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Lübeck „Für die Sanierung der Türme brauchen wir die Hilfe der Stadt“
Lokales Lübeck „Für die Sanierung der Türme brauchen wir die Hilfe der Stadt“
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22:28 01.11.2013
Liane Kreuzer ist Bauchefin des Kirchenkreises. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübecker Nachrichten: Wie geht es Ihrem Patienten St. Petri?

Liane Kreuzer: Wir sind zurzeit noch in der Diagnose-Phase. Wir analysieren entsprechend weiterhin die Schäden — ob uns also sprichwörtlich noch etwas auf die Füße fallen könnte. Das scheint nach derzeitigem Kenntnisstand nicht so zu sein. Bald können wir diese Phase abschließen. Danach müssen wir uns den Winter über mit den Denkmalschützern abstimmen. Außerdem werden wir uns mit dem benötigten Baumaterial beschäftigen. Es soll sich schließlich ins Gesamterscheinungsbild einpassen.

LN: Und wann geht es dann richtig mit der Turmsanierung los?

Kreuzer: Im Frühsommer. Wenn die Fördermittel freigegeben sind.

LN: Ist es denn bei den veranschlagten 2,8 Millionen Euro für die Sanierung geblieben?

Kreuzer: Ja. Ausgenommen ist hier die Sanierung des Gewölbes im Westteil. Auf diese Schäden sind wir ja im Verlauf der Untersuchungen erst gestoßen. Diese Maßnahme müssen wir mit 150 000 Euro selbst finanzieren. Damit werden wir vor Weihnachten nicht mehr fertig, so dass das Baugerüst auch während des Kunsthandwerkermarktes stehenbleiben wird.

LN: Sind weitere Überraschungen gänzlich ausgeschlossen?

Kreuzer: Ganz ausschließen kann man es nicht. Zum Beispiel nehmen wir momentan ebenfalls den Turmhelm in Augenschein. Wir haben Betonproben gezogen und lassen sie gerade analysieren. Noch sieht alles unauffällig aus.

LN: Sie sprachen von Fördermitteln, die zusätzlich zu den Spenden eingeworben werden sollen. Was ist das für Geld?

Kreuzer: Wir haben Anträge bei der Stiftung Deutscher Denkmalschutz gestellt. Außerdem bewerben wir uns noch um Bundesmittel, die für die Erhaltung nationaler Denkmale vorgehalten werden.

Hier würde der Förderbescheid im Frühsommer kommen. Deshalb können wir mit der Turmsanierung wohl auch erst Anfang Juni beginnen. Wir sind aber schon sehr glücklich über den Erfolg unserer „Sieben Türme“-Aktion; alles in allem haben wir schon 995 969,47 Euro Spenden und Fördermittel zusammen.

LN: Wie lange wird die Petri-Sanierung dauern?

Kreuzer: Drei Jahre sind dafür vorgesehen.

LN: Und nach Petri ist dann wieder die Marienkirche an der Reihe. Dort steht ja bereits seit fast einem Jahr ein Beobachtungsgerüst am Norderturm . . .

Kreuzer: Das kann ich noch nicht sagen. Wir sind hier in der Beobachtungsphase. Dafür werden wir wohl weitere zwei Jahre brauchen, bevor wir ein konkretes Sanierungskonzept entwickeln können.

LN: Was konnten Sie bisher am Norderturm feststellen?

Kreuzer: Wir treffen hier auf Sanierungsschäden, die althergebracht sind, also aus den letzten 100 Jahren stammen. Schon im 19. Jahrhundert gab es eine große Baumaßnahme an den Türmen, und damals wurde die Basis gelegt für die Schäden, mit denen wir es jetzt zu tun haben. Es bilden sich immer wieder Treibminerale, die im Innern des Mauerwerkes wie ein Hefeteig reagieren. Das Volumen des Mörtels nimmt also weiter zu — ohne dass wir bisher wissen, wann dieser Prozess aufhört —, so dass es folglich zu Absprengungen und Rissen im Mauerwerk kommt.

LN: Am Dom wurden auch Risse festgestellt. Haben Sie überhaupt noch Ressourcen für Ihre Gemeinden außerhalb der Altstadtinsel?

Kreuzer: Meine Hoffnung ist, dass wir eine Kooperation mit der Stadt hinbekommen, um auch für unsere Altstadtkirchen Mittel aus dem Weltkulturerbe-Fonds gewinnen zu können. Schließlich prägen die sieben Türme unsere Stadtsilhouette. Und im Kirchenkreis haben wir 500 Gebäude in 56 Kirchengemeinden, darunter neben den fünf Innenstadtkirchen weitere 83 Kirchen, um die wir uns kümmern müssen.

Dieser Spagat ist in der Tat nicht immer einfach.

Interview: Michael Hollinde

In Lübeck seit 2010
Liane Kreuzer ist Leiterin der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, die sich 2009 aus dem ehemaligen Kirchenbauamt Lübeck gebildet hat. Vor dem Studium der Architektur in Wismar schloss sie eine Maurerlehre ab. Mit dem Diplom in der Tasche arbeitete sie mehrere Jahre lang in verschiedenen Architekturbüros. 2006 wurde sie schließlich Mitarbeiterin in der Bauabteilung des Kirchenkreises Wismar der ehemaligen Mecklenburgischen Landeskirche, bevor sie dann im Jahr 2010 nach Lübeck ging.

LN

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