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Lokales Lübeck Gedenken an hingerichtete Inhaftierte
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21:22 11.11.2014
Agnete Mauruschat (v. l.) und Gabriele Schopenhauer gedenken mit Roland Sérazin. Quelle: Maxwitat
St. Gertrud

France Bloch-Sérazin und Suzanne Masson, zwei Namen, die den meisten Lübeckern heute nichts mehr sagen werden. Das soll sich nun ändern. Eine Gedenktafel auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck erinnert seit gestern an die beiden Widerstandskämpferinnen, die 1943 zunächst im Gefängnis Lauerhof inhaftiert waren und anschließend in Hamburg hingerichtet wurden.

„Seit dem Beginn des Nationalsozialismus 1933 war die Zahl der Inhaftierten rapide angestiegen“, erzählt Agnete Mauruschat, Leiterin der JVA Lübeck. „Unter dem Regime wurden plötzlich Menschen verurteilt, nur weil sie eine andere Meinung, eine andere sexuelle oder religiöse Orientierung hatten.“ Viele von ihnen wurden deportiert und hingerichtet.

Auch France Bloch-Sérazin und Suzanne Masson wurden wegen ihres Einsatzes im französischen Widerstand verurteilt. Gemeinsam mit 17 anderen Widerstandskämpfern wurde Bloch-Sérazin in Paris verhaftet.

Die Männer wurden sofort erschossen, die Frauen verurteilt. Bloch-Sérazin saß von Dezember 1942 bis Februar 1943, Suzanne Masson von Juni bis Oktober 1943 im Gefängnis Lauerhof ein. Beide Frauen wurden anschließend in Hamburg im Gefängnis am Holstenglacis hingerichtet.

Worte für dieses Unrecht zu finden, ist kaum möglich. France Bloch-Sérazin hatte zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung bereits einen zweijährigen Sohn. Er, Roland Sérazin, musste als Vollwaise aufwachsen.

„Ich konnte lange nicht über dieses Geschehen sprechen“, sagt der heute 74-Jährige. Lange wollte der Franzose auch nichts mit der deutschen Kultur zu tun haben, die Sprache nicht lernen. „Jetzt ist es Zeit, die deutsch-französische Freundschaft zu entwickeln“, sagt er. Die Gedenkfeier und die Errichtung einer Gedenktafel helfen Roland Sérazin mit der unerträglichen Geschichte umzugehen. „Ich schätze es sehr, dass so viele Menschen hier zusammengekommen sind und sich dafür einsetzen.“

„Das sollte uns eine bleibende Mahnung sein, wenn heute Ungerechtigkeit hier und in der Welt geschieht“, sagt Gert Haack, Referent für Gedenkstättenarbeit im Landesministerium für Justiz, Kultur und Europa. „Diese Gedenkarbeit ist sehr wichtig“, betont Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD). „Es gibt den beiden Frauen ein Stück Würde zurück.“

Finanziert wurde die Gedenktafel vom Trägerverein der Gedenkstätte Ahrensbök.

km

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