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Lübeck Flughafen-Chef sieht Potenzial für München, Wien, Zürich
Lokales Lübeck Flughafen-Chef sieht Potenzial für München, Wien, Zürich
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06:44 14.11.2017
Still ruht der See, denkt jeder, der am Flughafen Blankensee vorbeifährt oder in das Abfertigungsgebäude schaut. Hinter den Kulissen werde aber eifrig an Konzepten gearbeitet, versichert die Chefetage. Quelle: Fotos: Maxwitat, Kröger
Lübeck

„Wir wollen keine großen Pläne mehr in der Presse vorstellen, bevor sie wasserdicht sind“, erklärte Prof. Jürgen Friedel, der vom neuen Flughafen-Eigner Prof. Winfried Stöcker zurückgeholt wurde, um den Airport wieder nach vorne zu bringen. „Wir machen etwas fertig und dann zeigen wir es.“ Aber die Mannschaft am Airport, die von einst 100 auf 15 geschrumpft war und jetzt wieder 40 Köpfe zählt, lege auch nicht die Hände in den Schoß und warte, dass etwas passiert. „Wir haben eine Menge Geld investiert“, berichtete Friedel, „wir haben das IT-System und unseren Fuhrpark erneuert.“

Und die Führungsmannschaft hat die möglichen Geschäftsfelder definiert. Alte Themen tauchen dabei wieder auf. So werde an Konzepten für Pauschalreisende aus Österreich, der Schweiz und aus Süddeutschland gearbeitet, die mit kleinen Maschinen an die Ostseeküste gebracht werden. Friedel: „Dafür ist der Flughafen super geeignet.“ Neidisch würde man nach Rostock-Laage schauen. Dort seien im vergangenen Jahr 100000 Kreuzfahrt-Passagiere abgefertigt worden, sagte der Geschäftsführer. Eine weitere Nische im umkämpften Luftfahrtgeschäft sei die Gesundheitsbranche. In der Lübecker Region gebe es etliche Kliniken und Reha-Einrichtungen, zu denen Patienten transportiert werden könnten. Auch das ist keine neue Idee. Der letzte Airport-Besitzer vor Stöcker, der Chinese Yongqiang Chen, hatte ebenfalls von Medizin-Flügen gesprochen.

Aber Friedel und Stöcker sehen auch „Potenzial in den klassischen Linienverbindungen“, sagte der Geschäftsführer, „München, Wien und Zürich könnten funktionieren.“ Bis es so weit sei, werde noch einige Zeit vergehen. „Wir setzen auch nicht mehr auf Ryanair“, versicherte der Manager. Der irische Billigflieger war eineinhalb Jahrzehnte der wichtigste Kunde in Blankensee. Man wolle keine Billig-Airlines mehr, deshalb habe man auch das Zelt abgebaut, sagte Friedel. Aber die Suche nach einer anderen Fluggesellschaft sei schwierig, räumte der Geschäftsführer ein: „Das ist ein dickes Brett, das wir bohren müssen.“

Weiter fortgeschritten seien Pläne, einen eigenen Jet zu kaufen, um Geschäftsflüge zu entwickeln. „Wir sind kurz davor, einen Jet zu kaufen, den wir Nutzern anbieten können“, berichtete der Manager.

Um Business-Jets unterzubringen, müssten neue Hangars gebaut werden. Das habe Vorrang vor einem neuen Terminal. Das beim 100-jährigen Geburtstag im September gezeigte Abfluggebäude mit Wellendach „sollte die Fantasie wecken“, sagte Friedel, „es gibt noch keinen Bauantrag.“ Ein Terminal werde es ohne einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss ohnehin nicht geben, machte der Geschäftsführer klar. Die Ausbaugenehmigung war 2009 vom Land ausgesprochen worden, liegt aber vor Gericht. Eine mündliche Verhandlung, die im Herbst geplant war, fand nicht statt. Friedel hofft jetzt auf das Frühjahr 2018. Und auf die neue Landesregierung, „die den Flughafen viel positiver sieht als die Vorgänger-Regierung.“

 Von Kai Dordowsky

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