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Lübeck Freiheitsstrafen im Raubprozess – Tumulte im Gerichtssaal
Lokales Lübeck Freiheitsstrafen im Raubprozess – Tumulte im Gerichtssaal
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21:15 26.07.2018
Im Raubprozess am Landgericht Lübeck ist das Urteil verkündet. Quelle: dpa
Lübeck

Das Urteil ist gesprochen. Die Angeklagten sind schuldig. Die anwesenden Angehörigen waren bei der Verkündung fassungslos. Ungläubig schauten auch die Angeklagten Hamil K., Yasin K. (beide 24) und Nael B.(20, alle Namen geändert) während der Urteilsverkündung zu Boden. Alle drei Männer müssen für ihre Taten ins Gefängnis.

Der Richterspruch sorgte für Unruhe. Ein Mann aus dem Besucheraum rief: „Das ist doch unglaublich.“ Das sei kein fairer Prozess, sagte er, bevor er von der Vorsitzenden Richterin, Helga von Lukowicz, des Raumes verwiesen wurde. Acht Jahre und sechs Monate Haft forderte die Staatsanwaltschaft für den Haupttäter Hamil K., das Gericht folgte dieser Forderung. „Wir haben im Laufe des Prozesses einen Sachverhalt festgestellt, wie ihn die Staatsanwaltschaft zu Anfang vorgestellt hat“, sagte von Lukowicz.

Opfer wurde mit vermeintlicher Heroinspritze bedroht

In Kürze

Die vier Angeklagte im Alter von 19 bis 24 Jahren wurden beschuldigt, einen 33-jährigen Hamburger nach Lübeck gelockt, erpresst und ihn ausgeraubt zu haben. Drei von ihnen wurden nun zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Den vier Angeklagten wurde vorgeworfen, im Oktober 2017 einen 33-jährigen Hamburger in der Clemensstraße verletzt und erpresst zu haben. Sie hätten das Opfer in eine Wohnung in der Clemensstraße gelockt und ihn dort mit Kopfnüssen verletzt (die LN berichteten). Später wurde der Geschädigte mit einem Messer und einer vermeintlichen Heroinspritze bedroht. Anschließend hätten die Angeklagten versucht, Geld vom Konto des Hamburgers abzuheben.

Während der Haftstrafe werde der 24-Jährige Hamil K. für zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt untergebracht. In der mutmaßlichen Heroinspritze, mit der er den Hamburger bedrohte, war nach Aussage der Vorsitzenden Richterin Testosteron enthalten. „Die Angeklagten nutzten die Spritze als Mittel, um den Widerstand des Geschädigten zu verhindern“, sagte von Lukowicz. „Auch Yasin K. und Nael B. haben sich des schweren Raubs und der versuchten schweren Erpressung schuldig gemacht“, so die Richterin. Die Schwere der Tat sei ihnen bewusst gewesen – und sie seien zudem am Raub der Wertgegenstände beteiligt gewesen.

Angeklagte leistete Beihilfe zur Tat

Yasin K. erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten, der Angeklagte Nael B. wurde zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Bei ihm sei die Entscheidung unter Einbeziehung des Jugendstrafrechts getroffen worden. „Die Aufklärungshilfe und das Geständnis wurden in das Urteil eingebunden“, sagte die Richterin.

Die Angeklagte Aleyna F. habe Beihilfe zur Tat geleistet, indem sie den 33-jährigen Hamburger anrief und ihn in die Wohnung lockte. Bei ihrer Beteiligung handele es sich nicht um eine versuchte Erpressung. Ihre Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss sie 1000 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zahlen. Nachdem die Sitzung beendet war, eilte die im Publikum anwesende Familie zu den Angeklagten. Einige andere Besucher verließen derweil den Raum. Plötzlich brach ein Tumult im Gerichtssaal aus. Ein Mann rief: „Acht Jahre und sechs Monate für zwei Kopfnüsse. Das ist unverständlich.“

Justizbeamte stürmten in den Raum. Vermutlich sei die Mutter der angeklagten Brüder zusammengebrochen, hieß es von Augenzeugen. Familienangehörige weinten. Kurze Zeit später beruhigte sich die Situation wieder.

Verteidigerin:  „Das Urteil ist falsch und absolut zu hoch“

Die Verteidigerin von Nael B., Rechtsanwältin Lena Alpay-Esch, kann das Urteil nicht nachzuvollziehen: „Das Urteil ist falsch und absolut zu hoch“, sagte sie. Ihr Mandant habe während des Prozesses wesentliche Aufklärungsarbeit geleistet und sei als Jugendlicher zu hart bestraft worden. „Die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe ist erzieherisch nicht notwendig.“

Zudem sei die Schmerzensgeldzahlung sowie die verlesene Entschuldigung, nicht ausreichend berücksichtigt worden, ergänzt der Verteidiger von Aleyna F., Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand. Die Vorsitzende Richterin argumentierte in der Urteilsverkündung, dass eine vorgetragene Entschuldigung die Übernahme von Verantwortung verdeutlichen müsse. Das sei in diesem Fall nicht geschehen. Die Verteidiger kündigten an, Revision einzulegen. Eine Woche haben sie dafür Zeit.

Von Fabian Boerger

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