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Lübeck Firmenkreditkarten: So machen es andere Stadt-Unternehmen
Lokales Lübeck Firmenkreditkarten: So machen es andere Stadt-Unternehmen
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10:21 07.04.2016
Quelle: Maxwitat

Die Untersuchungen zum Fall Gastager — die einstige Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft LTM soll die Firmenkreditkarte für private Ausgaben verwendet haben (die LN berichteten) — ziehen Kreise. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat bei sechs städtischen Gesellschaften nachforschen lassen.

Compliance-Regeln

Unternehmen geben sich Regeln zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und freiwilliger Vereinbarungen. Damit sollen beispielsweise Korruption und zweifelhafte Annahme von Geschenken vermieden und der Umgang mit Spesen oder Kreditkarten geregelt werden. Die Stadtwerke haben Compliance-Regeln aufgestellt, nachdem die Affäre um hohe Bezüge, Spesen und Dienstwagen bekannt geworden war.

Bei KWL, Wirtschaftsförderung, Metallhüttengesellschaft, Grundstücksgesellschaft „Trave“, Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) und Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) haben die Geschäftsführer Kreditkarten, die ausschließlich geschäftlich genutzt werden dürfen. Die Einhaltung wird regelmäßig beim Jahresabschluss und gelegentlich durch Sonderprüfungen überwacht. Bei der LHG bestehen sogenannte Compliance-Regeln, bei der MuK und der „Trave“ werden sie erarbeitet. Auch die LTM bekommt ein solches Regelwerk. Bis Mitte Juli soll Geschäftsführer Christian Martin Lukas diese Regeln erarbeiten und dem Aufsichtsrat vorlegen. Das haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung beschlossen. Vorbild soll das Verfahren bei den Stadtwerken sein, die sich nach ihrer Affäre um hochdotierte Posten und Firmenkreditkarten diese Compliance-Regeln gaben. „Wir haben zwei Firmenkreditkarten im Unternehmen und für die Nutzung bisher keine Regelung“, sagt LTM- Geschäftsführer Lukas. Über diese Kreditkarten würden nicht nur Reisekosten und Spesen abgerechnet, sondern zunehmend auch der Online-Kauf bei der Organisation von Veranstaltungen.

Unterdessen hat der LTM-Aufsichtsrat auch beschlossen, dass die Sonderprüfung zum finanziellen Gebaren der Ex-Chefin Andrea Gastager weitergeht. Nach den Jahren 2013 und 2014 nimmt ein Lübecker Wirtschaftsprüfer jetzt auch die Vorjahre unter die Lupe. „Eine Sonderprüfung des Jahres 2012 habe ich bereits angeordnet“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Rottloff (CDU) auf LN-Nachfrage. Die Wirtschaftsprüfer sollen sich zudem die Abschlüsse der Jahre 2008 bis 2011 anschauen, ob es Forderungen der LTM gegen die Geschäftsführung gegeben habe. Sollte sich das bestätigen, werde es auch für diese Jahre zu einer Sonderprüfung kommen, erklärt Rottloff.

Die bisherigen Recherchen ergaben, dass die frühere LTM-Chefin in den Jahren 2013 und 2014 private Ausgaben über insgesamt 25506 Euro mit der Firmenkreditkarte tätigte. Aus den Jahren zuvor sollen Verbindlichkeiten von mehr als 35000 Euro bestanden haben. Gastager habe die Summen stets zurückgezahlt, sich also über diese Kredite nur einen Zinsvorteil verschafft. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat den auf 2000 Euro geschätzt und von einer schuldhaften Pflichtverletzung gesprochen. Die Verbindlichkeiten wurden durch regelmäßige Einbehaltungen von Gehalt und zum Teil durch größere Einmalzahlungen ausgeglichen.

Unklar ist bis heute, wofür die ehemalige Geschäftsführerin das Geld ausgegeben hat. Der LTM- Aufsichtsrat erhofft sich Aufklärung aus einem schriftlichen Bericht der Wirtschaftsprüfer. Der liegt aber noch nicht vor. Die Nachforschungen sollen auch deshalb kompliziert sein, weil Gastager vierstellige Beträge mit der Kreditkarte bar an Geldautomaten abgehoben haben soll. Der LTM-Aufsichtsrat hat seine bisherigen Erkenntnisse schriftlich der Kieler Staatsanwaltschaft angeboten. Die hat aber noch nicht reagiert. Auch Nachfragen bei Andrea Gastager und deren Anwalt blieben gestern unbeantwortet.

Von Kai Dordowsky

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