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Lübeck Für 40 Millionen Euro entstehen zwei neue Seniorenheime
Lokales Lübeck Für 40 Millionen Euro entstehen zwei neue Seniorenheime
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11:38 03.04.2016
An der Fackenburger Allee hinter dem IHK-Gebäude wächst das neue Domicil-Seniorenheim mit 160 Plätzen, das im Oktober 2017 eröffnen soll. Bauherr und Eigentümer ist HBB aus Hamburg. Die Fläche an der früheren Werftstraße liegt seit 20 Jahren brach. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

 Oliver Radünz, gebürtiger Lübecker und HBB-Geschäftsführer: „Ein neues und modernes Haus kann im Wettbewerb bestehen.“ 19,5 Millionen Euro lässt sich die Vorwerker Diakonie den Neubau in der Fliederstraße kosten. 178 Plätze entstehen hier. Geschäftsführer Fred Mente: „Wir wollen uns für die Zukunft im Seniorenpflegebereich gut aufstellen.“

Neubauten eines Hamburger Investors und der Vorwerker Diakonie setzen städtische Einrichtungen weiter unter Druck — Derzeit gibt es nur wenige freie Plätze.

Die neuen Heime verstärken die Konkurrenz in einem „aggressiven Markt“, weiß Andreas Sankewitz (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. „In Lübeck wird nicht lange geguckt, sondern zügig gebaut.“

42 Senioreneinrichtungen mit rund 3500 Plätzen gibt es bereits. Die sind gut belegt. Der Pflegestützpunkt der Hansestadt fragt einmal in der Woche die Betreiber nach freien Plätzen. Uta Henke: „Es gibt nur wenige.“

Die beiden Investoren sind jedenfalls zuversichtlich, dass sie mit ihren neuen Heimen bestehen werden. „Wir merken deutlich, dass die Ansprüche der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen sich in den letzten Jahren verändert haben“, erklärt Fred Mente von der Vorwerker Diakonie. „Viele Senioren sind heute nicht mehr bereit, ihren letzten Lebensabschnitt mit wenig Privatsphäre und unbekannten Mitbewohnern in Mehrbettzimmern zu verbringen.“ Ältere Häuser mit vielen Doppelzimmern und gemeinschaftlichen Sanitärbereichen bekämen zunehmend Probleme, ihre Plätze zu belegen. HBB-Chef Radünz erwartet für das künftige Domicil-Heim an der Fackenburger Allee die gleiche, gute Auslastung wie im bereits bestehenden Haus auf Marli. Domicil lockt mit vielen Einzelzimmern, der Nähe zur Altstadt, hauseigener Küche und Wäscherei.

Sozialpolitiker Sankewitz wittert eine „Gefahr für die städtischen Seniorenheime in ihrem jetzigen Zustand“. Die von der Stadt geführten Häuser seien zwar derzeit gut belegt und könnten mit hoher Pflegequalität punkten, zugleich fahren sie über zwei Millionen Euro Defizit ein. „Gegen eine nagelneue Einrichtung können die Heime am Behnckenhof oder in der Schönböckener Straße nur schwer punkten“, erklärt der Ausschussvorsitzende. Sigrid Roggensack, Bereichsleiterin der städtischen Häuser, sieht das etwas gelassener: „Die Einrichtung der Vorwerker Diakonie ist für uns eine Konkurrenz, das Domicil-Haus nicht.“ Dessen Lage sei nicht so schön, und es herrsche dort eine „andere Pflege- Philosophie“. Aber auch Roggensack weiß, dass die Stadt etwas tun muss. Im Gespräch ist ein städtischer Neubau eines Altenheimes als Ersatz für die Einrichtungen Schönböckener Straße und Behnckenhof. SPD, Grüne und CDU begrüßen diese Überlegungen. Auch die Gewerkschaft Ver.di drängt seit Längerem auf Investitionen in die städtischen Gebäude. Der Seniorenbeirat sieht ebenfalls Handlungsbedarf. „Lübeck muss Geld in die städtischen Heime stecken“, sagt die Vorsitzende Karin Oswald.

Ganz anders die FDP: Wenn die Zahl der privaten Heimbetreiber wachse, „hat es noch weniger Sinn, dass die Hansestadt eigene Häuser vorhält“, erklärt Fraktionschef Thomas Rathcke.

Für Pflegekräfte hätten neue Häuser jedenfalls einen Vorteil, erklärt Gewerkschaftssekretärin Magda Tattermusch: „Die können sich aussuchen, wo sie arbeiten.“

Von Kai Dordowsky

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