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Lübeck Fachkräftemangel: Neue Berufschancen in der Altenpflege
Lokales Lübeck Fachkräftemangel: Neue Berufschancen in der Altenpflege
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21:21 23.10.2013

Anja Hinrichs, Leiterin des Seniorenhauses Moislinger Aue, mahnt: „Wir spüren schon jetzt den Fachkräftemangel.“ Die Unternehmensgruppe Hinrichs mit ihren drei Senioreneinrichtungen Haus Herrenwyk, Hinrichs Casino in Herrenwyk und Seniorenhaus Moislinger Aue in der Niendorfer Straße hat 15 Auszubildende. „Und wir suchen per sofort drei weitere Auszubildende“, erklärt Anja Hinrichs. Die Unternehmensgruppe reagiert auf den drohenden Fachkräftemangel mit flexiblen Arbeitszeiten, die sich zum Beispiel an den Öffnungszeiten der Kindergärten orientieren, damit auch alleinerziehende Mütter eine Berufschance in der Altenpflege haben. Die Flexibilität zahlt sich aus. 20 Prozent der insgesamt 200 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe sind nach Aussage von Anja Hinrichs alleinerziehende Mütter.

Die Altenpflege sei eine Zukunftsbranche, betont die Leiterin des Seniorenhauses Moislinger Aue. In Deutschland gebe es bereits jetzt 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen, bis zum Jahr 2050 würde die Zahl auf vier Millionen steigen. Auf diese Entwicklung müsse man sich schon heute einstellen.

Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenters Lübecks, hebt die Bedeutung der Aktionswoche Altenpflege hervor: „Der demografische Wandel hat uns fest im Griff.“ In den kommenden Jahren sinke in Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen, gleichzeitig steige der Bedarf an Fachkräften in den Pflegeberufen. Tag: „Es droht ein Engpass.“ Und obwohl diese dramatische Entwicklung schon jetzt deutlich absehbar ist, stellen sich viele Unternehmen nicht darauf ein. In Lübeck gibt es derzeit nur 96 offene Stellen in den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen. Rein rechnerisch kommen in dieser Branche, so Joachim Tag, „2,7 Arbeitslose auf eine freie Stelle“. Thomas Hesemeier vom Arbeitgeberservice des Jobcenters betont, mit der Aktionswoche wolle man Unternehmen auch Mut machen, neue Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, um Fachkräfte an sich zu binden. Anja Hinrichs unterstreicht dies: „Unternehmen müssen ihre Organisationsstrukturen verändern.“

Anja Sommer profitiert von den flexiblen Arbeitszeiten in der Unternehmensgruppe Hinrichs, ohne die sie kaum eine Chance gehabt hätte, ihren Traumberuf Altenpflegerin zu erlernen. Die 25-jährige alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter hat Anfang Oktober ihre dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin begonnen. Ihre Arbeitszeit von 8 bis 15 Uhr wurde der Kindergartenzeit (7.30 bis 16 Uhr) angepasst. Dass sie die Chance zur Ausbildung bekam, beschreibt Anja Sommer mit diesen Worten: „Ich hatte pures Glück.“

Götz Kerschies ist bei der Unternehmensgruppe Hinrichs im dritten Ausbildungsjahr. Der gelernte Buchbinder und Außenhandelskaufmann wird in einem Jahr sein Examen als Altenpfleger machen und dann in einem Beruf tätig sein, den er schon immer anstrebte. Dass er dann 52 alt ist, macht weder ihm etwas aus, noch seiner Chefin. „Das Alter eines Auszubildenden und eines Mitarbeiters ist für mich überhaupt kein Problem“, sagt Anja Hinrichs. Bei älteren Mitarbeitern profitiere das ganze Team von deren Lebenserfahrung.

Die Umschulung zur Fachkraft für Altenpflege wird seit diesem Jahr erstmals die ganzen drei Ausbildungsjahre finanziell vom Staat gefördert. Heike Propping vom Jobcenter: „Wir übernehmen die monatlichen Schulkosten der Grone-Schule in Höhe von 290 Euro und die Fahrtkosten von 70 Euro.“ Zusätzlich erhalten die Auszubildenden die „Grundsicherung“.

Großer Dienstleister
200 Mitarbeiter hat die Unternehmensgruppe Hinrichs. Damit gehört sie in Lübeck zu den großen Dienstleisterin der Altenpflege. Das Unternehmen betreibt die Einrichtungen Haus Herrenwyk (gegründet 1983), Hinrichs Casino in Herrenwyk (gegründet 2001) und das Seniorenhaus Moislinger Aue (gegründet 2008). In den Häusern leben 250 alte Menschen. Größte Einrichtung ist die Moislinger Einrichtung mit 122 Bewohnern und 100 Mitarbeitern.
4000 zusätzliche Fachkräfte für Altenpflege werden bundesweit in den nächsten Jahren benötigt. Das ist ein Grund für die bundesweite Kampagne „Aktionswoche Altenpflege“ in dieser Woche.

Torsten Teichmann

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