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Lübeck Fettsucht: Lernprogramm besser als jede Diät
Lokales Lübeck Fettsucht: Lernprogramm besser als jede Diät
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20:29 25.04.2018
Lübeck

Übergewicht betrifft laut aktueller Schätzungen weltweit etwa 2,2 Milliarden Erwachsene, davon leiden 650 Millionen an dessen Extremform – der Adipositas, auch Fettsucht genannt. Gängige Therapieprogramme zur Gewichtsabnahme basieren auf Diätplänen, Ernährungsumstellung, Kalorienrechnern et cetera und sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht nachhaltig wirksam. Langfristig führen sie in der überwiegenden Zahl der Fälle sogar zur Wiederzunahme des Gewichts, Stichwort Jojo-Effekt.

Das Forscherteam (von vorn nach hinten): Ewelina Wardzinski, Dr. Uwe Melchert, Alina Kistenmacher, Kai Duysen, Prof. Kerstin Oltmanns.

Einen Erklärungsansatz sehen Forscher in einer Störung des Energie-Gleichgewichtszustandes im Gehirn. Das Team um Prof. Kerstin Oltmanns konnte bereits 2010 nachweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen steigendem Körpergewicht und reduziertem Energiegehalt im menschlichen Gehirn gibt. Die Ursache des erniedrigten Energiestatus war jedoch völlig unklar.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Lübecker Uni-Sektion für Psychoneurobiologie hat nun unter der Leitung der Diplom-Psychologin Ewelina K. Wardzinski und Prof. Oltmanns in einer aktuellen Studie bei adipösen und normalgewichtigen Männern mittels intravenöser Glukoseinfusion den Blutzuckergehalt – und damit die Zuckerzufuhr für die Energiegewinnung im Gehirn – experimentell erhöht und Veränderungen im Hirn-Energiestatus untersucht. Dies erfolgte mittels 31P-Magnetresonanz-Spektroskopie.

Bei der normalgewichtigen Gruppe stieg der Hirnenergiegehalt nach der Zuckergabe sofort an, während sich bei den adipösen Studienteilnehmern keine Veränderung zeigte. Erst nach einer starken Anhebung des Blutzuckers erfolgte ein geringer Anstieg auch im Hirn der übergewichtigen Studienteilnehmer.

„Die Ergebnisse zeigen, dass bei Übergewichtigen eine Störung der Energiegewinnung im Gehirn vorliegt“, erläutert Wardzinski, „das Gehirn hungert gewissermaßen.“ Interessanterweise finden sich hinsichtlich des erniedrigten Hirn- Energielevels Parallelen zu psychischen Erkrankungen, die Stimmung und Gefühle beeinträchtigen. Ähnlich wie bei psychischen Leiden hat offenbar auch bei Übergewicht eine Verhaltenstherapie anstelle von Diätplänen Erfolg.

Denn ein eigens für Übergewichtige entwickeltes verhaltenstherapeutisches Lernprogramm führt zu einer Verbesserung der Sättigungswahrnehmung, Reduktion der Nahrungsaufnahme und somit Gewichtsverlust, wie Zwischenergebnisse einer neuen Untersuchung zeigen. „Offenbar hängen Psyche, Hirnenergiestoffwechsel und Körpergewichtsregulation eng miteinander zusammen“, so Oltmanns.

LN

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