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Lübeck Frauenpower bei der Vorwerker Diakonie
Lokales Lübeck Frauenpower bei der Vorwerker Diakonie
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15:01 14.03.2018

Am 1. April wechselt die 50-jährige Pastorin in die Chefetage des großen Sozialunternehmens. Zusammen mit Kirsten Balzer und Fred Mente lenkt sie dann den Arbeitgeber von 2300 Beschäftigten, die einstige „Idiotenanstalt“, die heute Dienstleistungen in zahlreichen sozialen Feldern anbietet. Zwei von drei Geschäftsführern sind weiblich – das gab es in der 112-jährigen Geschichte der Vorwerker Diakonie noch nicht. Die verheiratete Theologin, Mutter von zwei Söhnen, hat am 1. Januar angefangen, wird derzeit noch eingearbeitet und setzte sich gegen neun andere Bewerber durch. „Das Unternehmen ist gut aufgestellt, ich knüpfe an eine gute Vorarbeit an“, sagt Hannemann.

Hans-Uwe Rehse (65) leitete 18 Jahre lang die Vorwerker Diakonie – nicht allein, sondern im Team. Am 20. März hört er auf. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
Johanne Hannemann (50) ist Rehses Nachfolgerin, war zwölf Jahre Pastorin auf Marli und arbeitete zuletzt im Landeskirchenamt in Kiel.

Dafür zeichnet Rehse mit verantwortlich. Der Theologe ist seit 1997 bei der Vorwerker Diakonie (www.vorwerker-diakonie.de) und seit 2000 in der Geschäftsführung. In seiner Amtszeit expandierte die Vorwerker Diakonie kräftig – von 1500 Mitarbeitern, als Rehse kam, auf 2300 Beschäftigte zu seinem Abschied. „Wir haben die Vorwerker Diakonie kontinuierlich weiterentwickelt“, bilanziert der gebürtige Hamburger, dessen Eltern als Krankenpfleger und Hauswirtschafterin in den Alsterdorfer Anstalten tätig waren. „Ich hatte schon als Kind eine Bindung zur Behindertenhilfe“, sagt Rehse, der Theologie studierte, in Hamburg sein Vikariat absolvierte, in Plön als Pastor arbeitete, verheiratet und Vater von drei Kindern ist.

Als Rehse in die Geschäftsführung einstieg, war Diakoniepastor Karl Otto Paulsen noch da, der die Geschicke des Unternehmens 21 Jahre lang leitete und die erste große Expansion der Vorwerker Diakonie gestaltete. Noch länger stand Paul Burwick an der Spitze – 38 Jahre. Burwick musste das Unternehmen durch die Nazizeit steuern.

Rehse hatte es in seinen 18 Jahren an der Spitze auch nicht immer leicht. Zu seinen schlimmsten Erinnerungen gehört der Juni 2002, als über das Altenhilfezentrum Travetal bundesweit in den Medien wegen der Fixierung einer Bewohnerin berichtet wurde. Rehse empfindet das bis heute als „Skandalisierung durch die Medien“. Das Unternehmen habe daraus gelernt, dass es seine Kommunikation ändern müsse. Der Diakoniepastor ist für Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und Personalentwicklung zuständig, außerdem für die Kinder- und Jugendhilfe, die sozialen Hilfen sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Theologe hat seine Hauptaufgabe darin gesehen, die Unternehmenskultur zu prägen. Dazu zählen Geselligkeit, gemeinsame Rituale, Gottesdienste und Beratungsgespräche. Rehse:

„Dazu gehört auch, dass sich die Menschen grüßen.“

Zu den Veränderungen des Unternehmens in Rehses Zeit zählen die Verbesserung der Wohnsituation in den Einrichtungen (Einzel- statt Mehrbettzimmer), die Übernahme der ambulanten Pflege von der Gemeindediakonie, die Einrichtung von Tageskliniken in Büchen und Eutin, die Ausweitung der Jugendhilfe, das Engagement in der Kindertagespflege, die Willkommensbesuche für Neugeborene und die Schulbegleitung. Rehse musste auch die Suchtberatung und die Wohnungslosen-Stelle durch die Zeiten bringen, als die Hansestadt die soziale Förderung massiv zusammenstrich. „Es gab in Lübeck bei den Verantwortlichen aber immer ein besonderes Verständnis für die Menschen mit Beeinträchtigungen“, lobt Rehse Verwaltung und Politiker. Härter geht er mit den Bundespolitikern ins Gericht. „Es ärgert mich total, dass bei Menschen die Sozialleistungen des Bundes gar nicht ankommen“, kritisiert der 65-Jährige, „dass das Kindergeld mit Hartz IV verrechnet wird, finde ich furchtbar.“

Seine Nachfolgerin will erst einmal da weitermachen, wo Rehse aufhört. Erster großer Brocken ist der Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für die Mischung aus Management und Seelsorge ist Johanne Hannemann gut vorbereitet: Bevor sie in Kiel Theologie studierte, absolvierte sie eine Banklehre bei einer Kreissparkasse.

Die feierliche Staffelübergabe erfolgt am 20. März bei einem öffentlichen Gottesdienst mit Bischöfin Kerstin Fehrs (15 Uhr).

Von Kai Dordowsky

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