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Lübeck Die FH fragt: Wie effektiv sind die Kläranlagen in unserem Land?
Lokales Lübeck Die FH fragt: Wie effektiv sind die Kläranlagen in unserem Land?
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12:04 18.04.2018
Abwassermeister Frank Blöcker misst den Sauerstoff in der belüfteten Reinigungsstufe der Versuchs-Kleinkläranlage.  Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Rund 20 Kilometer liegt das Labor für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik von der Fachhochschule Lübeck entfernt; „trotzdem gehört es zum Campus“, erklärt Dr. Kai Wellbrock. Der Bauingenieur, Vertiefungsrichtung Wasser und Umwelt, leitet die Versuchs- und Ausbildungskläranlage an der Hamburger Chaussee in Reinfeld – „der Vorteil des Standortes ist, dass wir benachbart zur kommunalen Kläranlage der Stadt Reinfeld liegen und von dort mit frischem Abwasser für unsere Experimente versorgt werden“, so Wellbrock. Aktuell arbeitet sein Sechser- Team an einem zweijährigen, einmaligen Pilotprojekt, das vom Land finanziert wird. Die Forscher sind Arzneistoffen, Pestiziden, Industriechemikalien und multiresistenten Keimen auf der Spur.

Wir erklären das Projekt in sechs Stationen:

1: Dr. Kai Wellbrock leitet seit fünf Jahren die FH-Versuchskläranlage. Ihn interessiert die Qualität des Abwassers vor der Klärung und nach der Klärung. Zwischenergebnisse aus dem aktuellen Projekt, das vom Umweltministerium mit einer dreiviertel Million Euro unterstützt wird, liegen ihm vor. „Die Resultate sind nicht dramatisch, legen aber nahe, dass man über zusätzliche Verfahrensstufen diskutieren sollte“, kommentiert er.

Dr. Kai Wellbrock

2: Bachelor-Student Dennis Schotte hat das geklärte Abwasser in eine Probenflasche abgefüllt. Zur weiteren Analyse werden Unterproben gebildet, die weiteren Messlaboren zur Verfügung gestellt werden. So wird zum Beispiel am Uniklinikum Eppendorf die Belastung mit multiresistenten Keimen untersucht. Das Problem, wie mit dem vermehrten Auftreten dieser gefährlichen Erreger – nicht nur in Kliniken, sondern auch in der Umwelt – umzugehen ist, wird immer dringlicher.

Bachelor-Student Dennis Schotte

3: Abwassermeister Frank Blöcker, der sich um den technischen Betrieb der FH-Gesamtanlage in Reinfeld kümmert, misst den Sauerstoff in der belüfteten Reinigungsstufe der Versuchs-Kleinkläranlage. „Dazu gibt es noch den nicht belüfteten Bereich sowie das Nachklärbecken, in dem die Schwebstoffe auf den Boden sinken“, erklärt der Experte. Insgesamt sei es immer die Kombination mehrerer Verfahrensstufen im Reinigungsprozess, die dazu führt, dass das Abwasser gereinigt in die Flüsse abgegeben werden kann.

Abwassermeister Frank Blöcker

4: Umweltingenieurin Crista Villatoro hat im Probengefäß mit einer Abwasserprobe durch Zugabe spezieller Chemikalien eine chemische Reaktion in Gang gesetzt. Die Intensität der Färbung zeigt ihr nun die Konzentration eines bestimmten Stoffes an. „Insgesamt erfassen wir im Projekt 50<TH>verschiedene Mess-Parameter, um die Qualität des Wassers beurteilen zu können“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der FH Lübeck.

Umweltingenieurin Crista Villatoro

5: Malika Heim, Master-Studentin aus dem Bauingenieurwesen, misst den pH-Wert und die Leitfähigkeit in der Wasserprobe. Insgesamt hat das FH-Team für das aktuelle Forschungsprojekt schon acht Kläranlagen – über das Land verteilt – beprobt. „In Ratzeburg, Bad Segeberg, Rendsburg und in Kropp sind wir nun monatlich, um auch jahreszeitliche Einflüsse erfassen zu können“, erklärt Malika Heim.

Malika Heim ist Master-Studentin aus dem Bauingenieurwesen

6: Die Laborhalle der FH beherbergt drei Versuchs-Kläranlagen. In der hier zu sehenden großen Anlage mit einem Fassungsvermögen von zirka 17 000 Litern können einzelne Verfahrensstufen zur Reinigung des Abwassers, das von der benachbarten kommunalen Kläranlage herübergepumpt wird und aus Haushalten der Stadt Reinfeld stammt, nachvollzogen werden.

Die Laborhalle der FH

Von Michael Hollinde

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