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Lübeck Für Führungen, Kiosk und Kasse: St. Marien braucht Helfer
Lokales Lübeck Für Führungen, Kiosk und Kasse: St. Marien braucht Helfer
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08:48 19.08.2015
Marien-Pastor Robert Pfeifer (v. l.) sowie Marien-Pastorin Annegret Wegner-Braun sind mit Sisko Sinikka Struckmeyer, Manuela Petersen, Manfred Podzun sowie Ilse-Marie Spitzer zusammengekommen, um über den „Marien-Mitmach-Markt“ am 10. September zu reden. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
Innenstadt

Wenn Manfred Podzun etwas über „seine“ Kirche erzählt, gerät er immer wieder ins Schwärmen. Vor allem die Astronomische Uhr hat es ihm angetan. „Zum Figurenlauf erscheinen jeden Tag um 12 Uhr acht Figuren, die für die christlichen Völker stehen, und sie werden von Christus gesegnet“, erläutert er. Der 67-Jährige gehört seit fast fünf Jahren zum rund 100-köpfigen Ehrenamtler-Team von St. Marien. „Als gebürtiger Lübecker hatte ich immer eine Affinität zu den Altstadtkirchen, und nach der Lektüre eines LN-Artikels, der den Bedarf an Freiwilligen in Marien zum Thema hatte, bin ich mal hingegangen und habe mich dort vorgestellt“, erinnert sich der engagierte Pensionär.

Inzwischen ist er zu einem echten Kenner der Basilika geworden, so dass er sowohl für den Informationsdienst tätig ist und auch zu den 15 Kirchenführern gehört. „Die meisten Besucher sind erstmal von der Höhe des Mittelschiffs beeindruckt, wenn sie eintreten“, so seine Beobachtung. Und dann gebe es natürlich ganz verschiedene Interessenlagen mit den unterschiedlichsten Fragen — „wobei auch schon mal einige Kuriositäten formuliert werden. Dann wird zum Beispiel das Nagelkreuz von Coventry zu einem Nagelbrett, das Fakire mögen ...“, schmunzelt er. Im Gespräch stellt sich schnell heraus, dass dem Ruheständler sein Ehrenamt Spaß bereitet.

Dies bestätigt ebenfalls Sisko Sinikka Struckmeyer — obwohl ihre freiwillige Unterstützung der Gemeinde weit mehr Konfliktpotenzial birgt. Die 70-Jährige sitzt seit Mai immer sonntags nach dem Gottesdienst für knapp drei Stunden an der Kasse im Eingangsbereich, wo seit inzwischen über fünf Jahren von den Besuchern der sogenannte Marientaler, also zwei Euro, als Eintrittsgeld verlangt wird.

„Ich möchte damit einen kleinen Beitrag für den Erhalt dieser prächtigen Kirche leisten“, liefert sie den Grund für ihr Engagement. Allerdings sei sie immer noch ein wenig angespannt, wenn auf einmal nach dem Gottesdienst eine große Menschentraube vor ihr stehe, um bezahlen zu wollen. „Von Streitigkeiten um das Eintrittsgeld bin ich aber bis heute zum Glück verschont geblieben“, sagt sie erleichtert.

Dass eine so zahlenmäßig starke Schar an Helferinnen und Helfern auch organisiert werden muss, liegt auf der Hand. Dafür ist schon seit 2007 die hauptamtliche Mitarbeiterin Ilse-Marie Spitzer zuständig. Sie nennt sich offiziell Freiwilligen-Koordinatorin. „Ich suche, finde und wähle aus“, fasst sie zusammen. Neben den Teams für die Kirchenführung, den Besucherinformationsdienst sowie die Kasse gebe es noch die Turm- und Gewölbeführer sowie die Kiosk-Crew. „Und wir können in der Tat noch in allen Bereichen neue Ehrenamtler gebrauchen“, betont sie. Daher habe man einstimmig beschlossen, wieder mit einer großen Info-Aktion offensiv zu werben, so dass Interessenten am Donnerstag, 10. September, ab 18 Uhr in St. Marien umfangreich beraten werden.

„Unsere Jüngste im Freiwilligen-Team ist 33 Jahre alt, unsere Älteste über 90 Jahre alt“, erläutert Ilse-Marie Spitzer, „und wir lassen niemanden bei seinem Dienst allein. Jeder wird eingearbeitet und bekommt regelmäßige Fortbildungen. Und es gibt für beide Seiten eine Probezeit, bevor man sich bindet“, führt die 56-Jährige aus. Voraussetzung sei natürlich, dass man sich mit der Kirche identifizieren könne. Dies gilt für Manuela Petersen, die regelmäßig im Kiosk ihren Dienst versieht, in hohem Maße. „Wenn ich schon hier durch das große Portal hereinkomme, umfängt mich ein beispielloser Frieden. Der drückt sich nicht nur durch die Ruhe im Kirchenschiff aus, sondern auch dadurch, dass hier ganz viele Menschen unterschiedlichster Nationen harmonisch miteinander umgehen“, fasst sie zusammen.

Marien-Pastorin Annegret Wegner-Braun und Marien-Pastor Robert Pfeifer sind für den Einsatz der Freiwilligen jedenfalls sehr dankbar. „Das ist für uns ein großes Geschenk, und sie sind für uns Botschafter unserer christlichen Gastfreundschaft“, betonen sie einmütig.

370 Kirchenführungen

400 000 Besucher hat St. Marien pro Jahr. Es finden jährlich 370 Führungen durch die 15 Kirchenführer statt. Bei den Turm- und Gewölbebesichtigungen durch die acht Ehrenamtler in diesem Bereich kommen zirka 240 Touren im Jahr zusammen. Und ein Team aus 43 Andachtsrednern — sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich — bestreitet ungefähr 175 Andachten in zwölf Kalendermonaten.

Michael Hollinde

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