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Lübeck Flughafen: Wie geht es weiter?
Lokales Lübeck Flughafen: Wie geht es weiter?
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19:35 03.01.2014
Weniger Linien, weniger Flüge, weniger Passagiere: Die neue Leitung des Fluhafens stellt sich auf ein Jahr ohne Wachstum ein. Quelle: Lutz Roeßler

Vor einem Jahr übernahm der Deutsch-Ägypter Prof. Mohamad Rady Amar mit seiner Yasmina Flughafenmanagement GmbH den Lübecker Flughafen. Amar versprach den Ausbau des Airports für 20 Millionen Euro, neue Flugverbindungen und die Ansiedlung einer Flugzeugproduktion. Davon ist nichts zu sehen. In den ersten Monaten unter dem neuen Eigentümer wurde eine halbe Million Euro investiert — in die Erneuerung des Fuhrparks, neue Farbe und ein neues Logo. Außerdem erhielten die 100 Mitarbeiter die versprochene Lohnerhöhung und eine Altersabsicherung. Amar wechselte Anfang Oktober überraschend den Geschäftsführer aus und verlängerte die Verträge mit den Billigfliegern Ryanair und Wizz Air.

Zu wenig, sagen Julie und Björn Birr von Bismarck, die 2012 mit um den Flughafen boten, aber nicht zum Zuge kamen. „Wir hätten vom ersten Tag an die Werbetrommel gerührt und Umsatz gemacht“, sagt das adelige Unternehmer-Ehepaar. „Wir hätten Privat- und Geschäftsflieger nach Lübeck geholt, weil die einfacher zu gewinnen sind als neuer Linienverkehr.“ Von Bismarcks beschreiben den aktuellen Zustand des Airports als trostlos. Die Gastronomie geschlossen, in den Hangars alte Litfasssäulen und Wasserfässer statt Flugzeuge. Julie und Björn Birr von Bismarck: „Es tut in der Seele weh, die leeren Flächen zu sehen. Mit uns wäre hier schon viel mehr los.“

Das Unternehmer-Ehepaar ist bereit, den Airport zu übernehmen, sollte der jetzige Investor Amar doch noch abspringen. Björn Birr von Bismarck: „Wir würden sofort und gerne zu den Bedingungen unseres damaligen Kaufangebotes einspringen.“ Das Unternehmer-Ehepaar will den Flughafen allerdings nicht ausbauen. Gespräche mit den Billigfliegern hätten ergeben, dass diese eine längere Start- und Landebahn in Blankensee gar nicht benötigten. Amar will ausbauen und wartet auf die endgültige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Schleswig. Solange die Richter kein Grünes Licht geben, hat der Investor ein Rücktrittsrecht vom Vertrag. Ein zweites Rücktrittsrecht in Zusammenhang mit den Beihilfe-Ermittlungen der Europäischen Union endete gerade erst. Eine Verlängerung habe Amar nicht gewünscht, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) auf Anfrage.

Die Führungscrew in Blankensee vermittelt trotz der jüngsten Hiobsbotschaft — Ryanair dünnt den Flugplan aus — nicht den Eindruck der Resignation. „Dass das Wachstum 2014 wahrscheinlich pausieren wird, ist sehr bedauerlich“, erklärt Siegmar Weegen, seit 1. Oktober Airport-Chef. „Aber wir planen langfristig, und da ist ein einzelnes Jahr mit negativem Wachstum zu verschmerzen.“ Für Januar seien Gespräche mit dem Billigflieger Wizz Air angesetzt, der wiederholt eine dritte Linie von Lübeck aus angedeutet hat. In diesem Jahr soll auch die Gastronomie wieder hochgefahren werden. „Die Eröffnung einer Espresso-Bar mit edlen Getränken und Snacks ist im Januar oder Februar geplant“, sagt der Airport-Chef. Der Flughafen verhandle zudem mit mehreren Restaurantbetreibern. „Wir gehen davon aus, dass das Restaurant mit neuem Konzept im April an den Start geht.“

Durststrecke statt Traumstart — das sehen Luftfahrtexperten gelassen. Cord Schellenberg vom Hamburger Luftfahrt-Presseclub: „Es ist ruhig am Flughafen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass Chancen ungenutzt bleiben.“ Winfried Stöcker, Chef von Euroimmun, der ebenfalls am Kauf des Airports interessiert war: „Der Flughafen ist von den Dilettanten weggekommen, das kann nur gut für ihn sein.“ So lange das Gerichtsverfahren laufe, werde der Investor nicht viel unternehmen, zeigt Stöcker Verständnis. Die Industrie- und Handelskammer (IHK), einer der stärksten Fürsprecher des Flughafens, sieht die Einrichtung in ruhigerem Fahrwasser. Hauptgeschäftsführer Lars Schöning: „Die geplanten Kürzungen im Flugplan von Ryanair nehmen wir zur Kenntnis, sehen sie aber nicht allein als entscheidend für die Perspektive des Standortes.“ Wichtig sei, dass die Stadt das Engagement des Investors positiv begleite und geplante Baumaßnahmen zügig genehmige.

Bürgermeister Saxe, der den Airport zusammen mit den Politikern an Amar veräußerte, hatte sich schnellere Fortschritte erhofft. Endlich eine rechtskräftige Ausbaugenehmigung, endlich ein Ende der EU-Ermittlungen wegen vermeintlicher illegaler Beihilfen — so lauten Saxes Wünsche: „Schließlich hätte ich mir gewünscht, dass die Akquisition neuer Fluggesellschaften und neuer Verbindungen schon erste Erfolge gezeigt hätte.“

Andere sind ganz froh mit der aktuellen Entwicklung in Blankensee. „Es wird wenig geflogen“, freut sich der neue Bürgermeister von Groß Grönau, Eckhard Graf. Momentan machen den Bewohnern die Trainingsflüge der Flugschulen mehr zu schaffen als der gesamte Linienverkehr.

Grüne wollen „reinen Wein“
Die Grünen haben einen offenen Brief an den Flughafen geschrieben. Sie möchten von der Geschäftsleitung wissen, wie die Zukunft des Flughafens aussieht, und fordern, den Lübeckern „reinen Wein“
einzuschenken. Zum einen setze Blankensee auf das defizitäre Geschäftsmodell der Vorgänger, zum anderen aber beklage eine Fluggesellschaft mit Interesse an Lübeck, dass sie nicht zum Zuge komme. „Wir finden dieses Verhalten widersprüchlich“, schreiben Thorsten Fürter und Karsten Boie.
Negativer Kaufpreis
5,5 Millionen Euro muss die Stadt an die Yasmina Flughafenmanagement zahlen, wenn die Gerichte Grünes Licht für den Ausbau geben. Das nennt sich negativer Kaufpreis und war Bestandteil aller Angebote. Das Geld fließt in den Airport-Ausbau und die Entwässerung, die erneuert werden muss. Nach Angaben von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) müssen die Investitionen erledigt und abgerechnet sein. Yasmina legt laut Vertrag die gleiche Summe drauf. Die Stadt gibt ihren Beitrag in drei Schritten — 500 000 Euro in diesem Jahr, zwei Millionen im Jahr 2015 und drei Millionen im Jahr 2016.

Kai Dordowsky

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