Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Geburt im Auto: Marlenas Blitzstart ins Leben
Lokales Lübeck Geburt im Auto: Marlenas Blitzstart ins Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:15 09.08.2016
Was für ein dramatischer erster „Auftritt“: Eigentlich wollten Regina (30) und Marcus (41) Paetz aus Lüchow (Kreis Herzogtum Lauenburg) ins Lübecker Marienkrankenhaus fahren. Doch solange wollte die kleine Marlena nicht warten. Am Sonnabendmorgen um 0.55 Uhr kam sie im Auto zur Welt. Mitten auf der Kronsforder Allee. Mutter und Tochter sind wohlauf. Quelle: Fotos: Holger Kröger

Der erste Schrei eines Neugeborenen ist für jede Mutter ein ganz besonderer Moment. Viele Babys können es kaum erwarten, ganz laut ’Hallo’ zu sagen, andere lassen lieber länger auf sich warten. Die kleine Marlena gehört definitiv zu ersteren. Selbst der 30-minütige Weg ins Krankenhaus war ihr offenbar zu weit – das Mädchen kam am Sonnabendmorgen um 0.55 Uhr im Auto zur Welt. Mitten auf der Kronsforder Allee.

Baby wird auf dem Weg ins Krankenhaus geboren – Vater und Sanitäterin als Geburtshelfer auf der Kronsforder Allee - Mutter und Kind wohlauf.

Es sei alles total „irre“ gewesen“, erinnert sich Regina Paetz (30) an die schicksalhafte Nacht. Als sie am Freitagabend, dem errechneten Stichtag, gegen 23.30 Uhr ins Bett ging, habe sie eine pünktliche Geburt nicht mehr auf dem Zettel gehabt. „Mein Mann und ich überlegten noch, wann sie wohl kommen würde, als ich auf einmal merkte: Ich habe Wehen.“ Kurze Zeit später kamen die Schmerzen in immer kürzer werdenden, regelmäßigen Abständen.

Es folgt der routinierte Ablauf einer bereits zweifachen Mutter: Wieder hoch. Anziehen. Tasche schnappen, Sohn Jonte (18 Monate) ins Auto setzen und los. Mit Warnblinker braust die Familie von Lüchow (bei Sandesneben) Richtung Lübeck. „Mein Mann fuhr ein wenig schneller, trotzdem waren wir beide ganz ruhig.“ Auch Sohn Jonte genießt den nächtlichen Ausflug. Seelenruhig schläft der Kleine auf dem Rücksitz, die älteste Tochter Emilia (8) übernachtet an diesem Tag auswärts. Vater Marcus tritt aufs Gaspedal, doch die Fahrt ist lang und Marlena möchte raus. An der Kronsforder Allee endet die Fahrt, das Baby ist jetzt nicht mehr zu stoppen. „Ich wusste, es passiert jetzt, und zwar hier in diesem Auto“, erinnert sich die Mutter. Sie fahren rechts ran. Der 41-Jährige stoppt einen Passanten, bittet: „Rufen Sie sofort einen Krankenwagen, wir bekommen hier ein Kind.“

Mutter und Vater bleiben trotz allem ruhig, nehmen die Situation, wie sie kommt. „Ich dachte nur, wenn ich Panik kriege, ist das nur Stress für mein Baby“, erinnert sich die Mutter. Plötzlich sei dann alles ganz schnell gegangen. Vater Marcus eilt ums Auto zu seiner Frau, versucht ihr zu helfen, als die Presswehen einsetzen. Auch die werdende Mutter handelt instinktiv, weiß, was zu tun ist.

Von den staunenden Fußgängern und neugierigen Autofahrern bekommt sie gar nichts mit.

Dann sieht Regina Paetz das Blaulicht in der Ferne. Vater Marcus hält in dem Moment schon den Kopf seiner Tochter in den Händen, als doch kurz Panik in ihm hochkommt. „Die Fruchtblase war bis dahin ja noch nicht geplatzt, was sehr selten passiert.“ Eilig kommt ihm die Sanitäterin zur Hilfe, die beiden tauschen die Plätze. Vater Marcus nutzt die Gelegenheit, um seinen wachgewordenen Sohn auf der Rückbank zu beruhigen, als er endlich den ersten Schrei seiner Tochter hört. Anwohner stehen auf ihren Balkonen, gucken gebannt zu – und applaudieren schließlich.

„Ein unbeschreiblicher Moment“ sei es gewesen, als seine Tochter da war, so der Vater, der sich selbst nicht ganz erklären kann, wie er diese Nacht mit so einer Gelassenheit gemeistert hat. „Aber was hätte ich tun sollen? Verzweifelt im Kreis laufen und auf Rettung warten? Das hilft ja nicht.“

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und Regina Paetz blickt gerne auf die ungewöhnliche Geburt zurück. Es habe eben so sein sollen, glaubt sie. Ihr Mann sei eine große Stütze gewesen. Mit dem glücklichen Lächeln einer Mutter, das alles andere im Raum überstrahlt, streichelt sie ihrer kleinen Tochter das Köpfchen. „Es gibt Helden, die kann man nicht mit Worten beschreiben – und mein Mann gehört für mich definitiv dazu.“

 Elisabeth Riedel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige