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Lübeck Fisch aus dem Schwarzen Meer erobert Lübecker Gewässer
Lokales Lübeck Fisch aus dem Schwarzen Meer erobert Lübecker Gewässer
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10:22 13.08.2011
Seit knapp zwei Jahren breitet sich die eingewanderte Schwarzmundgrundel in den Gewässern um Lübeck aus. Foto: Holger Kröger Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Bis zu 20 Stück hat Helmut Eckert pro Angeltour am Haken. Der 70-Jährige fischt seit 2005 in der Trave. Vor gut zwei Jahren zog er das erste Mal eine Schwarzmundgrundel aus dem Wasser. Seitdem sind es kontinuierlich mehr geworden. Auch das Zoologische Museum der Universität Hamburg ist inzwischen auf den Fisch aufmerksam geworden. Zwei Mitarbeiter führen aufwendige Studien in den Flüssen durch – auch in der Trave und dem Elbe-Lübeck-Kanal. Ursprünglich stammt die Grundelart aus dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer.

Eckert hat es eigentlich auf den Barsch abgesehen. Am Randbereich der Trave hält dieser sich bevorzugt auf. Wenn schönes Wetter ist, geht Eckert angeln. Fünf- bis zehnmal pro Monat sitzt er in Höhe der Geniner Eisenbahnbrücke. Doch statt des erhofften Fangs schnappt oft eine Schwarzmundgrundel zu. „Das ist nicht erfreulich“, sagt Eckert. Vor allem dann ist er von dem Tier genervt, wenn er wenig Würmer in Reserve hat. Anfangs wusste der Angler nicht, was er da am Haken hatte. „Ich war sehr irritiert“, so Eckert. Zuerst tippte er auf eine geschützte deutsche Art. „Ich musste lange suchen, bis ich etwas über den Fisch gefunden hatte.“ Dann stellte er sich als Schwarzmundgrundel heraus.

Seit etwa 20 Jahren weitet die Grundel ihren Lebensraum immer weiter aus. 2004 wurden erste Exemplare im deutschen Teil der Donau gefunden, bereits 1990 gelangten manche Tiere in die Danziger Bucht. Sogar in den Great Lakes in den USA wurde sie entdeckt. Vermutet wird, dass die Fische im Ballastwasser von Frachtschiffen mitgereist sind. Inzwischen lebt die Schwarzmundgrundel auch in Schleswig-Holstein. Der Nord-Ostsee-Kanal ist fest in ihrer Flosse, Teile der Nordseeküste, aber auch die Trave. Allmählich dringt sie in den Elbe-Lübeck-Kanal vor.

Mattias Hempel, Doktorand am Zoologischen Museum der Uni Hamburg, untersucht den Fisch seit Januar. „Über ihn ist so gut wie nichts bekannt.“ Mit Reusen, Netzen und Schnüren geht er auf Grundelfang. Vor kurzem war der 30-Jährige wieder am Elbe-Lübeck-Kanal unterwegs. Vor sechs Jahren kam der bis zu 25 Zentimeter lange Fisch im Norden noch gar nicht vor. Jetzt ist die Trave voll mit ihm. „Das ist schon heftig“, sagt Hempel. „Aal-Angeln ist praktisch unmöglich geworden.“ Von Fischfängern höre er nur Negatives.

Unter anderem untersucht der Doktorand die Auswirkungen auf die heimische Tierwelt. Viele Experten vermuten, die Grundel sei ein Laichräuber und dezimiere andere Fischbestände. Bewiesen ist das allerdings nicht – zumindest in der Trave. Im Rhein habe die Grundel schon manche Art verdrängt, so Hempel. „Das ist ziemlich sicher.“ In den hiesigen Gewässern hat der 30-Jährige allerdings schon einen Profiteur des Grundel-Zuzugs ausgemacht: den Zander. „Im Vergleich zu den Vorjahren wachsen sie deutlich schneller“, so Hempel. Die Grundel stehe bevorzugt auf dem Speiseplan.

Auch Angler Eckert hat bereits darüber nachgedacht, den Fisch zu essen. Er habe gehört, er schmecke gut. „Getraut habe ich mich allerdings noch nicht“, gesteht der 70-Jährige. Fischexperte Hempel nimmt ihm die Bedenken. Er hat die Schwarzmundgrundel bereits probiert und durchaus Gefallen gefunden. Am besten sei die Zubereitung wie beim Stint mit Mehl in der Pfanne, sagt der 30-Jährige.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein ist der Träger des Forschungsvorhabens. Bis Ende 2013 wird Mattias Hempel sich mit der Schwarzmundgrundel beschäftigen. Dann liegen hoffentlich Erkenntnisse vor, ob der Fisch eine Bereicherung oder Plage für die heimische Tierwelt ist. Helmut Eckert hat sich bereits mit der Grundel arrangiert. Scherzend sagt er: „Ich habe immerhin einen Fisch an der Angel.“

Peer Hellerling

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