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Lübeck Für Eltern wird der Gehweg zum Radweg
Lokales Lübeck Für Eltern wird der Gehweg zum Radweg
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11:47 18.02.2016
Kinder bis zu acht Jahren müssen auf dem Gehweg Radfahren. Jetzt dürfen sie von ihren Eltern begleitet werden. Quelle: Roessler

Kinder bis zu acht Jahren müssen auf dem Gehweg Radfahren. Das schreibt die Straßenverkehrsordnung vor. Begleitende Erwachsene müssen dagegen auf der Straße oder dem Radweg fahren. Das wird jetzt geändert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat eine Änderung angekündigt. Danach dürfen Aufsichtspersonen ab 16 Jahren ebenfalls auf dem Fußweg fahren, wenn sie ein Kind begleiten. In Lübeck erfährt Dobrindt viel Zustimmung, aber es gibt auch kritische Äußerungen.

„Die neue Regelung ist sinnvoll“, sagt der Fahrradbeauftragte Nils Weiland. Nicht selten würden zwischen Gehwegen und Fahrbahn parkende Autos stehen, so dass Eltern ihre kleinen Radler gar nicht immer im Blick haben können. Die Gefahr von rasenden Radlern auf Fußwegen sieht Weiland nicht. „Eltern fahren in der Regel langsam, wenn sie ihre Kinder auf dem Rad begleiten“, so der Fahrradbeauftragte. Rolf Hagen, Vorsitzender des Fahrradclubs ADFC,bezeichnet die derzeitige Regelung als unsinnig. „Es ist sinnvoll, dass die Erwachsenen ihre Kinder künftig auf dem Fußweg mit dem Rad begleiten können“, erklärt Hagen. Die Gefahr von Kollisionen mit Fußgängern sei gering. „Zum Schutz der Kinder ist das ein ganz positiver Vorstoß“, erklärt Antje Jansen (Linke). Gerade an Kreuzungen hätten Eltern ihre radelnden Kinder oft nicht im Blick und könnten bei Fahrfehlern nicht schnell genug eingreifen. Auch der CDU-Verkehrsexperte Dirk Freitag begrüßt Dobrindts Ankündigung.

An vielen Stellen in der Stadt seien Gehwege und Fahrbahn voneinander getrennt, sagt Freitag: „Ich halte die neue Regelung für richtig.“

Kritiker halten dagegen, dass viele der rund 800 Kilometer Fußwege in Lübeck viel zu schmal dafür seien. Schulrat Helge Daugs, der mit seinen sechs und acht Jahre alten Kindern unterwegs ist: „Ich werde weiterhin nebenher auf der Straße fahren.“ Katja Mentz, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen, radelt mit drei Kindern. „Die bisherige Regelung funktioniert, ich kann meinen Kindern immer Hinweise und Anordnungen geben, auch wenn ich nicht auf dem Fußweg fahre.“

Der Seniorenbeirat der Hansestadt hat starke Bedenken gegen mehr Radfahrer auf den Fußwegen. „Wir sind einhellig gegen diese neue Regelung“, erklärt die Vorsitzende Karin Oswald. Für die Fußgänger würde die Nutzung der Gehwege gefährlicher. Das gelte vor allem für Menschen, die auf Rollatoren angewiesen seien, oder Hörgeschädigte. Damit würde legitimiert, was sich bereits eingebürgert habe, beklagt die Vorsitzende des Seniorenbeirates: „Immer mehr Erwachsene fahren auf Gehwegen mit dem Rad.“

Falsche Anreize befürchtet der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell. „Der Opa schnappt sich dann seinen Enkel, damit er endlich auf dem Fußweg Radfahren darf“, scherzt Pluschkell. Die neue Regelung von Dobrindt überzeuge ihn nicht. Der SPD-Politiker: „Es gibt genug Verkehrsflächen, auf denen Eltern mit ihren Kindern den sicheren Umgang mit dem Rad üben können.“ Pluschkell hat auch nicht viel Vertrauen, dass radelnde Erwachsene und Fußgänger sich auf schmalen Gehwegen verständigen können. Das funktioniere schon bei der breiteren Travemünder Strandpromenade nicht.

Kai Dordowsky

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