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Lübeck Flintsteine und heißes Eisen
Lokales Lübeck Flintsteine und heißes Eisen
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20:29 28.10.2017
Der Schmied Daniel Sonntag hilft dem kleinen Tim beim Herstellen eines Hakens, den er mit nach Hause nehmen kann. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Kücknitz

Beißender Qualm vom Holzkohlefeuer zieht in Tims (7) Richtung, doch der schaut voll konzentriert auf das glühende Stück Eisen. Daniel Sonntag (33), Praktikant und Schmied im Geschichtserlebnisraum, hat ihm das Stück aus dem Feuer geholt. Jetzt haut Tim mit einem großen Hammer auf das Stück, das sich immer mehr zum Haken formt. „Jetzt schön abkühlen und schwenken“, rät ihm der Schmied, und nur wenige Sekunden später hält Tim stolz einen Haken in die Höhe. „Das ist schon mein zweiter“, sagt der junge Besucher aus Berlin, legt die lederne Schmiedeschürze ab und geht weiter zur nächsten Station.

Der Geschichtserlebnisraum lädt ein letztes Mal in diesem Jahr zum Kultur-Wochenende. Auch am Sonntag von 11 bis 17 Uhr können Familien hautnah erleben, wie in früheren Zeiten gearbeitet wurde – und sie können selbst Seile drehen, schnitzen oder einen Haken zum Mitnehmen schmieden.

Überall auf dem Gelände des Geschichtserlebnisraums Kücknitz ist an diesem Wochenende etwas los. Im mittelalterlichen Langhaus werden bei Kerzenschein Kräuterküchlein gebacken, in einer offenen Hütte sitzen Ralf Krüger (40) und Dirk Mussäus (52), die mit steinzeitlichen Werkzeugen Flintsteine (Feuersteine) zu Messern und Speerspitzen verarbeiten. Leander (11) schaut interessiert zu, doch dann möchte er weiter – „zum Hamsterrad und zu den Pferden“, sagt er. Besagtes „Hamsterrad“, eine Tretmühle, wird durch menschliche Muskelkraft – in diesem Fall durch den ehrenamtlichen Mitarbeiter Christopher Gottsmann (21) – angetrieben. In einer Art Schaukel können sich Besucher damit in die Höhe ziehen lassen – ein großer Anziehungspunkt für Besucherkinder an diesem trüben Oktobertag.

Drucken à la Gutenberg mit Künstlerin Ria Bredemeyer oder Holzschnitzen mit Christiane Schröder – das sind schöne Beschäftigungen für Besucher. Viele der Kinder kommen fast täglich in den Geschichtserlebnisraum, darunter der siebenjährige Amin und seine Geschwister. Gedruckt hat er einen „Fußballfisch“ mit scharfen Zähnen und dunklen Punkten, jetzt sitzt er mit einem Messer auf einem Holzstamm und schnitzt an einem Stück Pappelholz. „Das wird ein Schiff“, sagt Amin.

An einem Stand gegenüber erklärt Bernd Schonvogel alias „Ritter Bernd“ von der Stadtwache Lübeck einem Besucher die Bestandteile der Rüstung dieser Stadtwache. Immer in seiner Nähe ist Fritz (8).

„Mein treuester Begleiter“, nennt Schonvogel ihn. Fritz ist ein echter Kenner: Wenig später hat er eine Kinderrüstung angelegt und trägt einen Gegenstand mit Stiel in der Hand. „Das ist ein Rabenschnabel, den kann man ins Visier vom Helm hauen oder die Rüstung damit verbeulen“, erklärt er neugierigen Laien und trabt weiter.

Am heutigen Sonntag von 11 bis 17 Uhr können Besucher erneut bei freiem Eintritt das Gelände am Pommernring erkunden, um 15 Uhr findet eine Führung statt.

 Von Sabine Risch

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