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Flughafen: Wie soll es in Blankensee weitergehen?

Lübeck Flughafen: Wie soll es in Blankensee weitergehen?

Keine Kündigungen auf Betriebsversammlung — SPD und Grüne lehnen Geldspritze der Stadt ab.

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Magdalena und Jonas Grow (29 und 30) bedauern, dass bald keine Flüge von Lübeck mehr gehen. „Für uns ist es schade.“

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Das Geld wird knapp am Flughafen: Der Billigflieger Wizz Air verlässt Blankensee und fliegt ab dem 17. April von Hamburg. Jetzt fehlen dem Lübecker Airport die Einnahmen. Das ist ein schwerer Schlag für den insolventen Flughafen, für den es immer noch keinen Käufer gibt. Schon Mitte Januar hatte Insolvenzverwalter Klaus Pannen beim Amtsgericht angezeigt, dass es nicht genügend Geld für den Betrieb gibt.

LN-Bild

Keine Kündigungen auf Betriebsversammlung — SPD und Grüne lehnen Geldspritze der Stadt ab.

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Am Donnerstag ist die nicht-öffentliche Sondersitzung zur Situation des Airports. Dort will Pannen über den Stand der Verhandlungen mit den beiden Interessenten berichten. Ein Unternehmer aus der Region interessiert sich für den Flughafen und jemand, der in Blankensee Flugzeuge recyceln will (die LN berichteten). Pannen will versuchen, den Verkauf des Flughafens bis zum Donnerstag einzutüten.

„Ich hoffe es“, sagt er. Er arbeite daran, dass die Löhne bis zum 15. April gesichert sind. Seit der Airport am 30. September Insolvenz angemeldet hat, sind von den 75 Beschäftigten nur noch 50 tätig. Viele davon in Teilzeit. Pannen hat während der Betriebsversammlung keine Kündigungen angekündigt. „Im Augenblick ist das kein Thema“, sagt Pannen.

Allerdings: Wenn der Flughafen nicht bald verkauft wird, gibt es kein Geld mehr. Denn die Stadt springt nicht ein — auch nicht als Übergangslösung. Dafür gibt es derzeit keine politische Mehrheit, denn SPD und Grüne spielen nicht mit. „Ich sehe nicht, dass die Stadt Geld gibt“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Sie habe bereits auf ihr Vorkaufsrecht für ein Grundstück mit Einfamilienhaus verzichtet. Das ist im Eigentum des Airports und soll für 170000 Euro verkauft werden. Lindenau: „Wenn es einen ernsthaften Interessenten gibt, dann muss er auch den Übergang finanzieren.“ Das habe der chinesische Investor auch getan. Der war im August 2014 eingestiegen — und hatte 200000 Euro vorgestreckt bis er den Kaufvertrag unterschrieben hat. Er wollte Zeit haben, um die Details des Vertrages zu klären. So sieht es auch Grünen-Fraktionschef Thorsten Fürter: „Neue Stadtknete für den Flughafen kommt überhaupt nicht in Frage.“ Sollte der Airport eine Brückenfinanzierung brauchen, „muss der Investor sie organisieren“.

Fürter verlangt zudem eine Schlussrechnung. „Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) muss aufschlüsseln, wie viele Millionen er in Blankensee versenkt hat“, erklärt Fürter. Er fordert, dass Saxe ein Konzept für die Nachnutzung des Airport-Geländes auf den Tisch legt. jvz

„Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

Eigentlich sollte der Wizz Air-Flieger von Lübeck nach Riga gestern um 13.35 Uhr starten. Aber er landete mit 20 Minuten Verspätung und so verzögerte sich auch der Abflug. Keiner der Passagiere schien sich gestern darüber aufzuregen. Dafür aber sorgte die Nachricht für Unmut, dass Wizz Air ab Mitte April gar nicht mehr ab Lübeck fliegen will, sondern ab Hamburg.

„Ein echter Nachteil für uns“, ärgert sich Guna Kraatz (28), deren Eltern in Riga leben. Ungefähr dreimal im Jahr fliegt sie mit Ehemann Martin (32) und Tochter Liga (3) dorthin. „Wir sind aus Rostock, da ist Lübeck näher als Hamburg.“ Sie sei gern ab und zu in Lübeck, sagt sie. „Ich mag die Stadt.“ Das Angebot im Flughafen, das in Hamburg vielfältiger ist, sei ihr egal. „Das spielt für uns gar keine Rolle.“

„Die Tickets werden bestimmt teurer, wenn die Flüge ab Hamburg gehen“, vermutet Reinis Melderis (32), der mit Frau Mara (32) und den Töchtern Marta (2) und Elsa (3) ebenfalls mehrmals im Jahr in die lettische Hauptstadt jettet. Hamburg sei für die Familie aus Dithmarschen aber besser zu erreichen.

Agnes Rieckmann (33) hat ihre Kinder von Winsen (Kreis Harburg) zum Lübecker Flughafen gebracht. „Sie fliegen mit meiner Mutter über Ostern nach Riga“, sagt sie. Aufgrund ihres Wohnortes sei auch sie aufgeschlossen für künftige Flüge von und nach Hamburg. „Es ist einfach näher.“

Andrzej Radomski (62) arbeitet für den Danziger Hafen und muss im Rahmen des Baltic Sail-Verbundes, der mit der Rostocker Hanse Sail zusammenhängt, regelmäßig an die Ostsee. Es sei nicht weiter tragisch für ihn, in Zukunft von Hamburg fliegen zu müssen, meint er. Aber er ist doch überrascht von der Neuigkeit.

„Wir sind von der Fluggesellschaft bisher überhaupt nicht informiert worden“, sind Grazyna und Christoph Zwolinski (54 und 60) aus Lübeck empört. „Wir fliegen oft nach Danzig, und für uns ist es schlimm, wenn wir immer nach Hamburg müssen“, stellt Grazyna Zwolinski fest. „Das wollen wir nicht.“ Sie hat schon einmal für den Erhalt des Lübecker Flughafens und der Fluglinien unterschrieben.

„Die neuen Pläne kann man nicht einfach so hinnehmen.“ Notfalls will das Ehepaar künftig lieber das Auto oder den Zug benutzen.

Überflüssig oder notwendig? Airport spaltet die Lübecker

Die Hansestädter sind geteilter Meinung über die Zukunft des Airports: Während die Frauen überwiegend für den Erhalt sind, votieren die gefragten Männer dagegen. Mit dem jahrelangen Hin und Her müsse endlich Schluss sein — notfalls auch mit zusätzlichen Kosten für die Stadt, sollten Fördergelder zurückgezahlt werden müssen. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, so Gerhard Lewerenz. Ute Seiner wiederum wird traurig, wenn sie an die Zukunft denkt. „Ich möchte ihn behalten“, sagt sie. Früher, als Ryanair noch nach London flog, habe sie an der Themse gearbeitet. „Das Pendeln war wie Busfahren.“ Der Airport brauche bloß einen richtigen Investor, „dann kann er eine Zukunft haben“.

Texte: Hellerling/Fotos: Maxwitat

Von stö

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