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Lübeck Feindschaft unter Naturfreunden
Lokales Lübeck Feindschaft unter Naturfreunden
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20:13 04.01.2018
Gelber Brief vom Amtsgericht: Hartmut Lange (61) vor seinem Wohnwagen. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Travemünde

Wenn er aus seinem Wohnwagen tritt, blickt Hartmut Lange, bis 2003 Mitglied im Schauspielensemble des Theaters Lübeck, auf die Pötenitzer Wiek. Hier finde er Ruhe, sagt er, hier ziehe er sich zurück, wenn er sich auf Auftritte vorbereite. Am 26. Dezember 2015, als er mit seiner Freundin im Wohnwagen kampierte, wurde seine Ruhe gestört: Im Naturfreundehaus waren Flüchtlinge untergebracht, und spät am Abend, erzählt Lange, grölten Skinheads in einem Auto vor dem Haus und hörten Nazi-Musik. Die Hausleitung war nicht da.

Hartmut Lange rief Jörg Lambrecht an, den Ortsvorsitzenden der Naturfreunde, einer gemeinnützigen Organisation, die den Campingplatz für ihre Mitglieder betreibt. „Ich hatte weiche Knie“, sagt Lange.

Die Polizei wollte er aber nicht rufen. „Ich wollte da nicht aktenkundig werden“, sagt er, „ich bin Schauspieler.“ Lambrecht sah keinen Grund, selbst zu kommen, rief aber, nachdem Lange auch noch seine Stellvertreterin angerufen hatte, schließlich die Polizei. Als die kam, waren keine Skinheads mehr da. Er habe später jemanden vorbeigeschickt, der mit den Flüchtlingen gesprochen habe, sagt Lambrecht, aber niemand habe sich bedroht gefühlt.

Lange erzählt, er sei nach dem Vorfall nicht schlafen gegangen. „Wir haben die ganze Nacht aufgepasst.“ Lambrecht traf sich am nächsten Morgen mit Vorstandsmitgliedern im Vereinshaus auf dem Gelände.

Lange, der Dank für seine Nachtwache erwartete, machte ihm Vorhaltungen – so heftige, dass es zum Streit kam und Lambrecht ihn hinauswarf. „Ich war aufgeregt“, sagt Lange. „Ich bin Kölner, wir regen uns anders auf.“ – „Herr Lange kann sich nicht benehmen“, sagt Lambrecht.

Ein Schiedsgericht des Landesverbands tagte, allerdings ohne Lange. Im September 2016 kündigten die Naturfreunde Langes Pachtvertrag. „Ich fiel aus allen Wolken“, sagt Lange. Er akzeptierte die Kündigung nicht und blieb. Nichts bewegte sich, bis Ende 2017 die Räumungsklage kam. Lange sagt, er wolle wenigstens die Chance haben, seinen Wohnwagen an einen Nachfolger zu verkaufen. Lambrecht sagt, eine gütliche Einigung sei nach den Vorfällen nicht mehr möglich. Für Pachtverträge sei das Schiedsgericht ohnehin nicht zuständig.

Aus dem Naturfreunde-Verein ist Lange nicht ausgeschlossen worden. „Das wird auch noch kommen“, sagt Lambrecht. Das habe der Vorstand Anfang 2017 beschlossen. „Unser Rechtsanwalt hat aber gesagt, wir sollen damit noch warten.“

kab

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