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Lübeck Familiendetektive mit kriminalistischem Spürsinn
Lokales Lübeck Familiendetektive mit kriminalistischem Spürsinn
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20:14 23.04.2016
Gründungsmitglied Gerhard Huß (79) blättert gerne durch die historischen Adressbücher der Hansestadt. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Hat der Urgroßvater schon in Lübeck gelebt? Oder wohnte die Großtante 1805 wirklich in der Beckergrube? Für Menschen, die mehr über ihre Vorfahren wissen möchten, gibt es jetzt neue Suchoptionen. Der Lübecker Verein für Familienforschung hat Adressbuchbestände der Hansestadt digitalisieren lassen. Jetzt kann man die Bewohner der Stadt seit 1798 im Internet einsehen.

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Der Verein hat seine Arbeitsräume und die Fachbibliothek am Mühlentorplatz in diesem Turm.

„Insgesamt wird der Inhalt von 68 Lübecker Adressbüchern kostenlos zur Verfügung gestellt“, erklärt Initiator Wolfgang Hohenfeld (76) das jetzt abgeschlossene Projekt. Möglich ist dies dank der Kooperation mit dem Verein Computergenealogie aus Nordrhein-Westfalen, der 772 digitalisierte Adressbücher aus ganz Deutschland im Netz auflistet. „Für die Familienforschung ist die Veröffentlichung dieser Quellen von großem Nutzen“, betont Hohenfeld. Jeder kann die Bücher nun von seinem PC aus einsehen, und Familienforscher können sich weltweit unterstützen.

Doch die Adressbücher sind nur ein Aspekt bei der Suche nach den Ahnen. Hohenfeld gehört seit Jahrzehnten zum Verein, und er weiß, dass die Recherche mehr benötigt. „Einen Stammbaum zu erstellen, das kostet viel Zeit, braucht historisches Wissen und das entsprechende Know-how.“ So weiß der Lübecker, wo — außer in den Adressbüchern — etwas über die Vorfahren stehen könnte, wie man zum Beispiel Einblick in alte Kirchenbücher bekommt oder wen man fragt, wenn man nicht weiter weiß. „Den toten Punkt“ nennen das die Profis — und jeder kennt ihn wohl. „Da ist es hilfreich, wenn man gut vernetzt ist, so wie hier im Verein.“

Hohenfeld hat mit seinem Wissen inzwischen einen Stammbaum entwickelt, dessen Ausdruck 17 Meter lang ist. „So eine Suche gleicht kriminalistischer Kleinarbeit“, meint der 76-Jährige an der Seite von Stefan Muhtz. Der 52-Jährige gehört seit 2012 zum Verein und kam ebenfalls aus Interesse an der eigenen Familiengeschichte dazu. „Für die meisten Leute ist das der Anfang“, sagt er, „dann merkt man, wie spannend es ist, mehr über die Ahnen, deren Umfeld und das Leben damals zu erfahren.“

Ähnlich äußert sich auch Bürgermeister Bernd Saxe anlässlich des 50-jährigen Vereinsbestehens. „Oft ist ein verstaubtes Poesiealbum, ein Foto von der Ururgroßmutter oder der Bürgerbrief des Lübeckschen ,Freistaates‘ für einen Vorfahren die Initialzündung für die Suche nach den eigenen Ahnen.“ Die Suche nach den familiären Wurzeln ist seiner Meinung nach nicht nur etwas sehr Menschliches. „Sich seiner Wurzeln zu erinnern, ist gerade in einer so traditionsbewussten Stadt wie der unsrigen ein wichtiger Beitrag zur lokalen Identitätsbildung“, so Saxe.

Muhtz hat den Stammbaum seiner Familie inzwischen weit zurückverfolgen können: bis 1704. „Die Tipps der Vereinsmitglieder waren dabei von großem Wert“, betont er und freut sich über jedes „Puzzleteil“, das das Bild der Familie komplettiert. Das gilt nicht nur für die eigene Geschichte. „Es ist auch toll, wenn wir Besuchern weiterhelfen können“, meint Gründungsmitglied Gerhard Huß im Mühlentorturm. Während der 79-Jährige in den alten Adressbüchern blättert, erzählt er vom Beginn des Vereinslebens. „Anfangs waren wir etwa 20 Leute, und über die Jahre wurden es immer mehr.“

Inzwischen gehören zum Verein über 100 Mitglieder, und zum 50-jährigen Bestehen ist ein umfangreiches Jubiläumsbuch mit Lübecker Beiträgen zur Familien- und Wappenkunde erschienen.

Der Verein

104 Mitglieder hat der Verein für Familienforschung, der 1966 als Tochter der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit gegründet wurde. Die Gruppe entstand aus einem Volkshochschulkurs heraus und hat seitdem viele Menschen bei ihrer familiären Spurensuche unterstützt. Seit jeher ist Vereinsziel, den Gedanken der Familienforschung zu fördern.

• Mehr Infos unter www.familienforschung-luebeck.de, der Facebook-Seite des Vereins und www.compgen.de

Von Cosima Künzel

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