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Lübeck Fachhochschule entwickelt Krankenhaus-Neubau für Syrien
Lokales Lübeck Fachhochschule entwickelt Krankenhaus-Neubau für Syrien
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13:50 01.09.2016
Sarah Friede (31) aus Lübeck entwarf in ihrer Masterarbeit Architektur ein Baukastensystem für Klinikneubauten, das überall in der Welt in Krisenregionen errichtet werden kann. Quelle: Lutz Roeßler

Neun Wochen war Prof. Oliver Rentzsch vom Bereich Gesundheitswirtschaft der Fachhochschule Lübeck in Syrien unterwegs. Als Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte er eine Bestandsaufnahme der medizinischen Versorgung in dem vom Krieg zerstörten Land machen. Rentzsch: „In den umkämpften Gebieten gibt es keine Gesundheitsversorgung mehr. Wir erleben hier eine humanitäre Katastrophe, die schlimmer ist als in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.“

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Architekturstudentin hat ein Konzept für ein 400-Bettenhaus entworfen, das Fachleute der Vereinten Nationen begeistert – Lübecker Professor bereist das zerstörte Land.

Vor dem Krieg habe das syrische Gesundheitssystem europäisches Niveau gehabt. Jetzt gehen Frauen zur Entbindung in Zahnarztpraxen. In Aleppo sei die Uniklinik mit 800 Betten explodiert. Für eine Million Einwohner gebe es nur noch 19 Ärzte. In Homs sei das Zentralkrankenhaus mit 600 Betten in die Luft geflogen. Rentzsch: „Danach stand für 800000 Menschen noch eine Arztpraxis zur Verfügung, die ist mittlerweile auch in die Luft geflogen.“ Medizinische Apparate würden nicht mehr repariert, weil Ersatzteile und Fachleute fehlen. Rentzsch: „Die fehlende Gesundheitsversorgung ist ein wesentlicher Grund zur Flucht.“

Der WHO-Experte weiß genau, was zu tun ist. „Wir müssen erst einmal Medikamente und Geräte schicken und dann die Infrastruktur wieder aufbauen“, sagt der 52-Jährige. Und er weiß, wer dabei helfen kann. Rentzsch: „Wir haben in Lübeck ideale Voraussetzungen – große Medizintechnikunternehmen, eine kompetente Fachhochschule und Flüchtlinge als Berater.“ Der Gesundheitsexperte wandte sich an Prof.

Stephan Wehrig vom Fachbereich Bauwesen. Der überzeugte die angehende Architektin Sarah Friede, in ihrer Masterarbeit einen Krankenhaus-Neubau zu entwickeln, der nicht nur in Syrien, sondern in allen Krisengebieten dieser Welt aufgebaut werden könnte.

Friede entwarf in zweieinhalb Monaten ein 400-Bettenhaus, das auf 22 000 Quadratmetern Nutzfläche rund 60 000 Patienten im Jahr stationär behandeln kann. Dazu entwickelte sie ein Baukastensystem, das aus immer gleichen Modulen zusammengesetzt wird. Vorteil: Mit diesem System können Kliniken ganz unterschiedlicher Größe gefertigt werden. Die Vorgaben lauteten: Die Teile müssen vor Ort produziert und überall hin mit dem Lkw befördert werden können. Friede musste auf kulturelle Besonderheiten wie die Trennung der Räume für Männer und Frauen Rücksicht nehmen. Die Krankenzimmer müssen größer sein als in Deutschland, weil kranke Syrer von zahlreichen Angehörigen rund um die Uhr gepflegt werden. Die angehende Architektin wollte keinen seelenlosen Funktionsbau abliefern, sondern eine „Oase der Hoffnung“.

Das sei ihr bestens gelungen, schwärmen die Professoren. Aus 2462 Modulen entwarf Friede, die schon mal eine Ausbildung zur Krankenschwester gestartet hatte, ein siebengeschossiges Krankenhaus mit 1500 Räumen und acht Operationssälen. Prof. Wehrig: „Das ist die effizienteste Lösung, die zugleich das Herz berührt.“ Nach Angaben von Prof. Rentzsch sind die Fachleute von WHO und Vereinten Nationen begeistert. „Sobald die Situation in Syrien hinreichend befriedet ist, wollen wir zwei Krankenhäuser dort realisieren“, sagt Rentzsch. Die Fachhochschule arbeitet jetzt an einer Kostenkalkulation.

 Kai Dordowsky

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