Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Fünfeinhalb Jahre Haft gefordert
Lokales Lübeck Fünfeinhalb Jahre Haft gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:17 23.10.2017
Die Staatsanwaltschaft fordert 5 Jahre und sieben Monate für den Angeklagten. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Es ist das Ende einer langen, teils schwer zu ertragenden Beweisaufnahme: 16 Zeugen wurden vernommen, eine Gutachterin sagte aus. Am Ende geht es um das Strafmaß für fünf Taten des 42-Jährigen: den schweren sexuellen Missbrauch eines kleinen Mädchens aus dem Freundeskreis seiner Tochter in Tateinheit mit der Anfertigung eines Videos der Tat und den einfachen sexuellen Missbrauch eines anderen kleinen Mädchens. Hinzu kommen drei sexuelle Nötigungen an Jugendlichen oder jungen Frauen. Ursprünglich wurden Peter N. (Name von der Redaktion geändert) insgesamt acht Sexualstraftaten vorgeworfen, mangels Beweisen wurden die übrigen Verfahren jedoch eingestellt.

Staatsanwältin Uta Haage stellte in ihrem Plädoyer noch einmal den Zusammenhang zwischen N.s gescheiterter Ehe und der Zunahme der Straftaten her. Seit Mitte November 2016, zu Zeiten des bevorstehenden Umzugs mit seiner neuen Freundin und dem endgültigen, von ihm ungewollten Aus für seine Ehe, sei es Schlag auf Schlag gegangen – erst alle zwei Wochen, dann sogar in fast täglichem Rhythmus. „Es war eine verstärkte Art der Taten und eine gesteigerte Frequenz“, so Haage.

Allerdings habe der Angeklagte „kein vorrangig sexuelles Motiv“ gehabt, sei also kein Pädophiler. Vielmehr habe ihn die „Wut auf seine Mutter, seine Ehefrau und andere Frauen“ zu seinen Taten gebracht. Es sei darum gegangen, sich Macht zu verschaffen. Den kleinen Mädchen habe er vor allem Angst einjagen wollen. Seine merkwürdigen Spiele, die er mit den Kindern spielte, seien zudem ein Vertrauensmissbrauch an den Nachbarn und seiner eigenen Tochter gewesen.

Haage forderte drei Jahre Haft für den schweren sexuellen Missbrauch, ein Jahr und zwei Monate für den einfachen sexuellen Missbrauch, anderthalb Jahre für eine der drei sexuellen Nötigungen und 15 Monate für die anderen beiden Nötigungen. Strafmildernd machte sie geltend, dass der Angeklagte teilweise Geständnisse abgelegt habe. Zusammengefasst macht das für sie fünf Jahre und sieben Monate.

Nebenklage-Vertreterin Christine Habetha zeigte sich damit keineswegs einverstanden: „Ich teile die Auffassung nicht, dass das sexuelle Interesse des Angeklagten nebensächlich gewesen ist.“ Sie zeigte sich „beeindruckt von der geringen Eingangsstrafe“ von drei Jahren. Nebenklage-Vertreterin Annette Ott geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie fürchtet, „dass die hier verhandelten Taten nur die Spitze des Eisbergs sind“. Zudem habe der 42-Jährige „nur das zugegeben, was ohnehin klar auf der Hand lag“. Es mache sie „ein bisschen fassungslos, dass er keinerlei Empathie für die Kinder und deren Mütter gezeigt hat und dass ich keinen Versuch einer Entschuldigung gehört habe“.

Einlassungen, die Verteidiger Ralf Wassermeyer zu widerlegen suchte. Sein Mandant habe durchaus Geständnisse abgelegt, zudem sei ihm anzurechnen, dass er nicht vorbestraft sei und den betroffenen Mädchen eine Aussage im Gerichtssaal erspart habe. Und: Einerseits könne man es zwar als „besonders perfide Masche“ bezeichnen, dass N. den natürlichen Spieltrieb der Kinder ausgenutzt habe, aber zugleich habe er durch das „Spiel“ verhindert, dass die Mädchen Angst hätten haben müssen. Wassermeyer: „Und er wollte seine Opfer nie verletzen.“

Die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz erteilte dem Angeklagten das letzte Wort an diesem Verhandlungstag. Mit stockender Stimme entschuldigte er sich bei seinen Opfern und deren Angehörigen. „Ich verspreche, dass ich alles tun werde, um so etwas künftig zu verhindern. Es tut mir leid, zutiefst leid.“

Die Urteilsverkündung ist am Donnerstag, 26. Oktober, um 8.30 Uhr in Saal 326 des Landgerichts, Schwartauer Landstraße 9-11.

 Von Sabine Risch

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!