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Lübeck Freundliches Entern: Wenn der Lotse das Ruder übernimmt
Lokales Lübeck Freundliches Entern: Wenn der Lotse das Ruder übernimmt
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20:25 05.04.2014
Uwe Jepsen (l.) ist an Bord der finnischen Fähre gekommen und hat das Kommando von Kapitän Jan Jönson übernommen. Der erfahrene Lotse wird das 183 Meter lange Schiff jetzt sicher zum Skandinavienkai steuern. Quelle: Fotos: Heiko Pump
Travemünde

18.00 Uhr: In der Lotsenstation Travemünde gibt Wachleiterin Olivia Gerke-Voigt das Kommando zum Aufbruch. Wie geplant hat sich die finnische Fähre „Finntrader“ aus Malmö kommend angemeldet, um am Skandinavienkai anzulegen. Für das Lotsenteam heißt es jetzt „Leinen los“. Lotse Uwe Jepsen geht an Bord der orangefarbenen „Stein“, einem von zwei hochmodernen Lotsenschiffen, die in Travemünde stationiert sind. Schiffsführer Christian Sehmel hat bereits die beiden Volvo-Motoren gestartet, die jeweils 367 Kilowatt Leistung bringen. Schiffsmechaniker Roland Japs löst die „Stein“ von ihren Leinen und vorbei am grün-weißen Leuchtturm geht es zunächst langsam hinaus in die Lübecker Bucht.

18.09 Uhr: Die „Stein“ hat Fahrt aufgenommen, pflügt mit 17 Knoten durch die Wellen der Ostsee. Christian Sehmel, von allen nur „Brösel“ genannt, markiert die „Finntrader“ auf dem Radarschirm. „So kann sie uns in dem Getümmel nicht verlorengehen“, scherzt er. Überhaupt ist die Stimmung im Team trotz des regnerischen Wetters bestens. „Wir kennen uns schon viele Jahre und sind ein eingespieltes Team“, sagt Uwe Jepsen, der Chef der Lotsenstation Travemünde. Er kann sich noch einige Minuten entspannt zurücklehnen, sein Job kommt noch. Voraus taucht das finnische Fährschiff auf und wird schnell größer.

18.20 Uhr: Das Lotsenboot hat die 183 Meter lange Fähre erreicht. Brösel umkurvt das Schiff und dreht auf der windgeschützten Lee-Seite an Steuerbord bei. In dem gewaltigen Schiffsrumpf öffnet sich eine Stahltür. Lotse Uwe Jepsen gelangt bequem an Bord des Finnen. „Die Zeiten, in denen man noch eine Leiter an der Bordwand hochklettern musste, sind längst vorbei“, sagt er. Über einen Fahrstuhl gelangt Jepsen begleitet vom Schiffsoffizier auf die Brücke der „Finntrader“. Dort wartet bereits Kapitän Jan Jönson. Eine kurze Begrüßung und Jepsen übernimmt das Kommando. Beide Seefahrer kennen sich, denn die „Finntrader“ verkehrt regelmäßig zwischen Malmö und Travemünde. Der erfahrene Lotse gibt die Kommandos über Geschwindigkeit und Kurs des Schiffes. Hinter ihm setzt Steuermann Markus Westenheim die Anweisungen um. Mit 6,5 Knoten, der erlaubten Höchstgeschwindigkeit für die Einfahrt in die Trave, hält die Fähre auf Travemünde zu. Alles wirkt routiniert. Trotzdem herrscht auf der Brücke höchste Konzentration. „Ein kleiner Fehler wird hier schnell bestraft“, sagt Uwe Jepsen. „Die Einfahrt ist sehr eng und auch andere Schiffe müssen im Auge behalten werden, obwohl die Berufsschifffahrt Vorfahrt hat. Im Sommer sind hier zudem viele Segler unterwegs. Bremsen wie beim Auto funktioniert bei Schiffen nicht.“

18.30 Uhr: Auf der Steuerbordseite ist das Maritim zum Greifen nah. Problemlos gleitet die Fähre in die Trave, vorbei am grün-weißen Leuchtfeuer und der Lotsenstation. Längst hat dort die „Stein“ wieder neben ihrem Schwesterschiff „Travemünde“ festgemacht. „Two, two, two“, Lotse Jepsen korrigiert den Kurs ein wenig.

„Wir überqueren jetzt den Düker, eine Versorgungsleitung zwischen Travemünde und dem Priwall“, erklärt Jepsen ohne dabei den Blick von der großen Panoramascheibe und den vor ihm leuchtenden Instrumenten abzuwenden.

18.39 Uhr: Das Drehmanöver beginnt. Um an ihrem Liegeplatz am Skandinavienkai zu gelangen, muss die „Finntrader“ um 180 Grad gedreht werden. Wie in Zeitlupe gleitet die Travemünder Silhouette dabei mit dem St.-Lorenz-Kirchturm vorbei.

18.51 Uhr: Der Lotse übergibt das Kommando wieder an Jan Jönson. „Das Anlegemanöver liegt in den Händen des Kapitäns“, sagt Jepsen.

Sein Job ist erledigt. Er hat das Schiff sicher in den Hafen geführt. Dann wird es doch noch etwas kniffelig. Rückwärts muss Jönson sein Schiff in eine enge „Parkbucht“ steuern. Das geschieht von einer kleinen Kommandozentrale aus, die etwas über die Backbordreling hinausragt und so eine optimale Sicht erlaubt. Von dort wird das Bugstrahlruder bedient, mit dessen Hilfe die Fähre anlegt.

19.00 Uhr: Die „Finntrader“ hat festgemacht. Jepsen lässt sich seine Arbeit quittieren. 350 Euro kostet der Lotsendienst für Schiffe dieser Größenordnung. Während er auf das Taxi wartet, das ihn zurück zur Station bringt, verlassen Passagiere und Ladung schon die Fähre.

Schiffslotsen

25 Lotsen sind in Travemünde stationiert. Der Schichtdienst läuft rund um die Uhr. Jeweils fünf haben Wachdienst und Bereitschaft. Sollte ein elftes Schiff einlaufen, muss die Freiwache ran. 1700 Dienststunden kommen so jährlich zusammen.
60 Meter Länge und zehn Meter Breite sind die Ausmaße, ab die ein Schiff von Lotsen besetzt werden muss. Gefahrguttransporter laufen nie ohne sie ein. Einige Fähren sind lotsenbefreit. Alle Schiffe bekommen von den Lotsen eine aktuelle LN-Ausgabe.

Heiko Pump

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