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Lübeck „Für eine neue Direktwahl stehe ich nicht zur Verfügung“
Lokales Lübeck „Für eine neue Direktwahl stehe ich nicht zur Verfügung“
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10:35 21.11.2017
 Das Kapitel Bürgermeister ist damit für die 55-jährige Kathrin Weiher  abgeschlossen Quelle: LN
Lübeck

Lübecker Nachrichten: Warum hat es für Sie nicht gereicht?
Kathrin Weiher: Weil mich 964 Menschen nicht gewählt haben. Es ist wohl nicht gelungen, alle Wähler des bunten Bündnisses zu motivieren, zur Wahl zu gehen. Es ist nicht gelungen, den Bürgern deutlich zu machen, wie wichtig eine Bürgermeisterwahl ist. Ich bin sehr enttäuscht über die geringe Wahlbeteiligung von 32,6 Prozent.

LN: Bei den Briefwählern hat Jan Lindenau deutlich aufgeholt. Ist das der Knackpunkt gewesen?
Weiher: Es hat mir nicht gefallen, wie die Briefwahl gelaufen ist. Teilweise sind Unterlagen sehr spät herausgegangen. Ältere Menschen haben gar nicht verstanden, dass sie noch einmal wählen sollen.

LN: Einige waren verunsichert.
Weiher: Das ging eher zu meinen Lasten.

LN: War das Thema Stadtteilbüros ausschlaggebend?
Weiher: In Kücknitz sicherlich. Ich habe mich über mein schlechtes Wahlergebnis dort gewundert, denn ich habe viel Gutes gemacht – in Schulen und Kitas. Lindenau will ein Stadtteilbüro eröffnen. Die Kücknitzer haben mir übel genommen, dass ich die Räume des früheren Stadtteilbüros für den städtischen Pflege- und Adoptivkinderdienst genutzt habe.

LN: War Ihr Modell dann ein Fehler?
Weiher: Nein, ich bleibe bei meiner Haltung. Ich glaube noch nicht daran, dass die Stadtteilbüros wieder eröffnet werden. Ich denke, die Wiedereröffnung ist kein zukunftsweisender Weg. Lindenaus Versprechen habe ich beim LN-Talk im Hansemuseum in Frage gestellt. Stadtteilhäuser, die Lindenau verspricht, halte ich für unrealistisch.

LN: Haben Sie berufstätige Eltern in größerer Zahl vor den Kopf gestoßen, weil Sie bei der Kita-Betreuung keine großen Sprünge wagen?
Weiher: Ich finde, Lübeck ist bei der Kitaversorgung unheimlich gut aufgestellt. Wir haben aus 900 Hortplätzen rund 3500 Plätze in Betreuten Grundschulen gemacht, obwohl es keinen Rechtsanspruch darauf gibt. Ich werde jetzt versuchen, die Schließzeiten von Kitas und Betreuten Grundschulen stadtteilweise abzugleichen. Die Forderung, zehn Schließtage wegfallen zu lassen und dafür zwei Millionen Euro auszugeben, ist mir zu teuer. Das konnte ich nicht versprechen. Wir bauen neun neue Kitas, die kosten uns jedes Jahr drei Millionen Euro mehr.

LN: Stimmt es, dass die SPD besser mobilisiert hat?
Weiher: Die SPD hat einen enorm starken Wahlkampf absolviert und sehr viel Manpower und Geld investiert. Ich würde sagen, mehr als wir. In unserem Bündnis ist es nicht gelungen, alle Parteimitglieder zu mobilisieren. Bei den Grünen-Wählern gab es Schnittmengen mit Detlev Stolzenberg. Bei der CDU gab es das alte Auseinanderfallen in zwei Seiten. Ich habe versucht, sie zusammenzubinden. Es ist mir nicht ganz gelungen. Für manche der CDU-Wähler war es aber ungewöhnlich, dass die Linken im Bündnis dabei waren. Auch für Linke war es schwierig, das Bündnis mit der CDU zu akzeptieren.

LN: Würden Sie noch einmal mit einem solchen Bündnis zur Wahl antreten?
Weiher: Für eine neue Direktwahl stehe ich nicht zur Verfügung. Vom Lebensalter her hätte es jetzt gut gepasst, dann hätte ich zwölf Jahre machen können. In sechs Jahren noch einmal anzutreten, das ist nicht mein Ziel.

LN: 32,6 Prozent Wahlbeteiligung – welche Erklärung haben Sie dafür?
Weiher: Wir haben den intensivsten Wahlkampf gemacht, den man sich vorstellen kann. Es ist schade, dass es trotzdem nicht gelungen ist, mehr Leute an die Wahlurnen zu bekommen. Mich macht die Politikmüdigkeit der Menschen richtig traurig. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir diese Menschen noch erreichen können.

LN: Wie geht es jetzt weiter?
Weiher: Ich arbeite weitere drei Jahre als Senatorin. Solange bin ich ja noch gewählt. Dann muss ich gucken, ob mich die Bürgerschaft noch einmal wählt.

LN: Als Senatorin würden Sie noch einmal antreten?
Weiher: Vom Lebensalter her auf jeden Fall. Ich will nicht aus Lübeck weg. Mein Mann und ich wollen hier alt werden.

LN: Was wird aus dem bunten Bündnis?
Weiher: Unsere persönlichen, guten Kontakte werden wir beibehalten. Es wird uns gelingen, uns künftig in Sachfragen abzusprechen. Sicherlich nicht bei allen Themen. Ich kann mir vorstellen, dass wir Mehrheiten bilden werden.

Interview: Kai Dordowsky

 

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