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18:17 22.08.2016
Hans Wagner restauriert die mittelalterlichen Wandmalereien im Inneren der Lübecker Petrikirche. Quelle: Ines Langhorst

Filigrane Linien zeichnen die Ranken und Blätter: In der Petrikirche mitten in der Altstadt werden derzeit Wandmalereien aus dem Mittelalter restauriert. Die floralen Muster haben früher das gesamte Gewölbe geschmückt.

Im Rahmen der Sanierung des Petriturms hat sich gezeigt, dass eine Restaurierung der Flächen in der Südkapelle dringend notwendig ist. Bereits in den 1980er-Jahren hatten Restauratoren damit begonnen, die mittelalterlichen Farbfassungen freizulegen. Nach Abschluss der Arbeiten bedeckten sie die Ornamente zum Schutz mit einem feinen Papier. Diese Restaurierung wird nun fortgesetzt, allerdings mit anderen Methoden. Rinko Berg und Hans Wagner sind die ausführenden Restauratoren.

Sie brauchen für ihre Arbeit viel Fingerspitzengefühl. Zwischen drei und fünf Farbschichten liegen übereinander. An einigen Stellen haben sie keine Verbindung mehr zueinander. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unterschiedliche Rezepturen, Alterung und äußere Einflüsse spielen eine Rolle. Der Brand nach dem Bombenangriff an Palmarum 1942 hat durch die Hitze die Farben und ihren Untergrund beeinflusst. Nicht nur die Farbschichten liegen lose übereinander. Auch zum Putz, dem Fassungsträger, fehlt die Bindung.

Rinko Berg und Hans Wagner arbeiten mit gelöstem Kalk in unterschiedlichen Konzentrationen. Mit einer feinen Nadel spritzen sie den Kalk in die engen Zwischenräume. Wenn sie mit einer Stelle fertig sind, fühlen und klopfen sie vorsichtig die bearbeiteten Flächen ab. „So sehe und höre ich, ob die Bereiche gefestigt sind“, sagt Wagner.

Ziel ist es, nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten so viel wie möglich zu erhalten. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden einige Sichtfenster frei bleiben. „So bekommen die Besucher von St. Petri einen Eindruck von der mittelalterlichen Optik der Kirche“, sagt Thorsten Plath aus der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Der größte Teil der Malereien bleibt aber unter der weißen Kalkfarbe. Sie gibt der heutigen Petrikirche ihre unverwechselbare Optik.

Die Restauration wird etwa 63000 Euro kosten. Finanziert wird sie vor allem durch Zuwendungen von Stiftungen. Ganz Lübeck beteiligt sich über die Kampagne „Sieben Türme will ich sehen“ an den Arbeiten. Stiftungen, Unternehmen und Einzelpersonen haben in den letzten drei Jahren mehr als 1,5 Millionen Euro für den Erhalt der sieben Türme gesammelt.

Noch bis Ende 2017 werden die Arbeiten am Turm von St. Petri dauern. Die Gesamtkosten liegen bei rund 2,8 Millionen Euro. Weitere Infos gibt es auch online unter www.sieben-tuerme-luebeck.de.

Ines Langhorst

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