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Lübeck Friedhofsallee: Anwohner klagen über Raser und Verkehrslärm
Lokales Lübeck Friedhofsallee: Anwohner klagen über Raser und Verkehrslärm
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21:16 11.09.2013
Auf der Friedhofsallee herrscht reger Verkehr. Viele Lastwagen sind hier tagsüber und nachts unterwegs — oft zu schnell, kritisieren die Anwohner.
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St. Lorenz Nord

Ekkehard Danckwardt (74) kämpft seit 14 Jahren für eine Verkehrsberuhigung der Friedhofsallee im oberen, 1,3 Kilometer langen Bereich zwischen Krempelsdorfer Allee und Friedhof. „Hier müsste eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden, doch nichts geschieht“, klagt er. Die Anwohner Eberhard Doronkin (73) und Wolfgang Bremer (64) fordern einen Rückbau der breiten Allee und „stationäre Blitzer“.

Die Stadtverwaltung sieht für derartige Maßnahmen keine Veranlassung. „Eine Umgestaltung der Friedhofsallee steht derzeit nicht im Haushaltsplan beziehungsweise Investitionsprogramm und ist angesichts der derzeitigen Verkehrsbelastung auch eher nicht zu erwarten“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Bei einer aktuellen Verkehrszählung im August seien im Abschnitt zwischen Krempelsdorfer Allee und Bornhövedstraße 9400 Fahrzeuge in 24 Stunden festgestellt worden. Von einer sehr starken Verkehrsbelastung könne man deshalb nicht sprechen. Im Übrigen sei die Einrichtung einer Tempo-30-Zone nicht möglich, weil die Friedhofsallee keine reine Wohnstraße sei. „Tempo 30 kriegt man rein rechtlich nicht durch“, betont Langentepe. Ekkehard Danckwardt bestreitet die Richtigkeit der aktuellen Verkehrszählung. „Diese Zahlen können nicht stimmen“, kontert er. Bereits vor zehn Jahren seien bei einer Verkehrsüberwachung in 24 Stunden über 10 000 Fahrzeuge gezählt worden. Seither habe das Fahrzeugaufkommen deutlich zugenommen.

„Hier machen alle ihr Rennen, weil die breite Straße dazu verleitet“, kritisieren die drei Anwohner. Danckwardt: „In den vergangenen drei Jahren gab es drei tödliche Motorradunfälle.“ Die Lärmbelastung sei auch nachts unerträglich, erklärt Bremer, nicht zuletzt, weil Busse nachts zu ihrem Depot in der Friedhofsallee fahren würden. „Und wenn sie morgens um halb fünf wieder ausrücken, donnern sie hier durch“, betont Bremer. „Alle Anfragen, die ich seit 1999 an die Stadt gerichtet habe, sind erfolglos und verlaufen im Sande“, empört sich Danckwardt und deutet auf seinen dicken Aktenstapel. Die Verwaltung bestreite, dass es eine hohe Lärmbelastung gebe, betont der 74-Jährige. Das stehe im Widerspruch zu einer „schalltechnischen Untersuchung“ des Bundesumweltamtes aus dem Jahr 2000, die eine „hochgradige Überschreitung der Toleranzgrenzen“ ergeben hat. Tagsüber seien schon damals 66 Dezibel gemessen worden, zulässig seien aber nur bis zu 59 Dezibel. „In den Nachtstunden betrug der Straßenlärm 59 Dezibel, erlaubt sind nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz aber nur bis zu 49 Dezibel“, erklärt Danckwardt. Im Jahr 2001, zwei Jahre nach einer Unterschriftenaktion von Anwohnern, an der sich 204 Betroffene beteiligten, stellte das Umweltamt „gesundheitsgefährdenden Lärm“ fest. Aber nichts geschah.

Doch der Lärm ist nicht das einzige Ärgernis, das die Anwohner auf die Barrikaden bringt. Tagsüber hätten vor allem ältere Menschen wegen der Verkehrsdichte und der hohen Geschwindigkeit der Fahrzeuge Schwierigkeiten, die Friedhofsallee im Bereich der Bushaltestelle Bornhövedstraße zu überqueren. Dort gibt es weder einen Zebrastreifen noch eine Ampel.

Dass die Friedhofsallee so breit ausgebaut wurde und ein besonders tiefes Fundament erhielt, hat militärische Gründe. Dort, wo heute die städtischen Busse im Depot geparkt werden, befand sich früher ein Panzerregiment. Die Friedhofsallee war die Zufahrtsstraße für die Panzer. Ein Grund, keine Verkehrsberuhigung ins Auge zu fassen, ist für die Stadt nach den Worten von Marc Langentepe, dass die Friedhofsallee „relativ weit entfernt von den beidseitig entlang der Straße stehenden Häusern verläuft“.

2,5 Kilometer lange Allee
Die Friedhofsallee zwischen der Krempelsdorfer Allee und der Vorwerker Straße ist insgesamt 2,5 Kilometer lang. Erstmals erwähnt wurde die Allee im Jahre 1876. Die Straße führt zum Vorwerker Friedhof, mit einer Fläche von 21 Hektar der größte Friedhof Lübecks. Im oberen Bereich ist die Friedhofsallee auf einer Länge von etwa 1,3 Kilometern geprägt von Siedlungshäusern, von denen viele in den 1960er Jahren entstanden. Hier leben rund 400 Menschen.

Torsten Teichmann

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