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Flughafen lässt Segelflieger nicht starten

St. Jürgen Flughafen lässt Segelflieger nicht starten

Die Flugzeuge des Aero Clubs haben die Jahresprüfung bestanden — Anfliegen durften die Piloten dennoch nicht.

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Claus Cordes bereitet seinen Segelflieger für die Jahresnachprüfung vor. In die Luft gehen darf der Lufthansa-Pilot zum Saisonauftakt allerdings nicht.

Quelle: Rüdiger Jacob

St. Jürgen. Trotz guter Wartungsnoten für die Flugzeuge ist die Stimmung bei den Segelfliegern am Flughafen Blankensee auf dem Tiefpunkt. „Dass wir heute nicht anfliegen dürfen, hat es seit mehr als 60 Jahren nicht gegeben“, sagt der Geschäftsführer des Aero Clubs Lübeck (ACvL), Joachim Häusler, bei der Jahresprüfung am vergangenen Sonnabend. Die Gründe gehen aus einer den LN vorliegenden E-Mail des Flughafens vom 18. März hervor. Darin weist der Airport seine Mitarbeiter an, den Segelfliegern, Gästen und Pressevertretern den Zugang zur Luftseite (Vorfeld) zu verwehren. Dem ACvL fehle „eine Startleiterschulung, eine gültige Betriebsabsprache und eine Nutzungsvereinbarung“.

„Zehn Mitglieder haben bereits gekündigt.“ ACvL-Sprecher Winfried Schöch

Gründe, die ACvL-Chef Rüdiger Kosemund als „fadenscheinig“ bezeichnet. „Die Startleiterschulung und die gültige Betriebsabsprache sind bei Einzelfreigaben vom Tower gar nicht notwendig, sie wirken für mich als Begründung fraglich und konstruiert“, sagt er. Bislang habe der Verein erfolglos versucht, mit dem Airport-Betreiber den Verbleib des Segelflugbetriebs zu erreichen. Was Kosemund auch nicht versteht: Die ebenfalls in Blankensee ansässige Segelflugschule Lübeck darf ungehindert weitermachen. „Warum die und wir nicht?“, fragt Kosemund. „Ein Flugzeug mussten wir bereits verkaufen, weil die Anwaltskosten inzwischen deutlich im fünfstelligen Bereich liegen — eine bittere Pille“, sagt ACvL-Sprecher Winfried Schöch.

Weiteres Ärgernis: Auch die Jahresnachprüfung der neun Vereinsflugzeuge am Wochenende musste in der Halle und nicht wie sonst auf dem Vorfeld durchgeführt werden. Grund: Das Tor 16, das das Vereinsgelände vom Vorfeld trennt, ist seit April 2015 verschlossen. „Zehn Mitglieder haben bereits gekündigt, der Rest der 140 Kollegen hält wacker durch. Wir hoffen alle, dass es weitergeht“, sagt Schöch. Mehrfache Anfragen, das Tor für die Nachprüfungen auf dem Vorfeld zu öffnen, seien vom Flughafen abschlägig beschieden worden, wettert Kosemund. „Mit ein wenig gutem Willen hätte man das lösen können“, ist Vereinsmitglied und Lufthansa-A380-Pilot Claus Cordes überzeugt. Besonders ärgerlich sei, dass die vorgesehenen Überprüfungsflüge nicht haben stattfinden können.

Auch der Vorsitzende des Lübecker Vereins für Luftfahrt, Stefan Bierfreund, war beim verfehlten Saisonstart vor Ort. Mit Blick auf die kommende Haushaltssitzung der Bürgerschaft hoffen er und Kosemund auf den Erhalt des Flugplatzes: „Wir würden den Luftsport im Rahmen eines Sonderlandeplatzes sehr gern weiterbetreiben — und die Jugendarbeit sowie die Seniorenbetreuung fortsetzen.“ Am Karfreitag wollen die Segelflieger ihre Flugzeuge samt Anhängern und Startwinde aus der Halle P holen, um gezwungenermaßen auf den Wahlstedter Flugplatz auszuweichen. Kosemund hofft, dass dazu Tor 16 sowie Halle P für diese Zeit aufgeschlossen werden.

Der Lübecker Flughafen war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Rüdiger Jacob

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