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Lokales Lübeck Ganz Lübeck im Pokémon-Fieber
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16:45 17.07.2016
Auf der Suche nach den seltensten Pokémons in der Hansestadt: Tobias Tamm ist ein begeisterter Spieler der neuen App. Quelle: Fotos: Dirk Silz, Christoph Brandt
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Lübeck

Sie sind überall in der Stadt zu sehen. An der Obertrave, auf dem Campusgelände oder im Bus nach Travemünde – an allen Ecken der Stadt sind Leute mit gesenktem Kopf anzutreffen. In einen Bann gezogen, die Umwelt um sich herum völlig vernachlässigend. Die meist zwischen 20 und 30 Jahre alten Lübecker spielen die am Mittwoch in Deutschland veröffentlichte App Pokémon Go auf ihren Handys. Frei nach dem Motto „Schnapp sie dir alle!“ gehen sie auf die Straßen und sammeln die bunten Fantasiewesen, wann immer sie auf dem Display erscheinen. Ob auf der Liebesbrücke, in der gut besuchten Fußgängerzone oder vor dem Hauptbahnhof – die tierähnlichen Animationen verstecken sich in der ganzen Stadt.

Eine neue App für das Smartphone lässt viele junge Hansestädter in eine Fantasiewelt eintauchen.

Bei Pokémon Go werden die Nutzer der App selbst zu Trainern und müssen sich als solche durch die Stadt bewegen, um in dem Spiel voranzukommen. Basierend auf den Geo-Koordinaten der echten Welt, bewegt sich ein im Spiel erstellter Avatar gleichzeitig mit. Erscheint ein Pokémon auf dem Display, aktiviert sich die Kamera des Smartphones und lässt Fantasiewelt und Realität verschmelzen.

Plötzlich springen „Taubsis“, „Raupys“ und „Traumatos“ am Holstentor, an der Petrikirche oder der Mühlenbrücke umher.

Tobias Tamm hat Pokémon Go sofort installiert. Etwa drei Stunden am Tag verbringt der 25-Jährige seither täglich auf der Jagd nach Pokémons. „Schon in meiner Kindheit war Pokémon der Renner“, sagt er. Pokémon Go schaffe es nun, einen sozialen Aspekt in das Spiel zu integrieren. „Durch die App treffe ich Leute wieder, mit denen zuletzt nur lockerer Kontakt bestand“, sagt Tamm und verweist auf seine neue WhatsApp-Gruppe mit mehr als 40 Freunden, die sich allein wegen Pokémon austauschen. Informatikstudent Eric Sachse (25) geht es ähnlich. „Durch die App lernt man Menschen und Orte kennen, die einem ohne das Spiel verborgen geblieben wären“, sagt er. Viele Sehenswürdigkeiten oder kleine Hingucker in der Stadt tauchen als sogenannte Poké-Stops im Spiel auf, die dem Trainer auf seiner Reise helfen.

„Es ist toll, die ganzen Kindheitserinnerungen mit dem Handy erleben zu können“, schwärmt Katrin Lämmermann. Als riesengroßer Pokémon-Fan fieberte sie schon zwei Jahre vor Erscheinen von Pokémon Go dem Spiel entgegen. Erstmals mit den heute insgesamt 721 Kreaturen hat sie sich im Jahr 2000 beschäftigt. Natürlich sammelte sie auch Karten, Sticker und Stofftiere. Von mehr als zehn Editionen der Game-Freak-Spielereihe für den Gameboy war die 25-jährige Studentin schon hin und weg – nun hat die App sie nach wenigen Tagen infiziert. „Das Coole ist, dass jeder mitmachen kann“, sagt Lämmermann. Taucht eines der zu fangenden 151 Pokémons auf, erscheint ein Symbol und lässt das Mobiltelefon vibrieren.

Die bis zu 30 Minuten sichtbaren Pokémons können dann mit ein wenig Spielglück und dem Wurf eines Pokéballs per Display-Berührung gefangen werden. Das Motto der Pokémon-Fernsehserie, der Allerbeste sein zu wollen, scheinen die Hansestädter mehr als zu verinnerlichen. Auf der Suche nach den seltensten Geschöpfen, durchqueren sie ganz Lübeck. Sie werden auf Stolpersteine in der Breiten Straße aufmerksam, entdecken eine Mary-Poppins-Wandverzierung in St. Lorenz Süd oder schauen sich die Skulpturen an der Puppenbrücke genauer an. „Ich bin extra in der Altstadt unterwegs gewesen, um Pokémons zu fangen“, sagt Dominik Borchardt (24). Für Spielspaß sorgt auch ein Kampf-Modus, bei dem die App-Nutzer ihre gesammelten Pokémons durch schnelles Tippen auf dem Bildschirm trainieren.

Untereinander können sich die Pokémon-Trainer aber noch nicht herausfordern. Für Pokémon-Fan Tobias Tamm steht aber fest: „Wenn das Interagieren erst möglich ist, kommt das Spiel richtig groß heraus.“

Der Hype

Schon mit den Videospielen für den Nintendo Gameboy und andere Spielekonsolen sowie den Stickern und Karten zum Sammeln und Tauschen lösten die Entwickler der japanischen Softwarefirma Game Freak Mitte der 90er-Jahre einen wahren Pokémon- Hype aus, der die Jugendzeit gleich mehrerer Generationen prägte. Die ersten Spiele wurden im Februar 1996 in Japan veröffentlicht.

Bis heute verkauften sich weltweit über 200 Millionen Einheiten der Marke Pokémon.

 Christoph Brandt

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