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Lübeck Freilaufender Hund hetzt Heidschnucken zu Tode
Lokales Lübeck Freilaufender Hund hetzt Heidschnucken zu Tode
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23:46 10.01.2017
Die Polizei weist darauf hin, dass Hunde in Naturschutzgebieten nicht frei laufen dürfen. Quelle: LN-Archiv
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Kücknitz

Völlig erschöpft liegen die fünf kleinen, braunen Heidschnucken auf dem Stroh im Stall. Sie können sich nicht mehr auf den Beinen halten und schauen nur noch müde mit ihren dunklen Augen umher. „Wahrscheinlich werden sie es nicht schaffen, und wir müssen sie erlösen“, sagt Katrin Lünstroth (20), die gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer macht. Am Wochenende hat ein freilaufender Hund mehrere Heidschnucken zu Tode gehetzt. Vier Mutterschafe lagen tot auf der Wiese, die fünf Jungtiere, die erst im Juli geboren wurden, waren noch am Leben.

Mindestens vier Heidschnucken am Dummersdorfer Ufer verendet. Verein fordert intensive Überprüfung der Leinenpflicht.

Gefährliche Hatz

In Panik laufen Fluchttiere oft so lange, bis sie tot zusammenbrechen. Ihr Herz hört einfach auf zu schlagen. Beim Kampf um Leben und Tod verbrennen sie sämtliche Energie- und Fettreserven und erholen sich davon meist nie wieder.

„Eine Spaziergängerin meldete vier tote Heidschnucken in einem Gehege im Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer“, erklärt Christoph Gahrmann von der Polizeidirektion Lübeck. Es sei davon auszugehen, dass ein freilaufender Hund in das gesicherte Gehege gelangte und „dort einige der knapp 650 Tiere so lange hetzte, bis vier davon vor Erschöpfung verendeten“. Weil nur eines der toten Schafe äußere Verletzungen aufweise, gehe die Polizei derzeit von nur einem freilaufenden Hund aus. Die Polizei ermittelt. Von Hund und Herrchen fehlt jede Spur.

„Ich bin einfach empört“, sagt Matthias Braun, Vorsitzender des Landschaftspflegevereins, wütend. Einige Hundehalter seien einfach ignorant. „Im Naturschutzgebiet gilt Leinenzwang – jetzt mussten wieder die Schafe darunter leiden.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Tiere aus der Herde von Hunden gejagt oder gebissen werden. Besonders tragisch: Die graue Herde besteht aus trächtigen Tieren und Mutterschafen. „Wir wissen noch nicht, wie viele von ihnen wegen des Stress eine Fehlgeburt erleiden werden“, sagt Braun erbost. Nicht nur, dass die unschuldigen Tiere leiden mussten, es gebe auch einen Sachschaden von über 1000 Euro. „Wir fordern von der Stadt Lübeck, dass man reagiert.“ Mitarbeiter der Stadt müssten die Verordnungen im Landschaftsschutzgebiet überprüfen und Besitzer von nicht angeleinten Hunden anzeigen. „Wir weisen so oft die Hundebesitzer darauf hin, dass hier Leinenzwang herrscht; irgendwann reicht es“, sagt Braun.

„Die Herde bildet eine Traube, und die einzelnen Tiere rennen um ihr Leben“, sagt Thomas Prass vom Landschaftspflegeverein. Die gehetzten Heidschnucken würden so lange laufen, bis sie tot zusammenbrechen würden. „Irgendwann bleibt ihr Herz stehen“, fügt Katrin Lünstroth hinzu. Weil die Weide mit einem Elektrozaun eingefasst ist, hätten die panischen Tiere keinen Ausweg gehabt. Traurig ist man vor allem, weil sich der Besitzer des Hundes nicht meldete. „Wir hätten die Heidschnucken früher finden können“, sagt Lünstroth.

„Es ist bitter, wildernde Hunde sind ein großes Problem. Und die Tiere können nichts dafür, es sind die uneinsichtigen Halter“, sagt Christoph Benett, Sprecher der Kreisjägerschaft Lübeck. „Niemand kann für sein Tier die Hand ins Feuer legen“, so Benett. Die Kreisjägerschaft habe Kontakt mit dem Ordnungsamt aufgenommen. „Uns wurde sehr klar mitgeteilt, dass für eine regelmäßige Kontrolle die Mittel fehlen würden“, berichtet Benett. Deswegen würden die Jäger allerdings nicht anfangen, wildernde Hunde zu erschießen. Im Fall der totgejagten Heidschnucken ermittelt die Polizei wegen eines Verstoßes nach dem Tierschutzgesetz. Zeugen können sich unter Telefon 04 51/13 10 melden.

KOMMENTAR

Ignorantes Benehmen

Die Arroganz mancher Hundebesitzer nervt nur noch. Ich selber gehe regelmäßig im Naturschutzgebiet am Dummersdorfer Ufer joggen und weiß: die Hälfte der Hundebesitzer leint ihren Vierbeiner nicht an.

Und dann dieses elende ,Der tut nichts!’ oder ,Der will doch nur spielen!’.

Liebe Nichtanleiner-Hundebesitzer, ich kann es nicht mehr hören. Erstens: Weder die Schafe noch der Mensch, der vielleicht Angst vor Hunden hat, kennt Ihren Hund und weiß daher auch nicht, wie friedfertig „Fiffi“ wirklich ist. Zweitens: Auch wenn Sie Ihren Hund gut kennen, bleibt er ein Tier – und daher können Sie niemals mit Sicherheit sagen, was er tun wird.

Es wird höchste Zeit, dass die Anleinpflicht in den Naturschutzgebieten endlich konsequent kontrolliert und Verstöße bestraft werden. Das geschieht nämlich noch viel zu wenig.

P.S.: Dieser Kommentar stammt von einem Hundefreund, der selbst mit Hunden aufgewachsen ist.

 Tomma Petersen

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