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Lübeck Frankreichs vergessene Jagdhunde
Lokales Lübeck Frankreichs vergessene Jagdhunde
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12:55 01.09.2016
Tierheim-Mitarbeiter Nikolaus Stoppel begrüßt die Neuankömmlinge, die sich schon unter ein Lübecker Rudel gemischt haben. Quelle: Fotos: Carolin Hlawatsch

Ein Transporter mit Jagdhunden aus den französischen Tierauffangstationen Mornac und Poitiers fährt beim Tierheim Lübeck vor. Erschöpft von 18 langen Stunden im Auto springen fünf große, gefleckte Hunde mit langen Schlappohren aus dem Wagen. Alle abgemagert, alle mit trauriger Vergangenheit, alle auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Tierheim Lübeck hilft beim Vermitteln der in Deutschland immer mehr gefragten Rassen.

„Die Meutehunde sind ein toller Ausgleich für unsere anderen Hunde.“ Nikolaus Stoppel, Tierheim Lübeck

Seit einem Jahr kooperiert der Tierschutz Lübeck und Umgebung mit der Hilfsorganisation Hunderettung Frankreich. 20 Jagd- und Meutehunde, die in Frankreich keine Vermittlungschancen hatten, wurden seitdem im Lübecker Tierheim aufgenommen und erfolgreich vermittelt. „Wir halten hier vorrangig Hunde mit sozialen Defiziten“, sagt Nikolaus Stoppel vom Tierheim in Kücknitz. Viele müssten einen Maulkorb tragen, könnten hier jedoch in Rudeln leben anstatt in Einzelboxen. „Die sozial veranlagten Meutehunde aus Frankreich sind ein toller Ausgleich für unsere anderen Hunde.“ Zudem würden die netten Franzosen mehr Interessenten ins Tierheim ziehen und somit die Vermittlungschancen für alle Hunde erhöhen.

Französische Jagdhundrassen wie Grand Anglo-Français, Gascon Saintongeoi oder Bruno de Jura sind hierzulande noch relativ unbekannt. Aufgrund ihres hübschen Aussehens, vor allem aber wegen ihrer hohen Sozialverträglichkeit, sind diese Hunde in Deutschland mehr und mehr als Begleit- und Familienhund gefragt.

„In Frankreich werden diese Hunde ausschließlich zu Jagdzwecken und draußen gehalten“, berichtet Beatrice Czornyj, Volontärin im mit Lübeck kooperierenden Tierheim Poitiers. „Die meisten Franzosen, die einen Hund als Haustier aufnehmen, möchten keine Jagdhunde.“ Sie wollten Labradore oder Möpse. So säßen in den Tierstationen zahlreiche Jagdhunde, die dort keiner wolle.

Die Wälder der westfranzösischen Region Touraine sind weitläufig. Die Jagd zu Pferd mit Hundemeuten hat dort Tradition. Früher zog es den Adel aus Paris in die Touraine, um dort zu jagen. Noch heute wird in den Wäldern rund um die Stadt Poitiers von September bis Februar mit teilweise über 100 Hunde fassenden Meuten Jagd auf Rehe, Hirsche und Wildschweine gemacht. „Bei den Jagden bleiben oft schwache oder verletzte Hunde im Wald zurück. Sie werden auch ausgesetzt, wenn sie keine Funktion mehr für ihre Besitzer haben“, weiß Emma Lee, Mitarbeiterin im Tierheim Mornac, das am Rand des Waldgebiets Forêt Barconne liegt. „Wir bekommen Hinweise von aufmerksamen Spaziergängern. Dann ziehen wir los und suchen die Hunde im Wald.“

Die Meutehunde seien sehr sensible Naturen, die durch schlechte Behandlung leicht gebrochen werden könnten. „Sie leben in der großen Hundegruppe draußen – und nicht direkt beim Besitzer im Haus.“ So seien sie engen Kontakt mit Menschen nicht gewohnt und nicht einfach anzulocken. „Die Findel-Hunde sind bis auf die Knochen abgemagert und hungrig, so dass wir sie vorsichtig mit Futter anziehen können“, sagt Emma Lee.

„Es gilt nicht für alle Halter von Meuten, doch für zu viele: Die Jäger haben keinen Überblick über ihre Gruppen. Es fällt ihnen nicht auf, wenn Hunde nach der Jagd fehlen“, erzählt Beatrice Czornyj. Meistens seien die gefundenen Hunde zu identifizieren. Doch die benachrichtigten Besitzer seien nicht bereit, die Hunde wieder zu sich zu nehmen. Sie wollten die dann rechtlich anstehende Gebühr von 65 Euro nicht bezahlen.

So arbeiten die französischen Tierstationen Poitiers und Mornac zusammen mit der Hunderettung Frankreich, in der Hoffnung, dass Hunde wie Grand-Anglo-Mix Julius, Griffon-Mix Flick oder die Gascon Saintongeais Junior und Jupiter in Lübeck neue, liebevolle Besitzer finden.

Das Tierheim

1300 Tiere nimmt das Tierheim nach eigenen Angaben alljährlich auf. Für den Unterhalt werden pro Jahr rund 700000 Euro benötigt. Das Geld kommt vor allem durch Spenden, Mitgliedbeiträge und Erbschaften zusammen. Der Tierschutzverein Lübeck und Umgebung betreibt das Haus im Resebergweg in Kücknitz. Zurzeit ist ein neues Katzendorf für rund 350000 Euro geplant.

• Weitere Informationen gibt es unter www.tierschutz-luebeck.de.

 Carolin Hlawatsch

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