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Lübeck Fiasko Possehlbrücke: Jetzt muss ein Schlichter ran
Lokales Lübeck Fiasko Possehlbrücke: Jetzt muss ein Schlichter ran
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21:33 26.09.2017
Seit März 2015 ist die Querung nur einseitig befahrbar. Doch von einem Neubau ist noch nichts zu sehen.  Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Diese Hiobsbotschaft wird im Hauptausschuss verkündet. Dabei sollte die Brücke Ende des Jahres wieder in beide Richtungen befahrbar sein. Geplant war, dass der erste neue Brückenteil steht – und so erweitert wird, dass er zwei Spuren hat. Aber: Daraus wird nichts. Die Stadt hat sich dagegen entschieden. Denn: Die Baufirma will mehrere Millionen Euro dafür haben. Zudem würde sich der Neubau der Brücke weiter verzögern – um sechs Monate. Die Stadt hatte die Erweiterung vorgeschlagen und sie nur auf 450000 Euro geschätzt – und außerdem keine Bauverzögerung erwartet.

Das sorgt für Irritationen: „Es ist unverständlich, dass die Kosten von Stadt und Baukonzern so unterschiedlich kalkuliert wurden“, wundert sich Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt. Christopher Lötsch (CDU) will wissen, ob die derzeitige Baustellen-Ampel bleibt. Dadurch können Autofahrer zumindest zeitversetzt in beide Richtungen darüber fahren. „Ich schlage vor, dass wir daran festhalten“, sagt Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos). Das Problem zwischen Stadt und Baufirma: „Wir haben vielfach unterschiedliche Auffassungen“, so Glogau. Sie gibt zu: „Die Zusammenarbeit mit dem Baukonzern wird zunehmend schwieriger.“ Daher habe die Stadt eine Schlichtung vorgeschlagen. Frage von Andreas Zander (CDU): „Ist die Possehlbrücke vor dem Berliner Flughafen fertig?“ Antwort Glogau: „Kein Kommentar.“

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Die Schlichtung soll die beiden wichtigsten Fragen beantworten: Zeit und Kosten. „Wann ist das Ding fertig, und können wir uns über ausstehende Forderungen einigen?“, fasst Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) zusammen. Stadt und Baukonzern klären jetzt, wer Schlichter werden soll, wie lange die Schlichtung dauert und wie die Kosten dafür geteilt werden. „Und was passiert, wenn die Schlichtung keinen Erfolg hat?“, will Akyurt wissen. Glogau geht davon aus, dass es einen Erfolg gibt, „weil der Baukonzern kein Interesse an einem unendlichen Projekt haben kann“.

 Mit dem Neubau der Possehlbrücke hat Lübeck ein neues Brücken- Drama. Im März 2015 starteten die Arbeiten an der Brücke. Ursprünglich sollte die neue Querung in diesem Jahr fertig sein. Zuletzt ging die Stadt von Juni 2018 aus. Doch der Termin ist nicht zu halten. Denn von einem Neubau ist nichts zu sehen. Das Bittere: Die Possehlbrücke ist seit zweieinhalb Jahren nur einspurig befahrbar.

Dadurch steht die Stadt im Dauer-Stau. Zwei Jahre lang durften Autofahrer nur stadteinwärts rollen. Erst durch massiven Protest von Unternehmern aus Genin ist eine Baustellen-Ampel eingerichtet worden – gegen den Willen der Bauverwaltung. Seither geht es in beide Richtungen über die Querung.

Der Grund für das Desaster: Geld. Geplant waren Kosten von 12,8 Millionen Euro für den Neubau. Das Land übernimmt 6,9 Millionen Euro. Doch die Baufirma fordert zusätzliche Millionen. Das Perfide: Je mehr Zeit die Baufirma sich mit dem Neubau lässt, desto größer ist das Druckmittel gegenüber der Stadt. Die sitzt in der Zwickmühle.

Abriss vor zwei Jahren

Die Possehlbrücke von 1956 ist marode. Der Stahlbeton bröselt und sie steht auf wackeligem Grund. Denn die Querung wurde auf hundert Jahre alten Holzpfählen errichtet, die tief im Erdreich unter dem Kanal stecken. Die Possehlbrücke ist eine Hauptverkehrsader und wird täglich von 32500 Wagen und 3200 Radfahrer genutzt.

Ende März 2015 begannen die Bauarbeiten. Seither ist die Querung nur einspurig zu befahren. Im November 2015 startete der Abriss der ersten Brückenhälfte. Die Autofahrer durften nur noch stadteinwärts über die Brücke rollen. Dagegen wehrten sich die Gewerbetreibenden aus Genin. Daher gibt es seit Ende April eine Baustellen-Ampel.

 Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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