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Lübeck Feiertage auf dem Rastplatz
Lokales Lübeck Feiertage auf dem Rastplatz
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21:14 28.12.2017
Viele Fernfahrer verbringen die Feiertage allein auf der Straße oder auf dem Rastplatz. Oana, George und Vater Florin (v. l.) sind hingegen gemeinsam unterwegs. Quelle: Fotos: Fabian Boerger
Lübeck

Kalt und windig ist es auf dem Rastplatz Trave an der A 1 bei Lübeck. Kurz vor den Feiertagen herrscht hier viel Verkehr. Autofahrer eilen zum Restaurant oder pausieren für wenige Minuten. In einigen Fahrzeugen liegen schon Raketen oder Knallkörper für die Silvesterfeier. Ein paar Schritte weiter räumt der Lette Maris Niedras hektisch in dem kleinen Fahrerhäuschen seines weißen Lkws herum. Er hat es eilig, denn in wenigen Stunden muss er wieder auf der Bahn sein.

Die Feiertage auf einem Rastplatz, allein und fernab von der Familie. Viele Lkw-Fahrer schaffen es nicht rechtzeitig, vor den Feiertagen nach Hause zu kommen, und müssen an der Autobahn übernachten. Aufgrund des Mangels an Stellplätzen ist das manchmal gar nicht so einfach.

„Als Christ ist für mich jeder Tag Weihnachten“, sagt der 53-jährige Lette. Da sei es nicht so schlimm, den einen Tag nicht zuhause bei seiner Familie zu sein. Denn dieses Jahr verbringt Niedras die Feiertage in seinem Lkw. Weihnachten wie auch Silvester. Niedras verstaut sorgfältig große Wasserflaschen und prall gefüllte Plastiktüten mit Lebensmitteln. Trotz der Feiertage sei es jedoch gar nicht so einfach, einen angemessenen Parkplatz zu finden, so Niedras. Manchmal fahre er deswegen direkt die Gewerbegebiete an: „Dort ist die Wahrscheinlichkeit, einen freien Platz zu finden, größer.“

Auf dem Rastplatz Trave parken noch ein Dutzend weitere Lastwagen. Aber auch in den Gewerbegebieten in Schönböcken oder Reinfeld stehen viele Zugmaschinen und Lkw. Zugezogene Gardinen verraten, dass im Inneren die Fahrer schlafen. An einigen Fahrzeugen sind provisorische Antennen montiert, die für das Home-Entertainment der pausierenden Fahrer sorgen. Einige von ihnen haben bereits ihre Ruhezeit beendet und wollen weiterfahren. Sie hoffen, noch rechtzeitig vor Neujahr ihre Heimat zu erreichen. Doch das wird oft knapp, denn viele Menschen sind während der Feiertage auf den Straßen unterwegs, um die Verwandtschaft zu besuchen oder in den Urlaub zu fahren.

Das heißt: Viele Staus auf Strecken wie der A1 und der A7. Im ungünstigsten Fall bedeutet das für die Fahrer, dass sie eine außerplanmäßige Zwangsrast einlegen müssen. Doch nicht nur das. Weil die Rastplätze total überfüllt sind, überschreiten sie oft ihre erlaubten Lenkzeiten. Oder sie halten einfach in einem Tankstellenbereich oder sogar auf dem Seitenstreifen der Autobahn.

„Die Situation mangelnder Rastplätze ist angespannt“, sagt Thomas Rackow, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Logistik Schleswig-Holstein. Obwohl sie sich bessere, würden auf der A1 zwei Rastplätze und auf der A7 einer fehlen. Jeder Platz würde Parkmöglichkeiten für bis zu 100 Lkw bieten. Zusätzlich müsse sich die Qualität der Plätze verbessern. Daher fordert Rackow: „Es muss ein Umfeld geschaffen werden, das für die Bedürfnisse der Fahrer angemessen ist.“ Ein Vorschlag wären Ruhe- beziehungsweise Parkmöglichkeiten auch in Gewerbe- und Industriegebieten. Jedoch seien die entsprechenden Verhandlungen mit der Politik bisher recht zäh verlaufen.

Aber schließlich macht die Not erfinderisch. So hat Florin aus Rumänien eine andere Lösung, um sich die Arbeit zwischen den Feiertagen zu verschönern. Der Lkw-Fahrer hat seine Frau Oana und Sohn George einfach mitgenommen, sie begleiten ihn derzeit auf seinen Touren durch Deutschland und Schweden. „So können wir zumindest etwas Zeit miteinander verbringen“, sagt er und verstaut die Tasche seines Sohnes im Fahrerhäuschen. Etwas eilig habe er es allerdings doch, denn bis Neujahr möchten sie wieder in Rumänien sein. Dort warte der Rest seiner Verwandtschaft.

Mangel an Raststätten

Fernfahrer sind bei ihren Fahrten verpflichtet, vorgeschriebene Pausenzeiten einzuhalten. Überfüllte Rastplätze an den Autobahnen sind jedoch keine Seltenheit.

150 Lkws in Schleswig Holstein parken wild. Sie stehen also auf Rastplätzen, im Tankstellenbereich oder auf Seitenstreifen. Bereits in den vergangenen Jahren verwiesen Verbände auf zu wenige Stellplätze.

In Schleswig Holstein würden zwei Plätze auf der A1 und einer an der A7 benötigt, sagt Thomas Rackow.

 Fabian Boerger

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