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Lübeck Fankurve ohne Fans? Posse um Lohmühlenstadion
Lokales Lübeck Fankurve ohne Fans? Posse um Lohmühlenstadion
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14:11 02.09.2017
Keine Fans, keine Probleme: Blick auf die Pappelkurve, die nach der hinter ihr stehenden Baumreihe benannt ist. Quelle: Felix König
St. Lorenz Nord

Vor einem Jahr stellte der VfB einen Bauantrag für die Neugestaltung der bröckelnden Pappelkurve, der Fankurve im Westen des Stadions. In einem ersten Schritt sollen neue Stufen gebaut werden. Die Tribüne würde dadurch höher und steiler. Im April kam die Baugenehmigung – mit vielen Auflagen. Dazu zählt ein neues Sicherheitskonzept für das ganze Stadion. Die eigenartigste Auflage aber findet sich unter Punkt 7. Zunächst ist die Rede von der Kennzeichnung der Blockstufen, und dann steht dort: „Der Block darf nicht als ,Fanbereich‘ genutzt werden (besondere Gefahrensituation).“

VfB will Pappelkurve sanieren – Stadt genehmigt das nur, wenn es kein „Fanbereich“ wird – VfB: „Warum redet keiner mit uns?“.

Das Stadion

15 000 Zuschauer passen in das Lohmühlen-Stadion, davon 10000 auf Stehplätzen.

Eröffnet wurde es 1924. Damals nutzten es mehrere Arbeitsportvereine, darunter der VfB-Vorläufer BSV Vorwärts.

„Fanbereich“: Was ist damit gemeint? „Das wüsste ich auch gern“, sagt VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra. Will die Verwaltung aus Sicherheitsgründen bestimmte Gruppen von der Kurve fernhalten? „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Schikorra. „Erst mal gehe ich davon aus, dass jeder Zuschauer irgendwie Fan sein kann. Das haben die Leute ja nicht im Personalausweis stehen.“ Die Stadt lehnt mit Verweis auf das laufende Widerspruchsverfahren aber jede Erklärung ab.

Der VfB hat nach Schikorras Angaben einen mittleren fünfstelligen Betrag für ein neues Sicherheitskonzept ausgegeben. „Wir haben alles“, sagt er. „Wir können nur nicht offenlassen, wo unsere Fans stehen dürfen.“ Er klagt über mangelnden Kooperationswillen der Stadt: „Der Punkt, der ärgerlich ist, ist, dass man vorher nicht mit uns redet. Wir haben ja jetzt keine Gartenlaube beantragt!“

Verstimmt ist auch Marek Lengen, sportpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion und Mitglied des Schul- und Sportausschusses. „Wir sind bisher im Ausschuss nicht informiert worden“, sagt er. Wenn es acht Monate dauere, den Antrag zu genehmigen, müsste auch dafür genug Zeit sein. Sein CDU-Ausschusskollege Hauke Wegner, VfB-Mitglied, Dauerkartenbesitzer und regelmäßiger Gast auf der Pappelkurve, vermutet mit Blick auf die Verwaltung: „Ich glaube, dass häufig, wenn es um den VfB geht, noch Vorurteile vorhanden sind, dass es da Krawall gibt.“ Das stimme aber heute noch weniger als früher. Die Sicherheit der Pappelkurve würde durch den Umbau jedenfalls erhöht.

Joachim Schmalen, Sprecher des VfB-Fankreises, ärgert sich: „Wenn wir unter den Pappeln unsere neue Heimat finden sollen, wäre es schön, wenn man uns mal mit einbeziehen würde.“ Er vermutet, dass die Formulierung: „ . . . darf nicht als ,Fanbereich‘ genutzt werden“ auf die Ultras gemünzt sein könnte, die im F-Block, einem Teil der Pappelkurve, ihre Heimat hätten. „Aber die sind ja sowieso im Stadion“, sagt er. Im Übrigen bricht er eine Lanze für die Ultras, die eine treibende Kraft im Verein seien. Im September stehe ein Treffen von Fans, Stadt, Polizei und VfB-Sicherheitsbeauftragtem an. „Ich bin dafür, dass man in dieser Runde mal ein offenes Wort spricht.“ Schmalen weist auf das 100. VfB-Jubiläum 2019 hin: „Da wollen wir nicht nur eine Klasse höher spielen, dann soll auch die Tribüne fertig sein.“

Die Stadt deutet auf Anfrage an, dass das Problem „zeitnah“ geklärt werden solle. Das hofft auch VfB-Sprecher Schikorra: „So ganz viel Zeit bleibt uns ja vielleicht nicht mehr, so wie wir uns sportlich entwickeln.“

 Hanno Kabel

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