis vier Monate bleiben, Kinder und Jugendliche mit Durchschnittsleiden mittlerweile aber nur noch ein paar Tage stationär sind.“

Dreitägiges Expertentreffen

Auf dem „SPIN“-Kongress geht es um Themen wie die Diagnostik und Korrektur von Fehlbildungen, die Erstversorgung im Kreißsaal bis hin zur optimierten Ernährung und vielen praktischen Fragen im Alltag der Neonatologie (Neonatologie = Neugeborenenmedizin). „SPIN“ steht für „Sharing Progress in Neonatology“.

Der Chef der Lübecker Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin ist Tagungspräsident bei dem hochrangigen Expertentreffen zum Themenkomplex „Fortschritte in der Neu- und Frühgeborenenmedizin“. Dieser „SPIN“-Kongress, der zunächst unter dem Namen „International Workshop on Surfactant Replacement“ entstand, findet bereits zum 33. Mal statt, ist allerdings das erste Mal in der Hansestadt. „Ursprünglich stand über Jahre die Verbesserung der Surfactant-Therapie im Mittelpunkt“, erklärt dazu Herting.

Zur Erklärung: Surfactant – ein Kunstwort von Surface Active Agent – bezeichnet das System oberflächenaktiver Substanzen in den Lungenbläschen. Fehlt es, zum Beispiel auf Grund der Lungen- Unreife bei Frühgeborenen, so kann sich das Atmungsorgan nicht richtig entfalten, und es kommt zu Atemnot. „Seit gut drei Jahrzehnten allerdings kann man dieses Leiden erfolgreich bei Frühchen mit einem Surfactant-Medikament behandeln, das aus Schweine- oder Rinderlungen gewonnen werden kann“, so der Experte. Auf dem Campus an der Ratzeburger Allee beschäftigte sich eigens eine Forschergruppe mit der Entwicklung einer besonders schonenden Verabreichungsform dieser Arznei. „Und alle warten jetzt darauf, dass das komplexe Medikament synthetisch hergestellt werden kann, was vor allem den Preis drücken und so den Zugang zu dieser Arznei vor allem in Schwellenländern erleichtern würde“, merkt er an.

Von einer Frühgeburt sprechen die Ärzte, wenn ein Baby vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Und knapp zehn Prozent aller Schwangerschaften gehen mit einer Frühgeburt zu Ende. „Leider schaffen wir es nicht, diese Rate zu senken“, sagt Egbert Herting, „was vor allem damit zusammenhängt, dass die werdenden Mütter immer älter werden und die Zahl der Mehrlingsgeburten durch die Reproduktionsmedizin zunimmt, was wiederum mit einer Erhöhung des Risikos für eine Frühgeburt verbunden ist.“

Erfolgreich sind die Mediziner hingegen, wenn es darum geht, dass besonders kleine Frühchen überleben. „Mittlerweile liegt hier die Grenze in der 22. Schwangerschaftswoche und einem Gewicht von unter 500 Gramm“, so der Klinikdirektor. Und dann gelte es, eine passgenaue Therapie für jedes Kind zu finden, bei der man unterstütze und nicht einfach – wie früher üblich – zum Beispiel mit künstlicher Beatmung und Ernährung ersetze.

Michael Hollinde

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