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Lübeck Filmreife Ideen aus Lübeck in Serie
Lokales Lübeck Filmreife Ideen aus Lübeck in Serie
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14:27 28.01.2014
Am Set: Schauspieler Ryan Wichert (28) testet eine Einstellung, Helge Kubath ist hinter der Kamera in der Reflexion zu sehen. Quelle: Benöhr
Lübeck

Mehr als drei Jahre lang investierten Ryan Wichert und Kathrin Benöhr viel Arbeit in ihr Projekt. Seit Ende 2013 sind alle acht Episoden im Internet zu sehen.

„Die Idee dazu entstand, da Freunde und ich gemerkt haben, dass es in internationalen Umfeldern immer wieder zu sprachlichen und kulturellen Missverständnissen und vielen Klischees kommt“, erzählt Wichert.

„Ich selbst bin halb Engländer, halb Deutscher und bin in Lübeck zur Schule gegangen. Doch da wurde ich auch immer auf die typischen Klischees angesprochen, wie zum Beispiel: Trinkst du Tee?“

Als auch deutsche Freunde nach Auslandsaufenthalten häufig erzählten, dass sie vor allen Dingen nach Bier, Würsten und Lederhosen gefragt worden waren, verarbeitete der 28-Jährige die Eindrücke kreativ: in einem Drehbuch.

Die Affinität zum Film kam nicht von ungefähr. Schon zu Schulzeiten spielte Wichert im Theater Partout in Lübeck, wo er seine spätere Freundin Kathrin Benöhr kennenlernte.

Er ging nach dem Abitur an das Drama Centre nach London, wo unter anderem schon Pierce Brosnan seine Schauspielerausbildung absolviert hatte. Kathrin Benöhr folgte ihm drei Jahre später, machte erst ein soziales Jahr in Englands Hauptstadt, entschied sich dort aber kurzerhand für ein Studium in der Produktion von Film und Fernsehen.

„Da rief ich meine Eltern an und sagte: Ich bleibe nun doch etwas länger hier“, erzählt die 24-Jährige, die bis heute wie Ryan Wichert in London lebt.

Schauspieler und Produzentin für das Projekt Webserie waren also schon mal da, fehlte nur noch der Rest der Crew. Die wurde schließlich ebenso international wie das Drehbuch. „Es gab einen Schneeballeffekt“, sagt Benöhr. „Jeder kannte wen, der wen kannte.“

Vorproduktion, Dreh, Nachproduktion: Am Ende waren über 120 Personen aus 14 Nationen an dem Projekt beteiligt, vom Visagisten, über Cutter bis zum Kameramann. Und das bei einer „No-Budget“- Produktion: Das Team ließ sich nur das Essen sponsern, lieh sich technisches Equipment für den Dreh in Berlin. Benöhr: „Das war die größte Herausforderung, keine Kosten zu produzieren.“ Heraus kam nach insgesamt drei Jahren Arbeit eine mehrsprachige Serie mit vier zuweilen schrulligen Hauptcharakteren, die sowohl auf der eigenen Webseite als auch auf dem Internetkanal Youtube mit Untertiteln in acht Sprachen zu bestaunen ist.

Der Titel „Points of you“ ist da doppeldeutig: Übersetzt heißt es „Punkte von dir“ und steht für jede Macke, welche die Protagonisten an den Tag legen. Laut ausgesprochen klingt der Name aber auch wie „Points of view“, also den verschiedenen Blickwinkeln, aus denen jeweils pro Folge erzählt wird. „

Wir haben sogar darauf geachtet, dass die verschiedenen Blickwinkel anschließend von passenden Cuttern geschnitten wurden“, sagt Ryan Wichert. „Also die deutschen Episoden wurden von einem Deutschen geschnitten, die englischen von einem Engländer und so weiter.“

Jede Figur erhielt auf diese Weise ihre eigene Bildsprache: So ist beispielsweise die Sichtweise des englischen Schauspielabsolventen Ryan, der von Ryan Wichert gespielt wird, im Stile einer Sitcom gehalten. Andere Perspektiven, wie die der italienischen Physikstudentin Sofia, sind in schwarzweiß.

Gern würden die beiden die Serie fortführen. „Ideen für neue Folgen sind auf jeden Fall da“, sagt Benöhr. Aber da gibt es noch einige andere Projekte: Ryan Wichert spielt unter anderem als nächstes in einer Produktion von Shakespeares „King Lear“ mit. Er und Kathrin Benöhr haben eine kleine Produktionsfirma, bei der sie unter anderem auch Werbung drehen. Benöhr: „Zudem müssen wir uns auch erst mal um die Vermarktung der ersten Staffel kümmern.“

In Zahlen

120 Personen aus 14 Nationen arbeiteten mehr als drei Jahre an den acht Episoden à zehn Minuten. Laut der Crew wurden etwa 9000 E-Mails versendet; am Set 7,2 Kilogramm Kekse und 23,4 Liter Energy Drinks verzehrt. 18,5 Tage wurde an zehn Drehorten in Berlin gedreht.
Bisher hatte die Serie rund 15 000 Klicks. Zu sehen ist sie, sowie einige Making-ofs, unter: www.pointsofyou.eu, Twitter: @POYComedy, Facebook: www.facebook.com/poycomedy

Lena Schüch

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