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Lübeck Für ein paar Thaler bis zur Donnerschleuse
Lokales Lübeck Für ein paar Thaler bis zur Donnerschleuse
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20:30 07.10.2016
Dieter Hemann (v. l.), Günter Schewe, Michael Grönheim, Hartmut Haase und Heino Fehling sichten die Dokumente. Quelle: Jacob

Jetzt wissen die Mitglieder der Berkenthiner Prahm-Kameradschaft endlich, was ihre einstigen Vorfahren in ihren Lohntüten und in ihren Trinkgläsern hatten: Im März 1864 schließen der Lübecker Stecknitzfahrer, Schiffer Bernhard Adolf Fehling, die Linienzieher (zogen einst die Salztransportkähne) Johann Benthien und Hans Hinrich Jürgen Storm aus Rondeshagen und Asmus Wulff aus Klein Berkenthin vor dem Amt Ratzeburg einen Vertrag. Es geht um Lohnerhöhungen der Stecknitzfahrer und Linienzieher, auch Treidler genannt. Gezahlt wird noch in Thaler und lübschen Courant. Heute, mehr als 150 Jahre später, hat die Berkenthiner Prahm-Kameradschaft, ein loser Zusammenschluss aus Bürgern, die die alte Treidler-Tradition mit einem Prahm-Kahnnachbau am Leben erhalten, ein besonderes Geschenk erhalten.

Direkt gegenüber der 1230 erbauten, Berkenthiner Maria-Magdalenen-Kirche, an der Kirchsteigbrücke des Elbe-Lübeck-Kanals, hat der Ältermann des Lübecker Vereins „Amt der Stecknitzfahrer“, Hartmut Haase, dem Chef der Berkenthiner Prahm-Kameradschaft, Günter Schewe, einige Original-Vertragsurkunden geschenkt. Dekrete, die die einstigen Bedingungen beim Transport des Salzes von Lüneburg nach Lübeck dokumentieren. Mit zwei Thalern mussten die Stecknitzfahrer die Treidler beispielsweise für die Strecke von Berkenthin bis zur Donnerschleuse entlohnen. Ein Vertrag aus 1848 sagt aus, dass den Linienziehern neben Geld auch noch eine halbe Flasche Branntwein und so viel Bier, wie sie trinken mögen, zustand. Für die feierliche Übergabe der Belege begaben sich die zünftig gewandeten Prahm-Leute zusammen mit Berkenthins Bürgermeister Michael Grönheim an den nachgebauten Prahm-Kahn. Zuvor lud Gemeinde-Pastor Wolfgang Runge zu einem kleinen Exkurs in die Geschichte des Gotteshauses, zeigte Stecknitzfahrer-Gestühl und Grabplätze der Fluss-Schiffer aus dem Jahr 1862.

„Die alten Urkunden sind bei den Prahm-Leuten am besten aufgehoben“, sagte Ältermann Haase. Und die ließen sich nicht lumpen und luden zu Kaffee und Kuchen. Aber nicht, bevor Hartmut Haase, der Ältermann der einstigen Stecknitzfahrer-Gilde, von illustren Gebräuchen und strengen Sitten der sogenannten Kringelhöge berichtete. Als die Stecknitzfahrer noch das jährliche Fest pflegten, bei dem es ein morgendliches Herrenfrühstück und jede Menge Braunbier aus Zinnkrügen gab. Wer einst die Runde mit seinem Gequatsche störte, musste Strafgeld an den Büchsenschaffer zahlen, ebenso, wer mit dem Trinkspruch „Ick tring di to“ nicht richtig umgehen konnte. jac

 

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