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Lübeck Fremdenfeindliche Aufkleber an Bushaltestellen rund um den Volksfestplatz
Lokales Lübeck Fremdenfeindliche Aufkleber an Bushaltestellen rund um den Volksfestplatz
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14:00 29.03.2016
Aufmerksame Anwohner griffen zur Selbsthilfe - und enfernten die fremdenfeindlichen Aufkleber in Eigenregie. Quelle: Tomma Petersen
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Lübeck

 Wie beim Original laufen auch hier zwei skizzierte Erwachsene davon - die Frau zieht ein Kind hinter sich her. Was normalerweise das Sinnbild von Flucht, Vertreibung und Todesangst darstellt, ist auf dem rassistischen Aufkleber schrecklich abgeändert: Hinter der flüchtenden Familie jagen zwei bewaffnete Personen her. Darunter ein kleinerer Schriftzug und der Satz: "Go back home to your family" - geht zurück zu eurer Familie.

Genau diese Aufkleber haben Unbekannte nun an die Fahrpläne von mindesten sechs Bushaltestellen und Stromkästen Lübecks geklebt. Besonders furchtbar: Es sind die Bushaltestellen rund um den Volksfestplatz. "Die Aufkleber sind menschenverachtend und symbolisieren ein hohes Maß an Gewaltbereitschaft ", findet eine verärgerte Anwohnerin der Travemünder Allee. Die aufmerksame Frau hatte die Aufkleber an den Bushaltestellen Adolfstraße und Burgtorfriedhof auf ihrem Weg zur Arbeit entdeckt. Gestern Morgen um 5.30 Uhr klebten die Sticker bereits dort. "Ich habe dann sofort die Polizei alarmiert", erklärt die Frau. Wie viele Menschen in Lübeck habe auch sie Geflüchtete in der ihrer Familie. "Und so etwas kann ich nicht dulden", erklärt sie.

Als die Aufkleber am Abend noch immer nicht verschwunden sind, macht sie sich mit Etikettenlöser auf den Weg. Einige der Aufkleber haben nicht lange überlebt. Teilweise hat man versucht den Sticker völlig zu entfernen, oder das "not" weggekratzt. "Ich habe eben schon versucht, den Aufkleber abzupulen", erklärt eine junge Frau, die an der Haltestelle Hanse Residenz steht und auf den Bus wartet. Das schlimme Motiv ist auch ihr aufgefallen. "Es ist einfach unglaublich, wie dumm manche Menschen sind", findet sie. Nicht nur, dass die Sticker widerwärtig seien, "so etwas ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Heimatvertriebenen und Flüchtling, der in Lübeck lebt."

Stück für Stück weichen schließlich die diskriminierenden Aufkleber und lassen sich dank Etikettenlöser leicht abziehen. "Leider kommt es immer wieder zu solchen Schmierereien", heißt es von Seiten der Polizei. Übrig bliebe nur das Entfernen der Aufkleber. Weiter verfolgt wird die Klebe-Aktion wohl nicht.

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