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Lübeck Für 20 Millionen: Gas-Tankstelle im Hafen
Lokales Lübeck Für 20 Millionen: Gas-Tankstelle im Hafen
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19:20 23.09.2013
Blick in die Zukunft: Am Skandinavienkai könnte ein LNG-Schiff anlegen und das Flüssiggas in die Tankstelle (weiß) pumpen. Grafik: Stadt HL
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Lübeck

Der Lübecker Hafen soll eine Gas- Tankstelle am Skandinavienkai bekommen, eine Flüssiggas-Tankstelle. Kosten bis 2031: knapp 20 Millionen Euro. Für die erste Ausbaustufe bis Ende 2016 müssen sechs bis 7,5 Millionen Euro hingelegt werden. Wer das Geld bezahlt, ist noch unklar. Aber die städtische Lübeck Port Authority (LPA) will jetzt loslegen und planen. Dann könnte 2015 eine Gas-Tankstelle gebaut und Ende 2016 eröffnet werden. Dazu benötigt die LPA aber 350 000 Euro. Bau- und Umweltausschuss haben bereits grünes Licht gegeben — mit den Stimmen von SPD und CDU. Am Donnerstag muss die Bürgerschaft das Vorhaben endgültig absegnen.

„Wir müssen mit der Zeit gehen“, wirbt LPA-Chef Hans-Wolfgang Wiese für das Projekt. Außerdem sei eine Gas-Tankstelle ein Standortvorteil für den Lübecker Hafen. Er gibt aber zu, dass unklar sei, wann das erste gasbetriebene Schiff an den lübschen Kaikanten anlegt. „Aber wenn es kommt, müssen wir die Versorgung mit Gas sicherstellen.“ Der Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), Heinrich Beckmann, stimmt zu: „LNG (Liquefied Natural Gas, Anm. d. Red.) ist eine ernstzunehmende Option für die Zukunft.“ Dierk Faust, Geschäftsführer der Reederei Lehmann: „Ich kann das nur begrüßen. Für Lübeck als Hafenstandort ist das ein Vorteil.“

Denn die Zeit der „Stinker“ auf der Ost- und Nordsee ist abgelaufen. Ab 2015 dürfen die Schiffe nur noch 0,1 Prozent Schwefel ausstoßen, hat die EU verordnet. Derzeit ist es ein Prozent. Und da bislang alle anderen Alternativen zu Schweröl zu teuer sind, setzt die Branche auf Gas. So wird jedenfalls gehofft. LNG ist minus 162 Grad kaltes Flüssigerdgas, das nicht unter Druck steht und nicht explodieren kann. Die LPA will den neuen Trend nicht verpassen, doch wer die neue Gas-Tankstelle bezahlt, muss erst noch geklärt werden. Entweder baut die Stadt selbst — und vermietet sie anschließend. Oder ein Betreiber errichtet sie. Das hängt davon ab, wer mehr Geld aus den Fördertöpfen erhält. Da das Thema recht jungfräulich ist, gibt es bislang keine genauen Richtlinien. Doch Wiese geht davon aus, dass es 50 bis 70 Prozent Förderung aus öffentlichen Töpfen für die Gas-Tankstelle geben wird.

Die Idee: Am Anleger des Skandinavienkais 8/8a soll eine Gas-Station aufgebaut werden. Im ersten Schritt geht es um eine Tankanlage, die 1000 Kubikmeter Gas fasst. Bis 2030 soll die Anlage nach und nach ausgebaut werden, so dass sie 6000 Kubikmeter bevorraten kann. Die Station soll in die Böschung hineingebaut werden. Wenn das Tankschiff mit dem Gas anlegt, pumpt es den Treibstoff über eine 600 Meter lange Leitung in die Gas-Station. Von dort wird das Gas dann auf die anlegenden Fähren gebracht. Entweder fährt ein Lastwagen oder eine Barke zum Schiff und betankt es. Oder das Gas wird in Container gefüllt, die auf das gasbetriebene Schiff kommen, dort angestöpselt werden und es mit Kraftstoff versorgen. Die leeren Container werden dann im nächsten Hafen gegen volle ausgetauscht.

Das Ganze ist abhängig davon, welche Schiffe die Reedereien bauen lassen. Derzeit fahren in der Ostsee auf der Strecke zwischen Stockholm (Schweden) und Turku (Finnland) gasbetriebene Schiffe der Viking-Lines. Auch Scandlines lässt derzeit zwei Fähren für die Strecke Rostock und Gedser (Schweden) bauen. Zwischen Dänemark und Finnland sind bereits Gas-Schiffe der Fjord Line im Einsatz.

Als Standort für die Gas-Tankstelle war auch der Lehmannkai III im Gespräch. Doch dort gibt es eine Hochspannungsleitung — und der Platz wird für den Hafenbetrieb gebraucht. Die Stadtwerke Lübeck sind ebenfalls an der Gas-Tankstelle interessiert. Sie könnten die Gas-Station für sich nutzen, um an besonders kalten Tagen die Spitzen ihrer Gaslieferungen an die Lübecker Haushalte abzudecken.

„Wir müssen mit der Zeit gehen. Eine Gas- Tankstelle ist ein Standortvorteil.“
Hans-Wolfgang Wiese

Josephine von Zastrow

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