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Lübeck Feuerwehr: Sparen auf Kosten der Sicherheit?
Lokales Lübeck Feuerwehr: Sparen auf Kosten der Sicherheit?
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09:49 19.05.2016
„Was passiert, wenn die Schlutuper Wehr die Aufgabe nicht erfüllen kann?“Jochen Mauritz (CDU-Sicherheitspolitiker)

Wenn es brennt, soll die Feuerwehr in zehn Minuten mit zehn Mann und nach 15 Minuten mit 16 Mann vor Ort sein – überall im Stadtgebiet.

Das schaffen die Lübecker Brandschützer bisher in 80 Prozent der Einsatzfälle. Die von den Städten Kiel und Lübeck beauftragten Feuerwehr-Gutachter der Firma Luelf & Rinke schlagen aber vor, dass sich die Hansestadt von dieser Vorgabe verabschiedet. Dafür sollen sogenannte Risikoklassen gebildet werden. Dort, wo viele Häuser stehen und viele Einsätze anfallen, soll die Feuerwehr schnell vor Ort sein. Wo wenig Bebauung steht und wenige Einsätze anfallen, kann es einen Tick länger dauern und es reichen im ersten Löschangriff sechs statt zehn Mann. Gutachter Nico Oestreich erklärte jetzt im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung: „Unsere Empfehlung lautet: Weg von der flächendeckenden Betrachtung, hin zu Risikoklassen.“

Die Hansestadt käme dann mit drei statt vier Wachen bei der Berufsfeuerwehr aus. Die Wache in Schlutup könnte geschlossen werden. Dort gebe es eine leistungsfähige Freiwillige Wehr, die anstelle der Berufsbrandschützer ausrücken würde. Die Einzugsgebiete, die die verbleibenden drei Wachen der Berufswehr abdecken müssten, würden von 53,3 auf 71 Quadratkilometer steigen. Das Schutzziel, mit zehn Mann in zehn Minuten vor Ort, würde rechnerisch auf 77 Prozent sinken.

Der Personalrat der Berufswehr warnt vor diesem Schritt. Durch das Absinken des Schutzziels auf 77 Prozent würde „die Wahrscheinlichkeit, bei einem Wohnungsbrand im ersten Obergeschoss gerettet und reanimiert zu werden, weiter sinken“, sagt Stefan Richter, Mitglied des Personalrats und Leiter der Schlutuper Wache. Richter: „Mit 80 Prozent liegen wir schon weit unten.“ Die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren empfehle sogar 95 Prozent. Was die Personalräte besonders empört: Für die Stadt Kiel, die die Gutachter ebenfalls untersucht haben, empfehlen sie ein deutlich höheres Schutzziel – in 85 bis 88 Prozent sollen die Brandretter schnell vor Ort sein. Personalrat Richter: „In Kiel leben die Bürger dann sicherer als in Lübeck.“ Kritik übt der Personalrat auch an der Einteilung der Risikoklassen. „Die Einteilung ist nicht plausibel“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. In Schlutup gebe es Betriebe, die Umgang mit Gefahrstoffen hätten, sowie Kranken- und Pflegeeinrichtungen. „Ist das Risiko in Schlutup wirklich so gering?“, fragt Rolf Müller (FDP). Ursula Wind-Olßon (CDU) hat erhebliche Zweifel, dass eine Freiwillige Wehr auf Dauer die Aufgaben einer Berufsfeuerwehr in Schlutup übernehmen könne. Die Politiker, die letztlich entscheiden müssen, ob sie die Lübecker Feuerwehr nach dem Gutachten neu organisieren, sind unschlüssig. „Ich will nicht die Verantwortung übernehmen, dass jemand verstirbt, weil wir dem Gutachten gefolgt sind“, sagt der CDU-Sicherheitspolitiker Jochen Mauritz.

Auch die Freiwilligen Feuerwehren, die laut Gutachten von 22 auf 15 Standorte zusammengelegt werden könnten, lehnen die Empfehlungen der Gutachter ab. „Zwangszusammenlegungen zerstören ehrenamtliche Strukturen, die für Einsatztätigkeiten und Stadtteilaktivitäten erforderlich sind“, heißt es in der Stellungnahme. Stattdessen wünscht der Stadtfeuerwehrverband, der für die 22 Wehren und 800 ehrenamtlichen Brandschützer spricht, den Neubau von Feuerwehrhäusern in Kronsforde und Groß Steinrade. Dort haben die Wehren keine Häuser, sie stellen ihre Fahrzeuge in Scheunen unter.

Acht Wachen weniger

Die Luelf & Rinke Sicherheitsberatung wurde von Lübeck und Kiel mit einer Untersuchung zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Optimierung des Personaleinsatzes bei den Feuerwehren beauftragt. Das Gutachten schlägt die Verringerung von vier auf drei Wachen der Berufsfeuerwehr Lübeck vor. Außerdem könnten die 22 Standorte der Freiwilligen Wehren zu 15 zusammengefasst werden. Der neue Innensenator Ludger Hinsen will das noch nicht kommentieren. Ein zuverlässiger Brandschutz habe Priorität. Ob die Vorschläge umgesetzt werden, entscheidet die Bürgerschaft.

 Kai Dordowsky

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