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Lübeck Gaudi am Krähenteich: Ein König, der übers Eis geht
Lokales Lübeck Gaudi am Krähenteich: Ein König, der übers Eis geht
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18:23 25.11.2013
Von Michael Hollinde
Abgesichert durch den Vereinsvorsitzenden Jan Schmeller musste „Eiskönig“ Claus-Peter Lorenzen das Nichtschwimmerbecken durchschreiten.
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Lübeck

Alle — darunter Bürgermeister Bernd Saxe — beschäftigt an diesem Sonntagnachmittag nur eine Frage: Hält es, oder hält es nicht? Auch wenn das Stadtoberhaupt eher skeptisch ist — die Optimisten haben die Nase vorn. „100 Leute haben bei einem Einsatz von fünf Euro mitgewettet, und davon glauben 59 nicht an den Durchbruch“, sagt Jan Schmeller, erster Vorsitzender des Fördervereins Altstadtbad Krähenteich. Als „Lübecks erste Eiswette“ wird diese halbe Minute in die Geschichtsbücher der Hansestadt eingehen. Ein Wagemutiger für den Lauf über das gefrorene Wasser im Nichtschwimmerbecken des Freibades hat sich auch gefunden — Claus-Peter Lorenzen, aus den Reihen des 620 Mitglieder starken Fördervereins. Dem Ereignis angemessen wird er in seinem Neopren-Anzug kurz vor dem entscheidenden Gang noch standesgemäß von Zeremonienmeister Jörg Zimmermann zum „Eiskönig Claus-Peter I.“ gekrönt.

„Diese Veranstaltung haben wir uns ausgedacht, um ein bisschen Geld in die Kasse zu spülen“, merkt Schmeller an, „denn nach zwei verregneten Sommern und schlechten Besucherzahlen ist unsere Lage nicht so gut. Die Ressourcen sind aufgebraucht.“ Die Idee hatte seine Vereins-Mitstreiterin Sigrid Thomas aus ihrer Heimatstadt Varel mitgebracht. „Dort haben wir ein Freibad, das ebenfalls von einem Förderverein unterstützt wird, der sich genau so eine Veranstaltung vor zwei Jahren ausgedacht hat. Dort wetten allerdings Förderverein und DLRG gegeneinander“, merkt Thomas an. Inzwischen ist Claus-Peter I. auch schon angeleint worden — falls eine Schnellrettung beim Sturz ins Nass erforderlich werden sollte.

Erst etwas zögerlich bringt er sein 84-Kilogramm-Lebendgewicht auf die Eisfläche. Als die ersten Meter jedoch problemlos zurückgelegt werden können, wird er immer mutiger, auf den letzten Metern der 50-Meter-Strecke sogar wagemutig. Mit zwei Hüpfern beendet der „Blaublütige“ unter tosendem Applaus der rund 200 Schaulustigen die gestellte Aufgabe. „Ich hatte schon einige Bedenken“, gesteht er erleichtert ein. „Denn angesichts der Feuchtigkeit auf dem Eis hatte ich mit Rissen gerechnet, und die Nähe zum Steg ist ja auch nicht ungefährlich. Jetzt aber freue ich mich nur noch.“

Umrahmt wird das Eis-Vergnügen nicht nur durch das passende Wetter mit Schneefall und kaltem Wind, sondern auch durch Klänge des Lutopia Orchestra sowie durch Kaffee-, Glühwein-, Kuchen- und Bratwurst-Verkauf an der sogenannten „Teichbar“. Hier stehen Norbert Franke sowie Dagmar Kuhlmann mit ihrer Tochter Anna. Der 45-jährige Franke, der im Aegidienhof wohnt und sich mit einem Glühwein aufwärmt, ist regelmäßig im Krähenbad, wie er berichtet. „Ich habe den Förderverein 2001 mitbegründet und halte solche Aktionen für wichtig, um auch im Gespräch zu bleiben und die Bedeutung des Bades stets deutlich zu machen.“ Für die neunjährige Anna ist es nicht nur eine Bademöglichkeit, sondern auch ein wichtiger Treffpunkt. „Meine Freunde sind im Sommer hier, man kann toll spielen, schaukeln und klettern.“

Am Ende des Tages werden 850 Euro als Gesamterlös die Kasse bereichern. „Wenn jetzt noch ein schöner Sommer folgt, können wir erst mal ein wenig aufatmen“, resümiert der erste Vorsitzende. Dazu kommen noch die 50 Euro, die Verlosungsgewinner Anselm Pflug spenden wird. „Das ist Ehrensache. Das Krähenbad ist nämlich eine echte Bereicherung für mein Leben.“ Anfang 2014 soll es übrigens die zweite Eiswette geben.

Das Altstadtbad
1900 wurde in den ehemaligen Bleichwiesen an der Wakenitz die Badeanstalt eingeweiht; 1912 erhielt sie eine Steganlage mit Aufbauten, Türmchen und Erkern. Im Laufe der 1990er Jahre verlor sie aber an Attraktivität, die Stadt wollte das Gelände zur Bebauung veräußern — und hatte nicht mit den Anwohnern des Aegidienviertels und weiteren Freibad-Fans gerechnet, denn die sammelten mehr als 500 Unterschriften, gründeten 2001 einen Verein und eröffneten 2002 das Freibad wieder.

Michael Hollinde

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