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Letzter Abflug Lübeck?

Lübeck Letzter Abflug Lübeck?

Bis Ende Februar wird ab Blankensee geflogen. Danach wird es eng. Der Insolvenzverwalter plant, demnächst einen Käufer vorzustellen. Ob das klappt, ist noch unklar.

Wie lange wird noch geflogen? Zumindest bis Ende Februar ist der Betrieb in Blankensee sicher. Was danach kommt, ist ungewiss.

Lübeck. Die Zukunft des Flughafens hängt am seidenen Faden: Bereits zum dritten Mal muss Insolvenzverwalter Klaus Pannen die Frist für den Verkauf verlängern. „Bis Ende Februar können wir operativ tätig sein“, sagt der Hamburger Anwalt. Bis dahin reicht das Geld noch, dass der Flughafen verdient. Danach wird es eng. „Es ist schwierig“, gibt Pannen zu. Denn der Airport musste bereits zwei Mal Insolvenz anmelden. Jetzt ein drittes Mal einen Käufer für den Flughafen Lübeck zu finden, ist eine zähe Angelegenheit. Mit einem Interessenten „hat die heiße Phase begonnen“, erklärt Pannen vorsichtig optimistisch. „Der Plan ist, ihn in der nächsten Woche vorzustellen“, sagt er. Aber: „Ob das auch klappt, ist unklar.“ Denn der Interessent muss eine Finanzierung auf die Beine stellen und etliche Unterlagen aufbringen. „Ich habe gute Hoffnungen“, sagt Pannen.

Die Suche nach einem Käufer für den Airport ist Pannens Hauptaufgabe. Denn Ende September hat die Betreibergesellschaft PuRen Germany GmbH beim Amtsgericht Lübeck Insolvenz angemeldet. Aber im Insolvenzverfahren geht es auch um die Jobs am Airport. Derzeit sind nur noch 50 Mitarbeiter am Flughafen Lübeck beschäftigt — von ehemals 75. Ein Drittel der Belegschaft musste im Rahmen der Insolvenz bereits gehen. Bis Ende September gab es sogar Jobs für 90 Leute. Bleiben die Gläubiger: Die PuRen GmbH schuldet der Hansestadt noch 170000 Euro — das sind ausstehende Pachtzahlungen.

Die Stadt ist der Gläubiger, der als erstes bedient wird, wenn der Flughafen verkauft wird. Denn sie hat als Vermieter ein Pfandrecht. Das heißt: Aus dem Kaufpreis fließt zuerst Geld an die Stadt, sonst kann sie ihr Eigentum pfänden. Als Großgläubiger wird vom Amtsgericht die Bundesagentur für Arbeit in Kiel angegeben, da sie das dreimonatige Insolvenzgeld für die Airportmitarbeiter gezahlt hat. Ebenfalls Geld erwartet eine Gesellschaft für Flughafenlogistik und Infrastrukturmanagement in Braunschweig sowie eine österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt aus Wien. Wie viel Geld die Gläubiger aber insgesamt fordern, ist nicht bekannt.

Szenario eins: Gibt es einen neuen Investor, kann es am Airport Lübeck weitergehen. Die Bürgerschaft muss dem allerdings zustimmen. Denn die Flächen des Flughafens gehören der Stadt.

Zuletzt hatte PuRen 213 Hektar von der Hansestadt gepachtet — das Flughafen-Areal inklusive Start- und Landebahn. Dafür waren 300 000 Euro pro Jahr vereinbart. Der Vertrag läuft bis 2027. Weitere 100000 Euro erhält die Stadt als Miete für Instrumentenlandesystem, Vorfeldbeleuchtung sowie Sicherheitszaun. Gekauft hatte der Airport-Betreiber 150 Hektar Land, davon waren 130 Hektar Ausgleichsflächen.

Szenario zwei: Gibt es niemanden, der den Airport betreiben will, fallen die Flächen des Airports wieder an die Hansestadt zurück. Dann muss die Bürgerschaft entscheiden, ob die Hansestadt den Flughafenbetrieb selbst wieder aufnehmen will. Das ist unwahrscheinlich, da der Airport jedes Jahr Millionen-Defizite einfährt. Derzeit gibt es keine politische Mehrheit dafür. Und die Fluglizenz?

Sie erlischt, wenn der Regionalflughafen den Flugbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten kann, heißt es vom Kieler Verkehrsministerium. Das muss der Airport dann selbst bei der Luftfahrtbehörde anzeigen. Erst dann wird dem Lübecker Flughafen die Lizenz entzogen. Außerdem: Die Stadt wird dem Land Fördergeld zurückzahlen müssen, wenn der Airport nicht als solcher betrieben wird. Aktuell handelt es sich um knapp 3,3 Millionen Euro — laut Verkehrsministerium.

Hinter PuRen Germany GmbH steht der Investor Yongqiang Chen aus Peking. Er hatte den Airport selbst aus der Insolvenz gekauft, nachdem sich der vorherige Besitzer aus dem Staub gemacht hatte. Der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar tauchte unter, so dass im April 2014 die Yasmina Flughafengesellschaft pleite ging. Amar hatte zuvor den Airport im Januar 2013 von der Stadt übernommen.

Investoren scheiterten
3 private Investoren sind bereits gescheitert. Der Flughafen Lübeck gehörte der Hansestadt. Da der Airport Millionen Euro im Jahr verschlingt, hat sich die Stadt private Betreiber gesucht. Zunächst stiegen die Neuseeländer von Infratil ein — von 2005 bis 2009. Sie verloren die Lust und gaben den Airport zurück. Zum 1. Januar 2013 stieg der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar ein, verschwand aber ein gutes Jahr später. Der Airport musste Insolvenz anmelden. Der Chinese Yongqiang Chen stieg ein und ist nach einem guten Jahr ebenfalls pleite.

Josephine von Zastrow

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