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Lübeck „Flüchtlinge sind die Fachkräfte von übermorgen“
Lokales Lübeck „Flüchtlinge sind die Fachkräfte von übermorgen“
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09:16 04.03.2016
Markus Dusch (r.) und Joachim Tag legten gestern die Arbeitsmarktbilanz 2015 vor. Quelle: Teichmann

Die Lübecker Arbeitsagentur spricht von einem „sehr erfolgreichen Jahr 2015“. Bereits das zehnte Jahr in Folge steige in Lübeck die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter, und zwar von 77 853 im Jahr 2006 auf 90 325 im Jahr 2015. Die Vorjahreszahl ist darüber hinaus die höchste seit zwei Jahrzehnten.

„Firmen sollen versteckten Talenten eine Chance geben.“

Markus Dusch

Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur, und Joachim Tag, Leiter des Jobcenters, gingen gestern bei der Vorlage der Arbeitsmarktbilanz 2015 auch auf die Flüchtlingsströme ein. Ihre These: Die große Zahl von Flüchtlingen wird den Arbeitsmarkt nicht erschüttern, sondern eher beflügeln. Mit Blick auf die gereizte Flüchtlingsdebatte riet der Chef der Lübecker Arbeitsagentur, die Diskussion „entspannter und mit weniger Hysterie“ zu führen.

Dusch erinnerte daran, dass Deutschland Anfang der 1990er Jahre beim gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen aus dem jugoslawischen Kriegsgebiet „eine ganz andere Nummer gestemmt hat“, zumal damals zusätzlich Tausende von Menschen aus der ehemaligen DDR Arbeit im Westen suchten. Die Arbeitsagentur stellte die Flüchtlingsströme aus Jugoslawien und die derzeitigen Flüchtlingsströme gegenüber. 1993 hätten 438 191 Flüchtlinge Asylanträge gestellt; deren Integration sei fast lautlos geschehen. 2015 habe es 476 649 Asylanträge gegeben.

Angesichts des deutlich höheren Fachkräftebedarfs als vor 23 Jahren gebe es heute keinen Grund, die Integration von Flüchtlingen in Frage zu stellen. Joachim Tag nannte die Asylsuchenden die „Fachkräfte von übermorgen“.

Aber er mahnte auch, dass die Flüchtlinge nicht zu „Langzeitarbeitslosen von morgen werden“ dürfen. Spezielle Teams der Arbeitsagentur würden sich um die berufliche Integration von Asylsuchenden kümmern. Dabei sei Geduld gefragt. „Spracherwerb, berufliche Orientierung und Qualifikation brauchen Zeit“, betonte Dusch und appellierte: „Unternehmen sollten versteckten Talenten eine Chance geben.“

Die Zahl von 90 325 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Hansestadt im vergangenen Jahr bedeutet im Vergleich zu 2014 eine Zunahme um 1437 oder 1,6 Prozent. Die Zahl der geringfügig entlohnten Berufstätigen (Lohn- Obergrenze 450 Euro) sank im Gegenzug um 516 auf 19 203 (minus 2,6 Prozent). Die Zahl der Arbeitsplätze im gesamten Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck, zu dem auch der Kreis Ostholstein gehört, nahm in den Wirtschaftszweigen verarbeitendes Gewerbe, Heime und Sozialwesen, Gesundheitswesen und Gastgewerbe zu. Weniger Arbeitsplätze gab es in den Wirtschaftszweigen Verkehr und Lagerei, Handel und öffentliche Verwaltung.

Deutlich machte die Arbeitsagentur in ihrer Bilanz, dass sich in einigen Berufen aufgrund des Fachkräftemangels das Verhältnis von Angebot und Nachfrage „zugunsten der Arbeitnehmer verschoben hat“.

In den Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik stehen in Lübeck rechnerisch nur noch 0,5 Arbeitslose je gemeldeter Stelle zur Verfügung. In diesen Berufssparten dauert es im Schnitt 129 Tage, bis eine freie Stelle wieder besetzt werden kann.

Von Torsten Teichmann

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